Es tut sich was in Karlsruhes Einkaufsmeile.

Bewegung in der Innenstadt

Neue Mieter in Karlsruhes Einkaufsmeile

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Knapp zwei Jahre lang herrschte an der Adresse Kaiserstraße 195–197 Tristesse. Seit der Modekonzern Esprit im Mai 2017 seine Filiale auf der Karlsruher Einkaufsmeile geschlossen hat, stand das mehrstöckige Geschäftshaus leer – abgesehen von einem temporären Sonderverkauf, den nicht alle in der Nachbarschaft goutierten. Doch die Zeit der verriegelten Türen und verklebten Schaufenster ist bald zu Ende.

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Der Hamburger Outdoor-Händler „Globetrotter“ soll das Gebäude beziehen. Konkreter wird es auf der Homepage des Outdoor-Händlers: Die Eröffnung der City-Filiale in Karlsruhe ist zwischen März und Mai geplant.

Niederländer folgen Schweden

Auch hinter der Fassade in der Kaiserstraße 173 tut sich etwas – davon kunden die Plakate an der Fensterfront. In das Ladengeschäft an der Haltestelle Herrenstraße zieht der niederländische Warenhausbetreiber Hema ein. Nach Mannheim und Stuttgart soll Karlsruhe die dritte Filiale der Handelskette aus Amsterdam im Südwesten werden. Zuletzt befand sich an dieser Adresse ein Laden des schwedischen Moderiesen Hennes&Mauritz (H&M), in der zweiten Jahreshälfte 2018 kam das Aus.
In Bewegung

 

Wer mit offenen Augen durch die Innenstadt geht, bemerkt auch an anderen Stellen in der Kaiserstraße Veränderungen: Der Kaffeefilialist Tchibo zieht von der Hausnummer 183 (zwischen footlocker und Starbucks) einige Meter weiter in die Kaiserstraße 199A um. Dort befand sich bis vor kurzem noch eine WMF-Filiale. Die Lücke, die Tchibo hinterlässt, könnte ein Modegeschäft füllen – so munkelt man zumindest in der Nachbarschaft. Neu in der City ist der Apple-Händler „implement-It“, der leer- stehenden Räume in der Kaiserstraße 88, zwischen Ritter- und Lammstraße, bezogen hat.

Postgalerie

Mit der Taschenmarke Bree, dem Schuhladen Görtz und dem Modeladen Cecil haben gleich drei bekannte Namen die Postgalerie verlassen. Die leeren Flächen im Erdgeschoss des Centers werden zu einer gastronomischen Zone umstrukturiert: Voraussichtlich Ende dieses Jahres soll dort der Burgergrill „Hans im Glück“ öffnen. Das Münchner Franchising-Unternehmen hat bereits eine Filiale am Marktplatz. Der neue Burgergrill wird über das Center und einen separaten Außenzugang erreichbar sein. „Auf diese Weise möchten wir die Postgalerie weiter zum Europaplatz hin öffnen und zur zukünftigen Gestaltung dieses wichtigen Verkehrsknotenpunktes in der Innenstadt beitragen“, sagt Centermanager Andreas Thielemeier.
Nachdem die französische Fast-Food-Kette „Bagelstein“ nach nicht einmal einem Jahr die Postgalerie wieder verließ, soll der Laden am Eingang Europaplatz erneut mit einem Gastro-Konzept gefüllt werden. Einzelheiten wolle man jedoch noch nicht nennen, so Kathrin Winter vom Marketing. Kalter Kaffee ist dagegen Starbucks in der Postgalerie. Der Kaffee-Gigant schloss im vergangenen Jahr mehrere Filialen in Deutschland, darunter die am Europaplatz (sowie im Karlsruher Hauptbahnhof). Als Nachfolgemieter gewann die Postgalerie die Bäckerei Grimminger.

Ettlinger Tor

Zu den neuen Geschäften im Einkaufscenter „Ettlinger Tor“ zählt Hollister. Das zu Abercrombie & Fitch gehörende Modeunternehmen lockt seit Februar die Kunden, die bisher nach Stuttgart fahren mussten. Voraussichtlich Anfang Mai soll zudem mit „7Aygan Outfitter“ ein weiteres Geschäft für Männerbekleidung öffnen. Jeanshersteller Mustang hat dagegen das Einkaufscenter verlassen.
Die Eröffnung der Gastronomie „Yemen Kahvesi“ im Eingangsbereich am Rondellplatz (BNN berichteten bereits) verzögert sich nach Angaben von Centermanagerin Anne Klausmann bis zum Sommer. Danach bleibt noch eine Ladenfläche von insgesamt 1 700 Quadratmetern leer, die sich über zwei Ebenen erstreckt. Gespräche mit Textilanbietern laufen bereits, so Klausmann. Spätestens zum Ende des Jahres soll es im „Ettlinger Tor“ keine verklebten Schaufenster mehr geben.

Temporäre Konzepte

Eine Adresse in der Stadt hat wieder Riaz Dan: Nach einem Gastspiel in Amsterdam residiert der Karlsruher mit seinem „Riaz Dan & Friends Pop-up Store“ nun am Marktplatz. Bis Mitte Juni präsentiert er in der Kaiserstraße 80 (vormals Pastamanufaktur Anton und Konsorten und „von Grün“) seine Mode sowie Produkte anderer Designer und Produzenten. Auf das Konzept setzte der Karlsruher Designer schon vor einem Jahr – damals ploppt sein Laden in der Erbprinzenstraße auf (die BNN berichteten).
Leerstand versprüht wenig Attraktivität, umso willkommener sind Einzelhändlern und Stadtverantwortlichen Konzepte, die die Lücken im glitzernden Konsumkosmos schließen, oder zumindest kaschieren. So bespielten etwa Absolventen der Karlsruher Kunstakademie und Studierende des KIT von Mitte Februar bis Anfang März den ehemaligen „Unikat“-Laden im Passagehof. Inzwischen steht das Geschäft wieder leer, ebenso wie weitere Ladenflächen in der benachbarten Kaiserpassage.

Vernetzung und Synergien

Lage-Wechsel: Mit ihrem Modeladen „Unikat“ zogen Andreas und Michael Preißler im vergangenen Dezember vom Passagehof (B Lage) in die 1 A-Lage Kaiserstraße 145 (beim Marktplatz) – und stellten fest: „Die Lage alleine macht den Erfolg nicht aus, das Konzept ist entscheidend“, resümiert Michael Preißler. In Zeiten von wachsendem Online-Handel und Überangebot ist ein Einzelhandelsgeschäft kein Selbstläufer. „Auch ohne gutes Marketing geht es nicht“, versichert Michael Preißler.
Zudem werden Vernetzung und Kooperation unter den lokalen Händlern zunehmend wichtiger. „Es geht immer um die Frage, was schafft Interesse beim Kunden.“ Die Preißler-Brüder tüfteln bereits an einem neuen Konzept: Es wird ein Concept-Store, mehr verraten sie bislang nicht.

Die Kunden kehren in die Läden zurück

Die Bedeutung von Synergien betont auch Annette Wahl, Inhaberin des Traditionsgeschäfts „Hut Nagel“. Nur eine attraktive Innenstadt mit schöner Aufenthaltsqualität sorge für eine hohe Frequenz, die sich dann auch auf die Umsätze auswirke. Was Wahl mit Wohlwollen bemerkte: „An den vergangenen zwei Samstagen war die Stadt endlich wieder richtig voll.“
Michael Preißler hat noch eine weitere Beobachtung gemacht, die den Einzelhändler hoffnungsvoll stimmt: „Kunden kehren nach Jahren wieder zurück. Wir haben pro Woche im Schnitt zwei bis drei Leute im Laden, die uns sagen, dass sich in der Stadt viel getan hat und sie wieder gerne nach Karlsruhe kommen.“ Lichtblicke für die viele Jahre lang von Baustellen gebeutelte Einkaufsstadt.