Weiße Weihnachten

Schnee an Weihnachten? So stehen die Chancen

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Weiße Dorfidyllen, Pferdekutschen, schneebdeckte Tannen: Was in keinem Weihnachtsmärchen fehlen darf, war in Baden-Württemberg schon früher eher die Ausnahme. Trotzdem prägen solche Szenen bis heute unser Bild von Weihnachten. Warum das so ist, und ob es in diesem Jahr noch Grund zur Hoffnung gibt, zeigt eine Datenanalyse der BNN.

Wie oft lag in meinem Ort an Weihnachten Schnee?

Heiligabend in Baden-Württemberg ist – bis auf einige wenige Ausnahmen – traditionell grün. Vor allem am Oberrhein schneit es selten, im Schnitt alle sieben bis neun Jahre. In Stuttgart war seit 1991 immerhin jede vierte Weihnacht weiß, in den Mittelgebirgen, ab einer Höhe von etwa 600 Metern, jede zweite.

Weiße Weihnachten in Baden-Württemberg seit 1991

Je weißer der Baum, desto höher die Chancen. Mit zwei Fingern zoomen und bewegen.Navigation mit den Pfeiltasten, Zoomen mit Doppelklick und +/-

Kleiner Trost: In Bremerhaven und auf Helgoland gibt es noch seltener Schnee als am Oberrhein – nicht zuletzt wegen der Nähe zur Nordsee. Im Winter geben die Ozeane gespeicherte Wärme ab, dementsprechend selten gibt es an der Küste eine geschlossene Schneedecke an Weihnachten, in den vergangenen 28 Jahren lediglich zwei Mal.

Warum gibt es so große Unterschiede?

In Baden-Württemberg spielt die Höhe eine maßgebliche Rolle: Je niedriger gelegen eine Region, desto geringer die Chancen auf weiße Weihnachten. In Stuttgart, Ulm und Reutlingen liegt deshalb häufiger Schnee als in den badischen Großstädten Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg. Gemeinsam weiße Weihnachten feiern konnten alle Badener und Württemberger zuletzt im Jahr 1986 und 2010.

Das Karlsruher Schloss im Jahr 2010, links oben das Bundesverfassungsgericht. Damals fiel insgesamt rund ein Meter Neuschnee mehr als im Mittel.
Im Jahr 2010 fiel in Karlsruhe insgesamt ein Meter Schnee mehr als im Mittel. | Foto: euroluftbild.de/Werner Rehm

Neben der Höhe spielen auch regionale Besonderheiten eine Rolle. Der kleine Erholungsort Schwarzach im Odenwald liegt auf der Höhe von Freiburg, Weil am Rhein und Müllheim, trotzdem gab es in „Badisch Sibirien“ seit 1991 acht Mal weiße Weihnachten, in Südbaden lediglich drei Mal.

Gibt es Orte mit Schnee-Garantie?

In Baden-Württemberg nicht. Selbst auf dem Feldberg, in knapp 1500 Metern Höhe, gab es schneefreie Festtage, zuletzt in den Jahren 2015 und 2016. Im Nordschwarzwald bietet Freudenstadt die höchste Schneesicherheit an Weihnachten, auf der Schwäbischen Alb ist es der kleine Wintersportort Westerheim. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss nach Bayern fahren: Auf der Zugspitze lag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen bislang immer Schnee an den Festtagen.

Gab es früher häufiger Schnee an Weihnachten?

Ja, allerdings nicht so häufig, wie einige sich das in ihren Erinnerungen vielleicht ausmalen. Die Zahl der Schneetage an Weihnachten ist seit Mitte des Jahrhunderts nämlich nur leicht zurückgegangen. Und eines der schneereichsten Weihnachtsfeste ist noch gar nicht so lange her: Am 25. Dezember 2010 war die Neuschneedecke am Oberrhein zwischen 20 und 30 Zentimeter hoch.

Schnee an Weihnachten seit 1948

Wahr ist aber auch, dass der Dezember seit 1881 wärmer geworden ist, im Schnitt um 1,7 Grad. Über das gesamte Jahr gesehen macht sich das bereits bemerkbar: Seit 1991 gab es in Baden-Württemberg zwischen sieben und 28 Schneetage weniger als in den 30 Jahren zuvor.

Warum ist es an Weihnachten häufig so warm?

Das liegt am sogenannten Weihnachtstauwetter. Das bringt Mitte, Ende Dezember milde Westwinde vom Atlantik nach Mitteleuropa, nachdem im November vielerorts bereits der erste Schnee gefallen ist. Das Phänomen lässt sich auch im Südwesten statistisch belegen und tritt dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge – je nach Region – mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent auf.

Wie stehen die Chancen in diesem Jahr? (Stand: 19.12.)

Schnee liegt derzeit nur auf rund 800 Metern im Südschwarzwald. Und Neuschnee in niedrigeren Lagen ist nicht Sicht.

Die Meteorologen sagen für Heiligabend am Oberrhein Temperaturen um die fünf Grad voraus. Das ist etwa ein Grad wärmer als im Mittel der vergangenen 28 Jahre. Niederschläge tauchen in den Modellrechnungen ebenfalls auf. Dass diese als Schnee herunterkommen, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn selbst nachts dürften die Temperaturen nicht unter 0 Grad fallen.

Weihnachtswetter 2019 für Karlsruhe und den Oberrhein

Die blauen Linien zeigen den Mittelwert, die grauen die Prognoseunsicherheit.

Woher kommt unsere Sehnsucht nach Schnee?

Tatsächlich entstand die Weihnachtsfest-Tradition zunächst ganz ohne winterliche Motive. Die ersten Weihnachtskarten, die um 1840 in England gedruckt worden waren, zeigten noch Familien vor herbstlicher Kulisse und Weihnachtsmänner, die über schneelose Dächer steigen.

Von weißen Weihnachten träumen wir erst seit 1863. Auf dieses Jahr datiert die Schweizer Klimaforscherin Martine Rebetez die erste Weihnachtskarte mit winterlichem Motiv. Inspiriert wurde sie wohl von Dörfern im schneereichen Nordosten der USA oder in den Alpen, glaubt Rebetez. Postkarten wie diese verschickten später vor allem in die USA ausgewanderte Europäer. Dadurch verbreitete sich die moderne Weihnachtskarte auch in Europa – wo schneereiche und kalte Winter bislang eher gefürchtet waren.

Woher stammen die Daten?
Die Analyse der Schneetage beruht auf Daten von 156 DWD-Stationen. Die in der Karte dargestellten Zahlen sind Mittelwerte der täglichen Messungen zwischen 1991 und 2018. Bei der Prognose für 2019 handelt es sich um eine sogenannte Ensemblevorhersage (GFS-Modell). Berechnet wurde diese von wetterzentrale.de.
Wann gilt Weihnachten als „weiß“?
Sofern an der jeweiligen Wetterstation um 7 Uhr an mindestens einem der drei Weihnachtstage eine weitgehend geschlossene Schneedecke existiert.

 Datenvisualisierung: Flourish / som