Pflasterarbeiten
STEIN AN STEIN, die gute Stube der Fächerstadt wird bald fertig sein: Im November wird sich die Lücke bei der Pyramide um die Wasserdüsen (Mitte rechts) schließen und an der Westseite direkt vor dem Café Böckeler wird die Fläche gepflastert, wo die Tische und Stühle verschwunden sind (hinten). | Foto: Sandbiller

Pflaster nimmt Formen an

Marktplatz Karlsruhe: Frage nach Bäumen und Bänken weiter offen

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Die Pflasterarbeiten auf dem Karlsruher Marktplatz gehen voran: Im November wird auch der Westrand der  vor Cafe Böckeler neu versiegelt. Ende 2020 soll die gute Stube der Fächerstadt fertig sein. Noch ist nicht geklärt, ob doch noch Bäume in der Steinwüste wachsen und ob wirklich Bänke aus Tropenholz aufgestellt werden.

Die Stühle und Tische sind weggeräumt. Der November ist da – und die Außensaison bei Café Böckeler auf dem Marktplatz vorbei. Nie wieder wird man dort Kaffee und Kuchen über dem Asphalt genießen, wie in den vergangenen sechs Baustellen-Jahren, als viele Menschen sommertäglich trotz Lärm und Staub direkt am U-Strab-Baustellenzaun saßen.

Am Montag, 4. November, fällt der Bauzaun. Die Pflasterbaustelle auf dem Marktplatz weitet sich dann bis an die Wand von Café Böckeler und der Gaststätte Marktlücke aus. Dies geschieht ganz planmäßig, bestätigen Tiefbauamtschef Martin Kissel und Stefan Böckeler, der Inhaber des Cafés.

Pflastern im Zeitplan – Freiluftcafé wieder ab März 2020

Überhaupt läuft das in der Bürgerschaft so umstrittene Neuversiegeln des Marktplatzes mit dicken Granitpflasterplatten bislang ganz im Zeitrahmen – im Gegensatz zum U-Strab-Projekt. Die Bahnen sollten eigentlich seit drei Jahren durch den Tunnel unter der Kaiserstraße düsen, aber mindestens zwei Jahre werden dafür jetzt noch vergehen müssen.

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Man hat das Ende der Außensaison abgewartet, bevor die Pflasterer auch den Westsaum der Marktplatz-Nordhälfte belegen. Diese Arbeiten sowie das Plätteln der Fläche um die 31 Wasserdüsen vor der Pyramide werden laut Kissel noch 2019 abgeschlossen.

Folglich kann Stefan Böckeler je nach Sonnenschein um Mitte März 2020 wieder auf dem Marktplatz eindecken lassen. Dann sitzen die Kaffetrinker auf einem ganz anderen Pflaster,  und ihr Blick schweift frei durch die gute Stube dieser Stadt – zumindest über deren Nordhälfte.

Der Karlsruher Marktplatz im August 2019
Wasserspiele sollen die Aufenthaltsqualität in Zukunft erhöhen. | Foto: Weller

Christkindlesmarkt könnte 2021 zurückkehren

An der Südhälfte von Weinbrenners Platz – zwischen Stadtkirche und dem Rathaus – wird dann das ganze Jahr 2020 über gepflastert. Sind dort der Ludwigsbrunnen und die Rathaustreppe wieder aufgebaut, wird wohl  im November 2021 auch der Christkindlesmarkt an seine Traditionsadresse zurückkehren.

So gut auch die Absprache mit der Kasig jetzt klappt und so großartig die Perspektiven für das Café Böckeler auch sind, wenn der Marktplatz fertig ist, so ist die Traditionsadresse doch ein Beispiel dafür, wie Bürger, Gastronomie und Handel unter dem Stadtumbau seit 2010 leiden. „Wir haben nur anfangs etwas von der Kasig erstattet bekommen, das den Umsatzrückgang milderte“, berichtet Böckeler.

Als aber im heißen Sommer 2014 die gigantische U-Strab-Grube im Marktplatz klaffte sowie die Schlitzwandgreifer und später die Presslufthammer Höllenlärm machten, da sei das Café-Geschäft um 50 Prozent eingebrochen – „und wir haben überhaupt nichts mehr bekommen“, kritisiert Böckeler.

Doch die Leute seien zurückgekommen. Bauzaun, Bagger und Betonmischer hätten sie nicht abgehalten, ihren Kaffee an der Baustelle zu trinken. „Wir leben noch“, fällt also die Bilanz des Konditors wie die vieler Geschäftsleute in der Baustellenstadt am Ende des City-Umbau-Jahrzehnts aus.

Zwei offene Fragen gibt es zum neuen Marktplatz

Nur zwei heiß diskutierte Fragen sind bei der Marktplatzgestaltung nicht beantwortet: Auch nach wochenlanger Prüfung weiß die Stadtverwaltung nicht, ob doch Bäume auf dem Marktplatz wachsen dürfen.

Dabei ist immerhin vor Schöpf im Nordosten und im Südwesten bei der Rathausecke Platz für tiefe Wurzeln, weil dort nicht die U-Station liegt. Aber auch kleine Bäume und Pergolen sind zudem zur klimatischen Auflockerung der Steinwüste denkbar.

Dazu kommt das Mobiliar. Die Sitzbänke sind aus dem Tropenholz Iroko. Naturschützer halten dies für aberwitzig. Auch Bürger meinen, dass sich die Fächerstadt im selbsterklärten „Klimanotstand“ ein solches Symbol des Wirtschaftens mit dem Regenwald nicht leisten kann. Auch bei den Gemeinderatsfraktionen wird nun diskutiert, ob man auf das Tropenholz im aufgeheizten Marktplatzklima verzichtet.

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