Reverenz an die Väter: Mit Deftigem frisch aus dem Ofen erfreuen die Flammkuchen-Freunde Stupferich – im Bild Julia und Frank – die Papas an ihrem Ehrentag, Lieferservice inklusive.
Die "Flammkuchen-Freunde" in Stupferich verwöhnen die Väter im Stadtteil zu ihrem Ehrentag mit Deftigem aus dem Ofen. Foto: jodo | Foto: Jodo

Aus Vatertag wird Familientag

In Karlsruhe hat in diesem Jahr mancher Bollerwagen Pause

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Vatertag und Corona-Zeit – da müssen größere Landpartien mit Bollerwagen und flüssiger Nahrung im Zweifel unterbleiben. Manche Familie funktioniert den Vatertag deshalb um in einen Familientag. Und andere Väter setzen sich einfach aufs Motorrad.

Simone Kröger ist da ganz pragmatisch: „Da machen wir eben aus dem Vatertag mal einen Familientag.“ Sprach’s, rollte nach dem Frühstück sämtliche vier Fahrräder aus der Garage, verstaute Brötchen und kühle Getränke in den Satteltaschen und lotste Partner Tobias Schmitt nebst den Töchtern Annika und Theresa ins Freie.

Jetzt lagern sie gemütlich am kleinen See in der Günther-Klotz-Anlage, betrachten die Welt durch selbst tönende Brillengläser und erfreuen sich an zwei Nagetieren, die gerade seelenruhig dem Wasser entsteigen und am Gras zu knabbern beginnen. Bisam, Biber oder Nutria? „Also Biber sind das nicht“, befindet Papa Tobias. „Du hast Recht“, schließt sich Annika an. „Schon weil heute Vatertag ist.“ Genau. Aber ein ziemlich untypischer.

In diesem Jahr hat mancher Bollerwagen Pause

Männliche Zusammenrottungen müssen corona-bedingt diesmal ausfallen, kurz behoste Herren mit Bollerwagen und Flüssignahrung sind an diesem Himmelfahrtstag ähnlich leicht zu finden wie der erste Schnee. Auch wenn das Klischee vom Vatertag in diesem Jahr Pause hat – viele Papas genießen dennoch den sonnigen Müßiggang.

Da machen wir aus dem Vatertag mal einen Familientag.

Simone Kröger, Beamtin

Zum Beispiel bei einer gemütlichen Motorradtour. „Wir fahren über die Pfälzer Weinstraße und dann in Richtung Johanniskreuz“, lässt Vitalis Berskasas wissen, als er seine Harley Davidson auf dem Turmberg, dem Treffpunkt mit seinen drei Freunden, abstellt. Er selbst hat einen erwachsenen Sohn, also sei das moralisch vertretbar mit dem Vatertags-Ausflug. Zwei seiner Biker-Kumpels seien aber kinderlos, erklärt er mit gespielter Panik. „Dürfen die dann überhaupt mit?“

Flammkuchen-Freunde Stupferich erfreuen Papas

Wenn nicht, wäre es vom Turmberg aus zumindest nicht weit via Thomashof nach Stupferich. Dort sind die „Flammkuchen-Freunde“ schon mächtig am Wirbeln: Dutzende der crossen Teigfladen mit Käse, Zwiebeln und Speck verlassen dampfend den Ofen, wandern in Pizza-Schachteln und werden entsprechend den Vorbestellungen prompt ausgeliefert.

Ohne einzukehren ist dieser Tag nur eine halbe Sache.

Vitalis Berskasas, Kfz-Mechatroniker

Vorzugsweise natürlich an Väter, aber auch an deren Familien. Denn so sei das eben mit dem Vatertag, sagt Papa Tobias Schmitt aus der Günther-Klotz-Anlage: „Vater ist nicht nur ein verwandtschaftliches Verhältnis sondern auch eine Frage der Einstellung.“ Wie bitte? Jaja, beharrt der Mittvierziger, man müsse nicht Vater sein, um sich als Vater zu fühlen.

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Mit Interesse und Mundschutz hat ein älteres Paar auf einer nahen Bank die philosophischen Vatertags-Ausführungen mitverfolgt. Er wolle sich ja nicht einmischen, setzt der Senior in norddeutschem Tonfall an. Aber er betrachte es schon als Verdienst, Vater zu sein. „Schließlich habe ich meinen zwei Söhnen das Studium finanziert.“ Der Mutter dieser Söhne scheint der Einwurf etwas unangenehm. Vatertag, sagt sie, sei ja doch nur eine Erfindung der Industrie.

Christliche Tradition

Da täuscht sie sich aber. Denn, dass der Vatertag regelmäßig an Himmelfahrt stattfindet, ist weder Zufall noch allein kommerzgetrieben. Dem Neuen Testament zufolge stieg Jesus an diesem Datum zum Vater im Himmel auf. Wanderungen, Radtouren und Bollerwagen-Landpartien unter Vätern beziehen sich gemäß der christlichen Tradition auf die Prozession der Jünger zum Ölberg.

Bei Vitalis Berskasas findet diese Prozession sozusagen per Motorrad statt. Seine Biker-Kollegen sind pünktlich auf dem Turmberg erschienen; jetzt freuen sie sich auf das Etappenziel Bad Bergzabern. Unterwegs wollen sie einkehren, denn das sei ja nun wieder möglich. „Ansonsten wäre dieser Tag nur eine halbe Sache“, meint der Biker.