Gefährlich schnell wird es auf der Abfahrt von der Rheinbrücke Richtung Wörth. Radfahrern wird deshalb das Absteigen geboten. | Foto: Kuld

Planungsstudie für die Region

Radschnellweg mit Hindernissen

Das ist eine prima Sache – für Umwelt und Radfahrer. Schnellwege, wie es sie beispielsweise in den Niederlanden, in Dänemark oder auch in Nordrhein-Westfalen gibt. Da kann man von Söllingen aus auf dem vier Meter breiten Schnellweg durch Karlsruhe hindurch zu seinem Arbeitsplatz – sagen wir in Mühlburg – fahren. Oder von Ettlingen bis ins KIT, von Durmersheim ins Karlsruher Rathaus, von Leopoldshafen in die Stadtmitte. Oder auch aus der Karlsruher Weststadt zum Daimler nach Wörth.

Machbarkeitsstudie

Das ist der Plan, doch der hat Tücken. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hat deshalb eine Machbarkeitsstudie bei der Technischen Hochschule Darmstadt in Auftrag gegeben, wie Direktor Gerd Hager berichtet. Kann der Plan überhaupt umgesetzt werden? Lassen sich die Standards, die das Stuttgarter Verkehrsministerium im Internet bis ins Detail hinterlegt hat, überhaupt umsetzen? Wie kommt man durch die Stadt Karlsruhe hindurch? Bei der Verbandsversammlung am 13. Dezember in Steinmauern soll der Sachverhalt diskutiert werden. Das Ergebnis der Studie wird Mitte 2018 erwartet.

Die Fragen, die dann beantwortet werden sollen, liegen auf dem Tisch. Da geht es beispielsweise um das FFH-Gebiet im Hardtwald, durch das so ein Radschnellweg geführt werden könnte. Oder ganz praktisch: Wie kommt der schnelle Radler durch Berghausen? Wie durch Grötzingen? Entlang der Pfinz lässt sich der Radschnellweg-Standard fürs erste nach Einschätzung der radelnden Laien nur schwer umsetzen. Und wie geht es durch die Stadt Karlsruhe?

Die Rheinbrücke als Problemzone

Diese Fragen hören weiter westlich nicht auf und kommen an ein schon jetzt entscheidendes Hindernis. Verbandsdirektor Gerd Hager: „Unsere Untersuchungen enden eigentlich mitten auf der Rheinbrücke.“ Weil es dann aber nichts wird mit dem Radschnellweg nach Wörth, soll die Kreisverwaltung Germersheim miteingebunden werden. Deren Landrat Fritz Brechtel habe diesbezüglich bereits Interesse signalisiert.

Positive Signale aus Germersheim

Das heißt es sowohl seitens des Regionalverbandes als auch aus dem Germersheimer Kreishaus. Steffen Hemberger bestätigt entsprechende Kontakte, aber auch, dass es aktuell keine konkreten Projekte zu Radschnellwegen gebe. Man könne sich aber auf eine zwei, drei Jahre zurückliegende Untersuchung des Landesbetriebs Mobilität stützen, die die Rheinschiene als Korridor für mögliche schnelle Radverbindungen ausweist.

Passt hier ein Radschnellweg durch? Situation an der Auffahrt zur Rheinbrücke in Wörth Richtung Karlsruhe. | Foto: Kuld

Die Zusammenarbeit mit Rheinland-Pfalz ist mit Blick auf die Anbindung von Wörth wichtig, denn auf der pfälzischen Seite weist das Radwegesystem beträchtliche Probleme auf. Wer nach Wörth fährt, kommt am Ende der Brücke auf eine zehn Prozent steile Rampe, die zudem noch im rechten Winkel abknickt.

Rampe und Unterführung

Und auch Richtung Karlsruhe ist der Weg mit der unübersichtlichen Bahnunterführung nicht so, als dass er von vornherein für einen Radschnellweg geeignet erscheint. Überdies fordern Schilder Richtung Wörth heute den Radfahrer zum Absteigen auf. Wie also ein etwaiger Radschnellweg bis zum Daimler-Werk aussehen könnte, muss früh und im Benehmen mit den Behörden in der Südpfalz abgestimmt werden. Grundlegende Veränderungen an beiden Stellen dürften aufwendig werden.

Radweg auf einer zweiten Brücke?

So könnten schließlich Überlegungen greifen, den Radschnellweg, wenn er denn kommt, über die zweite Straßenbrücke über den Rhein, so sie denn kommt, zu führen. Doch das ist Zukunftsmusik.
Nach wie vor fehlt aus Rheinland-Pfalz der Planfeststellungsbeschluss für das Projekt. Die Homepage des Landesbetriebs für Mobilität nennt es als „Ziel“, diesen noch 2017 zu erlassen. Doch dann wäre dort noch lange kein Radweg in Sicht, denn die bisherige Planung sieht einen solchen nicht vor – es gebe ja einen auf der vorhandenen Brücke. Und außerdem klagen absehbar die Städte Karlsruhe und Philippsburg gegen den Planfeststellungsbeschluss aus Stuttgart.