Sind 2,60 Euro für die Kurzstrecke im KVV-Gebiet zu viel? Die Meinungen gehen auseinander. | Foto: jodo

„ticket2go“ endet

Keine Kurzstreckentarife: Gelegenheitsfahrer spielen beim KVV eine untergeordnete Rolle

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Der Preis für ein Einzelticket wird vom Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) zur turnusmäßigen Fahrplanumstellung am 15. Dezember nicht angehoben. Weil jedoch das Pilotprojekt „ticket2go“ nach zwei Jahren ausläuft, schlägt eine einfache Bus- oder Bahnfahrt ohne Ermäßigungen im Bereich des KVV mit mindestens 2,60 Euro zu Buche.

„Daran wird sich zunächst einmal auch nichts ändern“, stellt Stefanie Herrmann, Leiterin des Tarifmanagements beim KVV, klar. In den vergangenen Wochen sorgten die Preise für Kurzstreckentickets allerdings immer wieder für Diskussionen.

Im Ortschaftsrat Wettersbach wurde deshalb bereits der Ruf nach der Einführung eines günstigen Kurzstreckentickets laut. Der Grund: Wenn ältere Leute einmal in der Woche die kurze Strecke zwischen Palmbach und Grünwettersbach mit dem Bus zurücklegen, müssen sie für Hin- und Rückfahrt 5,20 Euro bezahlen. Das ist nach Ansicht einiger Wettersbacher Räte nicht verhältnismäßig.

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Kurzstreckentickets angeblich nicht notwendig

Vergünstigungen für Gelegenheitsfahrer spielen in der Preispolitik des KVV laut Herrmann jedoch nur eine untergeordnete Rolle. „Natürlich sind Senioren ebenso wie Schüler eine wichtige Zielgruppe“, betont die Tarifmanagerin. Deshalb gebe es auch spezielle Angebote für ältere und jugendliche Vielfahrer. Leute, die den KVV nur sehr unregelmäßig nutzten, könnten aus Gründen des Solidaritätsprinzips jedoch nicht entlastet werden.

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Dank des Projekts „ticket2go“ wurden kurze Fahrten seit 2017 zwar mit einen Euro plus 25 Cent pro gefahrenem Kilometer abgerechnet. Allerdings sei das Projekt von Beginn an auf zwei Jahre angelegt gewesen. Zudem lieferten die geringen Nutzerzahlen für den KVV keinen Beleg für die Notwendigkeit eines Kurzstreckentickets.

Die „Homezone“ kommt

In naher Zukunft soll es durch das Projekt „Homezone“ wieder einen günstigen Kurzstreckentarif geben. Dabei werden die Fahrten nach Länge über eine spezielle App abgerechnet. Derzeit befindet sich das System noch in der Entwicklungsphase. Im Sommer 2020 beginnt dann der Testlauf und Ende 2020 können Kunden erste Erfahrungen mit der „Homezone“ sammeln. Allerdings können günstige Tickets dann wie bei „ticket2go“ nur übers mobile Endgerät gekauft werden.

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Kleine Preisunterschiede sind gewollt

„Natürlich wird es auch weiterhin Fahrkartenautomaten für kurzentschlossene Gelegenheitsfahrer ohne die App geben“, betont Herrmann. Eine Umrüstung der stationären Automaten auf das „Homezone“-Prinzip sei allerdings nicht möglich. Das bedeutet: Papiertickets aus dem Automaten sind in naher Zukunft in manchen Fällen etwas teurer als elektronische Fahrkarten. Kleine Preisunterschiede sind dabei durchaus gewollt.

Durch günstige Angebote sollen KVV-Kunden von den Vorteilen des Ticketkaufs per Handy überzeugt werden. Ein weiteres Argument aus den Reihen des Wettersbacher Gremiums, nämlich dass ältere Menschen Apps nicht nutzen würden und deshalb auf Fahrscheine auf Papier angewiesen seien, lässt Herrmann übrigens nicht gelten. Der KVV biete schließlich regelmäßig spezielle Kurse für Senioren an. Dabei werden die älteren Fahrgäste über die unterschiedlichen Ticketangebote informiert und im Bedienen der KVV-App geschult.