Am Absperrband entlang biegt sich die Warteschlange vor dem Eingang des St.-Vincentius-Krankenhauses in der Südendstraße. Seit Montag, 18. Mai, sind in Karlsruher Kliniken wieder Besuche möglich.
Am Absperrband entlang biegt sich die Warteschlange vor dem Eingang des St.-Vincentius-Krankenhauses in der Südendstraße. Seit Montag, 18. Mai, sind in Karlsruher Kliniken wieder Besuche möglich. | Foto: Jörg Donecker

Strenge Sicherheitsregeln

Karlsruher Kliniken erlauben wieder Krankenbesuche

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Wegen der Corona-Pandemie waren in den vergangenen neun Wochen Besuche in Krankenhäusern verboten. Seit dieser Woche dürfen Angehörige und Freunde die Patienten wieder besuchen – allerdings nur unter strengen Sicherheitsvorschriften. Die meisten Besucher haben Verständnis für die Maßnahmen, auch wenn es sich an den Anmeldepunkten der Karlsruher Kliniken zunächst staute.

Mit Blumen, Schokolade und Genesungswünschen zum Besuch ins Krankenhaus? Das war in Karlsruher Kliniken neun lange Wochen wegen Covid-19 nicht möglich. Seit diesem Montag haben das Städtische Klinikum und die Karlsruher ViDia-Kliniken das Besuchsverbot wieder aufgehoben, es gelten jedoch strenge Regeln.

Vor dem St.-Vincentius-Krankenhaus in der Südendstraße, das zu den ViDia-Kliniken gehört, ist der Eingang gut sichtbar mit rot-weißem Band abgesperrt. „Ich will meinen Papa besuchen“, erzählt Tanja König. „Ich weiß noch gar nicht, was er hat, das hoffe ich jetzt herauszufinden.“ Um einen Covid-Verdacht gehe es aber nicht, so die Erzieherin aus Bruchsal. Zur Mittagszeit ist die Schlange vor dem St. Vincentius kurz, zwischen Abstandsmarkierungen geht es in halbrunder Reihe zügig vorwärts.

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Am St.-Vincentius-Krankenhaus läuft die Besucher-Registrierung zügig

Am Tischchen unter einem Sonnenschirm muss jeder Besucher, vorschriftsgemäß maskiert und unter Aufsicht eines Sicherheitsmanns, einen Fragebogen ausfüllen. Das dauert kaum eine Minute, dann darf man eintreten. Für die Kranken bringt manch eine Besucherin selbst gebackenen Kuchen mit, eine Frau trägt ganze vier Pizzakartons in die Klinik. „Gestern war hier ein richtiger Ansturm“, erzählt ein Mann, der gerade eine Verwandte auf der Intensivstation besucht hat. Es sei noch ein wenig chaotisch gelaufen am ersten Besuchertag. „Heute geht es schon sehr viel gesitteter zu.“

Maximal für 60 Minuten am Tag in der Zeit zwischen 12 und 18 Uhr ist an den Standorten der ViDia-Kliniken ein Krankenbesuch möglich. Pro Patient nur ein Besucher, außerdem nur ein Besucher pro Krankenzimmer, das sind die Regeln. „Wir appellieren an die Gäste, die Hygiene- und Abstandsvorschriften auch wirklich einzuhalten“, sagt ViDia-Pressesprecherin Melanie Barbei. Mundschutz und Händedesinfektion seinen ja im Alltag schon Standard, sie seien genau so auch im Krankenhaus zu beachten.

Wir müssen wirklich auf die Sicherheit achten

Melanie Barbei, Pressesprecherin der ViDia-Kliniken

„Es ist für eine Klinik mit unserer Struktur nicht ganz leicht gewesen, die Vorgaben übers Wochenende schnell umzusetzen und das Personal mit den neuen Regelungen vertraut zu machen“, so Barbei. Bisher nicht für Besucher freigegeben ist die Geriatrie, sie soll nächste Woche folgen. Zudem könne es etwa bei Untersuchungsterminen vorkommen, dass Begleitpersonen nicht mit ins Behandlungszimmer dürfen – etwa, wenn durch Ärzte und Pfleger die maximal erlaubte Personenanzahl im Raum schon erreicht sei.

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„Wir müssen da wirklich auf die Sicherheit achten“, betont Barbei. Und so wartet eine ältere Dame draußen vor dem Vincentius, während ihr über 80-jähriger Ehemann, Krebspatient, zu einer Untersuchung drinnen ist. „Das kann ein paar Stunden dauern“, meint die Frau achselzuckend.

Die Covid-Station am Städtischen Klinikum Karlsruhe ist weiterhin für Besucher gesperrt

Die Besuchszeit am Städtischen Klinikum Karlsruhe beginnt erst um 15 Uhr und endet um 19 Uhr. Auch hier gilt: pro Patient und Tag nur ein Besucher für maximal 60 Minuten, Mundschutz, Händedesinfektion und das Ausfüllen eines Fragebogens sind Voraussetzung für den Einlass ins Krankenhaus. Von Besuchen ausgenommen bleibt die Covid-Station.

Krankenbesuch in Corona-Zeiten: Im Städtischen Klinikum Karlsruhe stehen (und sitzen) die Besucher im Haus R Schlange, um sich für ihre 60 Minuten Besuchszeit am Tag zu registrieren. Auf die Einhaltung der Sicherheits- und Hygienevorschriften wird streng geachtet.
Krankenbesuch in Corona-Zeiten: Im Städtischen Klinikum Karlsruhe stehen (und sitzen) die Besucher im Haus R Schlange, um sich für ihre 60 Minuten Besuchszeit am Tag zu registrieren. Auf die Einhaltung der Sicherheits- und Hygienevorschriften wird streng geachtet. | Foto: Jörg Donecker

Besucher der Psychiatrie melden sich vor Ort an der Kaiserallee, Besucher der Kinder- und Frauenklinik im Haus S in der Kußmaulstraße und alle anderen werden im Veranstaltungszentrum von Haus R zur Registrierung empfangen. Wer sich im Haus verirrt, wird zu einem Kontrollpunkt in der Nähe der Zentralen Notaufnahme gebracht, wo das Anliegen geklärt wird, bevor Zutritt zum Gebäude gewährt werden kann.

An der zentralen Besucher-Registrierung bei Haus R stehen die Menschen schon um kurz nach 15 Uhr artig in der Schlange, die im Hof beginnt und sich in der Empfangshalle fortsetzt. Die Besucher müssen zwei Dokumente ausfüllen, die Formulare werden kontrolliert, dann weist das Personal den Weg.

Insgesamt 250 Besucher am ersten Tag im Klinikum

Registrierte Besucher bekommen ein farbiges Armband, mit dem sie am Registrierungstag auf Station können. „Derzeit arbeiten wir an einer technischen Lösung, um das Registrierungsverfahren für die Besucher zu vereinfachen und zu beschleunigen“, teilt die Pressestelle des Klinikums auf BNN-Anfrage außerdem mit. Für das Personal seien die neuen Regelungen gut umsetzbar, auch auf Besucherseite herrsche großes Verständnis.

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Insgesamt rund 250 Menschen haben am Montag an den drei Registrierungsstellen ihren Besuch angemeldet, für Dienstag seien die Zahlen noch nicht fix, so die Pressestelle. „Natürlich haben sich die Patienten sehr gefreut, wieder Besuch empfangen zu können. Das gilt besonders für unsere kleinen Patienten in der Kinderklinik.“