Der Betrieb von OP-Sälen am Städtischen Klinikum Karlsruhe leidet unter der Personalnot | Foto: dpa

Unruhe am Klinikum Karlsruhe

Personalnot führt zur Schließung von OP-Sälen

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Eine sich verschärfende Personalnot führt dazu, dass am Städtischen Klinikum Karlsruhe nach Informationen der BNN immer wieder bis zu drei Operationssäle geschlossen werden müssen.

Die Geschäftsführung des Klinikums bestätigte dies auf Nachfrage der BNN. Gründe dafür sind laut Klinikleitung einmal ein hoher Krankenstand und ein Mangel an ausgebildetem Pflegepersonal. Konkret fehlen „Operationstechnische Assistenten“. Dies bedeutet, dass planbare Operationen am Städtischen Klinikum immer wieder verschoben werden müssen. Die Klinik-Geschäftsführer Uwe Spetzger und Markus Heming machen aber klar, dass kein Notfall abgewiesen werde. „Alle Stellenpläne sind auf Kante genäht. Das kleinste Problem wirkt sich aus,“ so Pflegedirektor Josef Hug.

Abgang des Geschäftsführers

Neben der angespannten Personallage sorgt auch der plötzliche Abgang des bisherigen medizinischen Geschäftsführers Hans- Jürgen Hennes weiter für Unruhe in der Belegschaft. Er wechselte in gleicher Funktion am Jahresende zur Uniklinik Mannheim. Bekanntlich befindet sich das Großkrankenhaus massiv im Umbruch, 2021 soll das neue Bettenhaus mitten im Klinikareal bezogen werden. Offenbar hatte es in der Klinikleitung einen Dissens gegeben, was den Umbau angeht. Der neue medizinische Interims-Geschäftsführer Spetzger hat in einem Brief an die Belegschaft für Zusammenarbeit angesichts der bevorstehenden Herausforderungen geworben.

Mannheimer Karte gezogen

Beim offiziellen Abschied im Dezember gab es warme Worte vom
damaligen Klinikbürgermeister Klaus Stapf (Grüne) für den scheidenden medizinischen Geschäftsführer  Hennes. Nach vier Jahren in Karlsruhe wechselte er zu Jahresbeginn 2019 in gleicher Funktion an das Universitätsklinikum Mannheim. Diese Abschiedsrituale verlangten den
Beteiligten einen gewissen guten Willen ab. Denn das Verhältnis in der Klinikumsführung und zum Bürgermeisteramt war offenbar alles andere als harmonisch. Nach BNN-Informationen hat es in den schwierigen Umbruchzeiten in denen das Klinikum steckt, Irritationen gegeben: Nach Informationen aus Insiderkreisen war das damalige Geschäftsführerduo aus Hans-Jürgen Hennes und Markus Heming uneins über den Kurs bei dem millionenteuren Umbaudes Klinikums. Dieser Konflikt landete auch beim damaligen Klinikbürgermeister. Eine Reaktion blieb offenbar zunächst aus: Man habe eine „straffe Führung bei der Stadt vermisst“ heißt es dazu aus den oberen Führungsetagen des Klinikums gegenüber den BNN. Doch als Hennes 2018 seinen 2019 auslaufenden Vertrag mit dem Verweis auf die Herausforderungen des Umbaus und des 2021 bevorstehenden Umzugs in das zentrale Neubauprojekt Betten- und Funktionshaus M vorzeitig verlängert bekommen wollte, verweigerte dies Stapf. Hennes zog daraufhin die Mannheimer Karte – was nach Ansicht von
Brancheninsidern langfristig eingefädelt sein musste.  Noch  Klaus Stapf hat den Leiter der Neurochirurgie, Uwe Spetzger, zum medizinischen Geschäftsführer ernannt – für die Zeit der kommenden beiden Jahre – ein Vorschlag übrigens des kaufmännischen Direktors Heming. Spetzger ist seit 17 Jahren Chefarzt derNeurochirurgie, also intimer Kenner des Klinikums.

Streit oder nicht?

Gegenüber den BNN vermeidet Heming das Wort „Streit“, was sein Verhältnis zum ausgeschiedenen Mitgeschäftsführer angeht. „Der Begriff Streit ist wahrscheinlich falsch“, so Heming. Aber natürlich habe man unterschiedliche Auffassungen zu manchen Themen gehabt: Er verweist auf das „herausfordernde Programm“ der vergangenen Jahre und zu fällende Entscheidungen angesichts des in zwei Jahren bevorstehenden Umzugs. Spetzger ist damit auch der medizinische Geschäftsführer, der den Umzug bewältigen muss. „Es geht darum, auf die anstehenden Projekte mit chirurgischem Sachverstand zu schauen“, sagt dieser dazu. Mit ein Grund übrigens für die Auswahl Spetzgers, so Heming: „Wir brauchten auch jemanden, der das neue Gebäude als Nutzer mit bezieht.“.