Auf den Umleitungsstrecken ist es weitgehend ruhig, während die Arbeiten auf der Rheinbrücke in vollem Gange sind. | Foto: eki

Verkehrschaos bleibt aus

„Immense logistische Herausforderung“: Das passiert gerade auf der Rheinbrücke

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Pünktlich um Mitternacht begannen am Samstag die ersten Vorarbeiten für die Fahrbahnerneuerung auf der Rheinbrücke und seit 3 Uhr morgens wird der Spezialbeton auf die Fahrbahn in Richtung Südpfalz aufgebracht. „Diese Maßnahme ist eine immense logistische Herausforderung“, sagt Projektleiter Jürgen Gentner vom Regierungspräsidium Karlsruhe.

Von unserem Mitarbeiter Ekart Kinkel

Der schnellbindende UHPC (Ultra High Performance Concrete) wird in einem mobilen Betonwerk auf dem Parkplatz neben dem Motor-Yacht Club Wörth aufbereitet und dort vom Silo aus in die fahrbaren Betonmischer gefüllt. Die Betonmischer bringen den Beton dann zur Auffahrt an die Rheinbrücke, wo er mit einem Förderband in Metallkübel der Firma Kubixx gefüllt wird.

 

Anschließend werden die Kübel mit kleinen, grünen Traktoren auf dem Rheinbrückenradweg zum großen Betonfertiger transportiert. Dort wird der Beton über ein weiteres Förderband in die Anlage geleitet und dann auf die Fahrbahn aufgebracht. Nach einer gewissen Ruhezeit wird die frisch betonierte Fahrbahn noch mit den flinken Flügelglättern geebnet.

Bis 15 Uhr am Samstagnachmittag werden bis zur Rheinbrückenmitte insgesamt 125 Kubikmeter Beton in einer Dicke von 6,5 Zentimetern auf die Fahrbahn aufgebracht. Weil jeder Kubixx maximal einen Kubikmeter Beton transportieren kann, sind deshalb etwa 150 Traktorfahrten vonnöten. „Dieser Beton braucht nur wenige Stunden zum Aushärten“, sagt Gentner. Weil es während dieser Zeit allerdings zu keinen größeren oder dauerhaften Erschütterungen kommen darf, muss die Rheinbrücke bis Montagmorgen um 5 Uhr gesperrt bleiben.

Erneute Rheinbrückensperrung am Osterwochenende

Am Osterwochenende wird dasselbe Prozedere dann noch einmal von der Rheinbrückenauffahrt bei Wörth-Maximiliansau aus durchgeführt. Deshalb wird die Rheinbrücke auch vom Karfreitag, 20. April, um 0 Uhr bis zum Ostermontag, 22. April, um 5 Uhr noch einmal komplett für den Autoverkehr gesperrt. Züge dürfen aber wie an diesem Wochenende über die Rheinbrücke fahren. Die Fahrbahn von Wörth in Richtung Karlsruhe wird dann im September erneuert. Ein genauer Termin steht laut Gentner aber noch nicht fest. „Es darf aber auf keinen Fall zu heiß sein“, sagt der Referatsleiter für das Bauwesen am Regierungspräsidium.

Weniger Fahrbahnschäden durch ultraschnellbindenden Beton

Der ultraschnellbindende Beton verfügt übrigens über eine dreimal so hohe Festigkeit wie ein herkömmlicher Beton. „Dadurch erhält die Rheinbrücke trotz der geringen Fahrbahndicke eine höhere Stabilität und wir werden weniger Schäden an der Fahrbahndecke haben als bisher“, so Gentner. In Deutschland wird ein derartiger Spezialbeton zum ersten Mal für eine Brückensanierung eingesetzt.

Erhöhtes Verkehrsaufkommen auf der Umleitungsstrecke

Auf der offiziellen Umleitungsstrecke von Karlsruhe über Gemersheim in die Südpfalz gab es am Samstag teilweise ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und gegen Mittag stockte auf der B 36 bei Graben-Neudorf und auf der B 35 der Verkehr. Am Nachmittag hatte sich die Lage hier jedoch wieder entspannt. Vor dem Rheinübergang in Iffezheim kamen die Autos zu bestimmten Zeiten ebenfalls nur langsam voran. Auf Pfälzer Seite lief der Verkehr dagegen flüssig. Großer Andrang herrschte auch an der Rheinfähre zwischen Leopoldshafen und Leimersheim, wo es während weniger Stoßzeiten bereits am Samstagvormittag zu Wartezeiten für die Autofahrer kam. Auch am Nachmittag brauchten Autofahrer hier ein wenig Geduld.

„Wir wollen einen Ausflug auf die Burg Trifels bei Annweiler machen“, sagte Natalie Schorb, die gemeinsam mit drei Freunden von Baden in Richtung Pfalz übersetzte. „Und als wir von der Rheinbrückensperrung erfuhren, haben wir uns kurzerhand für eine Fahrt mit der Fähre entschieden“, so Schorb weiter. Keine Probleme gab es am Samstagmorgen bei den Bahnverbindungen zwischen Karlsruhe und Wörth. In den Regionalzügen und S-Bahnen waren auch für kurzentschlossene Pendler und Ausflügler noch genügend Sitzplätze frei.