Schlosslichtspiele
Erst einmal nur online starten die Schlosslichtspiele 2020. | Foto: Sandbiller

Schlosslichtspiele erst online

So will Karlsruhe die Stadt im Corona-Sommer mit Kultur beleben

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Mit kleineren Kunstaktionen will Karlsruhe den Sommer über die Innenstadt beleben. Um große Menschenansammlungen in der Corona-Zeit zu vermeiden, werden diese Angebot dezentral und in Teilen mobil sein. Die Schlosslichtspiele beginnen jedoch zunächst nur digital.

Mit einer neuen Show sowie einem Best-of der vergangenen Jahre starten die Schlosslichtspiele am 5. August erst einmal ausschließlich online. Cheforganisator Martin Wacker hält es dabei für denkbar, dass die Projektionen im Herbst dann doch noch live am Schloss erlebbar sind – wenn das Land dies zulässt.

Wackers Team von der Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME) tüftelt aktuell an Konzepten, wie die Stadt in den nächsten Monaten wieder belebter werden kann, ohne in Coronazeiten zu voll zu werden. Dabei geht es nicht nur um die bekannten Formate wie eben die Schlosslichtspiele: Den Sommer über setzt die KME vielmehr auf Konzerte, Lesungen und Kleinkunst.

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Dezentrale und mobile Veranstaltungen ohne Ansteckungsrisiko

Dezentral ist dabei das Zauberwort. Wacker kann sich vorstellen, dass Musiker auf einer Bühne stehen, die durch die Stadt rollt. Vielleicht sitzen sie auch in einem Oldtimer Cabrio.

„Wir möchten den Menschen Erlebnisse ermöglichen. Und wir möchten sie überraschen.“ Den Künstlern wiederum möchte man ein Forum geben, bezahlt verstehe sich. Schließlich traf die Corona-Krise nicht zuletzt diese Berufsgruppe hart.

Spätestens ab Anfang Juli wollen wir mit diesen Formaten loslegen.

Dennis Fischer, KME

Das Kulturamt will Karlsruhe als Unesco City of Media Arts inszenieren. Installationen im öffentlichen Raum sind dabei ein Ansatz.

„Spätestens ab Anfang Juli wollen wir mit diesen Formaten loslegen“, sagt Dennis Fischer, der bei der KME eigentlich das Stadtfest organisiert. Ob es dieses am 10. und 11. Oktober in der gewohnten Form inklusive verkaufsoffenem Sonntag geben wird, weiß derzeit niemand.

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Erster Karlsruher Shopping-Sonntag fiel dieses Jahr schon aus

Der erste Shopping-Sonntag in diesem Jahr fiel bereits der Corona-Krise zum Opfer, das Fest der Sinne im April wurde abgesagt. „Ein verkaufsoffener Sonntag kann grundsätzlich nur genehmigt werden, wenn er mit einem Erlebnisprogramm verbunden ist“, erläutert Fischer ein Problem.

Normalerweise wolle man an solchen Aktionstagen möglichst viele Menschen anlocken – in Corona-Zeiten jedoch große Ansammlungen vermeiden. Deshalb fällt dieses Jahr absehbar alles etwas anders, nämlich kleiner aus. Bereits beschlossen ist, dass die Aktionen auf den ganzen Sommer verteilt werden.

Karlsruhe hat Tagestouristen im Blick

Wenn weniger Menschen in den Ferien verreisen, sei eine gewisse Grundfrequenz da, sind Wacker und Fischer sicher. Gleichzeitig wird erwartet, dass der nahe Schwarzwald in diesem Jahr beliebtes Urlaubziel wird.

Und da will Karlsruhe ebenso wie Freiburg oder andere Städte im Umkreis gerne Touristen zumindest als Zielpunkt eines Tagesausflugs anlocken. „Die Menschen können hier in die Museen gehen, Parks erleben, einkaufen, essen gehen“, so Wacker. Hinzu kommt dann das kulturelle Angebot, verteilt über alle Plätze in der Stadt und absehbar mobil konzipiert.

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Schlosslichtspiele von 20 bis 22 Uhr daheim am Rechner

Die Schlosslichtspiele wiederum kann man erst einmal nur daheim am Computer erleben. Vom 5. August bis 13. September soll Abend für Abend von 20 bis 22 Uhr ein Stream geöffnet werden.

„Wir wollen keine ständig zugängliche Mediathek. Die Idee ist vielmehr, dass man ein Kunsterlebnis zu einer für alle gleichen Uhrzeit schafft“, erklärt Wacker. Wer möchte, kann sich zudem Wein und Essen in einem Schlosslichtspiele-Paket für daheim bestellen. Mit an Bord sind dafür die diversen Partner.

Shows werden digital eingespielt

Die Shows selbst werden digital eingespielt, am Schloss also keine Beamer aufgestellt. „Daheim am Rechner können die Zuschauer dann per Mausklick ihren Standort am Schloss und damit die Perspektive wechseln. Es gibt auch die Möglichkeit, alles von oben zu sehen“, erläutert Svenja Paukovic von der KME.

Das wird eine Weltpremiere werden.

Martin Wacker

Karlsruhe möchte als Unesco City of Media Arts die Schlosslichtspiele weit über Deutschland hinaus ins Bewusstsein der Menschen holen. „Das wird eine Weltpremiere werden“, sagt Wacker.

Liveprojektionen am Schloss möglicherweise ab Herbst

Ob im Herbst eine reale Premiere am Schloss folgt, hängt von den Vorgaben des Landes ab. Aktuell gilt die Regel, dass es bis 31. August keine Großveranstaltungen geben darf.

„Bei den Schlosslichtspielen handelt es sich um Kunstprojektionen. Wir müssen sehen, wie das eingestuft wird“, sagt Wacker.

Für ihn ist klar, dass es vor dem Schloss nicht um stundenlanges, gemeinsames Verweilen gehen kann. „Ich könnte mir vorstellen, dass eine Show viermal am Abend gezeigt wird“, erklärt er.

Die Besucher würden dann einen Durchlauf ansehen und dann wieder gehen. Im Herbst würde das wohl auch eher zum Wetter passen. „Bei kühleren Temperaturen will ja keiner stundenlang auf der Picknickdecke liegen.“ Weinstände bräuchte es keine.

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Zugang zu herbstlichen Schlosslichtspielen würde begrenzt

Da wegen der früher einbrechenden Dunkelheit entsprechend früher Showbeginn sein könnte, hofft die KME vielmehr, dass die Zuschauer den Stopp am Schloss zuvor mit einem Einkauf im lokalen Handel und danach mit einem Besuch im Lokal verbinden.

Der Zugang zum Schloss wiederum müsste absehbar begrenzt werden. Zum Auftakt des Stadtgeburtstags fanden dort 48.000 Menschen Platz. Sie hatten alle ein Ticket. Wackers Team, das mit Zugangsregulierungen auch beim Fest Erfahrung hat, rechnet damit, dass man unter Einhaltung der Sicherheitsabstände bis zu 10.000 Personen auf das Areal lassen könnte.