Treffpunkt für jene, die am Werderplatz vom Alkoholverbot betroffen sind, wird zunehmend auch der Festplatz. Die Stadt verweist auf die Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes. | Foto: Sandbiller

Ausweichort gefunden?

Karlsruhe: Trinkerszene vom Werderplatz wandert zum Festplatz

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Die Sonne scheint. Noch wirkt die Szenerie am Festplatz vor dem Vierordtbad fast idyllisch. Doch wenn man näher hinschaut, nicht mehr so ganz. Dosenbier kreist unter den Männern und wenigen Frauen, es wird sich lautstark auf russisch unterhalten. Noch sind es nicht mehr als ein knappes Dutzend Personen. Noch – doch inzwischen hat sich nach Ansicht Betroffener am Festplatz eine Art Ausweichszene für den vom Alkoholverbot betroffenen Werderplatz gebildet mit ersten unangenehmen Auswirkungen für das Umfeld.

Sind dies tatsächlich die ersten Anzeichen dafür, dass sich die Szene vom Werderplatz verlagert hat? Solche Auswirkungen hat manch skeptischer Stadtrat befürchtet, als das Maßnahmenbündel wegen der untragbaren Zustände am Werderplatz gestartet wurde.

Vierortbad als Toilette missbraucht

Handfeste Klagen gibt es bereits aus den städtischen Bäderbetrieben. So erleichtert sich manch Angehöriger der Trinkerszene ungeniert vor dem Vierordtbad. Fäkalien waren allerorten, bis Bäderchef Oliver Sternagel ein Dixieklo aufstellen ließ. Auch weitere Betroffene im Umfeld fühlen sich belästigt.

 

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Beim Ordnungs- und Bürgeramt hat man die Aktivitäten auf dem Festplatz auf dem Schirm. Ute Donisi vom Ordnungs- und Bürgeramt verweist zunächst auf die positiven Auswirkungen am Werderplatz: „Das Alkoholverbot hat sich bewährt. Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen von den Anwohnern.“ Im Durchschnitt werde noch einmal pro Woche ein Verstoß auf diesem zentralen und beliebten Südstadt-Platz registriert. Der nahegelegene Festplatz sei auch vor dem Alkoholverbot „eine Ausweichfläche“ für jene Angehörige der Trinkerszene gewesen, denen es am Werderplatz zu voll gewesen sei. „Aber wir stellen nun natürlich am Festplatz Personen fest, die der Trinkerszene zuzurechnen sind.“

„Alles noch sozialverträglich“

In der Spitze seien dies bis zu 20 Personen, normalerweise sei die Zahl aber im einstelligen Bereich. „Wir sind im Kontakt mit den Ämtern, speziell dem Bäderamt. Und wir sind regelmäßig am Festplatz“, verweist Donisi auf die Präsenz des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD). Zum Vergleich: Seit Beginn des Alkoholverbots war der KOD 450 Mal am Werderplatz präsent, 130 Mal am Festplatz. Sie sieht zudem weitere Erscheinungsformen von Verlagerungen. Neben dem Festplatz gebe es diese auch am Tivoli oder an der Grünfläche beim Staatstheater, wo früher die Unterführung war. „Aber aus unserer Sicht ist dies alles noch sozialverträglich.“ Man habe dennoch ein waches Auge darauf: „Uns ist der Festplatz natürlich wichtig, er ist ein Aushängeschild der Stadt.“ Nicht betroffen ist offenbar der Grünzug in der Südstadt. Von Anwohnern hatte es Befürchtungen gegeben.

Alkoholverbot endet am 31. Oktober

Ein Termin rückt nun ins Visier: Am 31. Oktober endet das erlassene Alkoholverbot am Werderplatz. Es tritt erst wieder im kommenden April in Kraft. „Wir werden genau hinschauen, was sich ab diesem Termin am Werderplatz und natürlich den anderen Örtlichkeiten verändert“, so Donis.

2017 und 2018 fällte der Karlsruher Gemeinderat Entscheidungen, um die Situation auf dem Werderplatz zu befrieden. Eine Mischung aus Repression und Hilfen sollte die stetig wachsende Ansammlung an Trinkern, Obdachlosen und weiteren Drogensüchtigen auf dem Platz auflösen. Eine Gesetzesänderung des Landes ermöglichte dem Gemeinderat auch, im Dezember 2018 ein Alkoholverbot zu verhängen.
Montags bis samstags darf auf dem Platz in der Südstadt zwischen 11 und 20 Uhr kein Alkohol mehr getrunken werden – die ansässige Gastronomie ist davon nicht betroffen. Das Verbot gilt zwischen 1. April und 31. Oktober und ist zunächst auf fünf Jahre befristet.
Neben dem Alkoholverbot verfolgt die Stadt Hilfs-Ansätze, um die Situation auf dem Werderplatz zu entschärfen. So soll voraussichtlich im Herbst in der Kriegsstraße ein Drogenkonsumraum eröffnet werden. Bereits seit September 2018 gibt es den „Alkoholakzeptierenden Aufenthaltsraum“ (A³) in der Schützenstraße 2. Täglich 30 bis 40 Menschen kommen dort nach Angaben der Diakonie zusammen.