Von der Kneipe aufs Vor-Fest: Zum ersten Mal ist der Karlsruher Kneipenchor Teil des Warm-Up-Programmes für "Das Fest". Bei der Generalprobe in der Fettschmelze sorgte Chorleiter Jimmy Röck für die richtigen Töne. | Foto: Jörg Donecker

Heute startet das Vor-Fest

Jede Probe ist eine Überraschung

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In der Günther-Klotz-Anlage weisen wieder Bühnenscheinwerfer den Weg: Das Vor-Fest verkürzt Musik- und Festivalbegeisterten ab heute die Wartezeit auf „Das Fest“. Die India-Summer-Days bringen am Wochenende den Orient in das Areal rund um die Kulturbühne: Bei Workshops, Tanzvorführungen, einem Bazar und vielem mehr kann man hier Indien erleben.

Bis zum 20. Juli machen Aktionstage wie die Hoepfner Summer Night am morgigen Samstag, der SWR3-Tag am 17. Juli sowie der dm-Tag am 20. Juli Lust auf mehr, bis „Das Fest“ vom 21. bis 23. Juli zahlreiche Besucher auf den Mount Klotz lockt.

Programm beim Vor-Fest

Jeden Tag bespielen bis dahin unterschiedliche Künstler aus der Region die Cafébühne. In einer Woche werden dann auch die Lichter auf der Hauptbühne angeknipst. Captain Sperrmüll, die Christiano Matos Band, Soundaffair, die SWR3-Band oder Bukahara machen in den nächsten Tagen Lust auf mehr. Mit auf der Programmliste der Vor-Fest-Künstler: Der Karlsruher Kneipenchor am Sonntag um 13 Uhr.

Wir kennen uns auch noch nicht.

Etwas Aufregung schimmert bei deren Generalprobe bereits durch. Bevor die ersten Töne in der Fettschmelze am Alten Schlachthof angestimmt werden, versorgen sich die Sänger erst einmal mit kalten Getränken. „Wir kennen uns auch noch nicht“, das ist bei den Chorleuten eine übliche Begrüßung, verrät Ralf Eger. Seit vier Jahren musiziert er beim Kneipenchor. Mitsingen kann hier jeder, ganz ohne Verpflichtungen. 50 bis 70 Leute kommen zu den wöchentlichen Treffen, etwa so viele werden auch beim Vor-Fest auf der Bühne stehen.

Links Sopran, rechts die Bässe

Chorleiter Jimmy Röck stimmt sich am E-Piano ein. Mit Stimmübungen zieht er langsam die Aufmerksamkeit auf sich, teilt die Anwesenden in Gruppen ein: links Sopran, rechts die Bässe. Röck leitet den Karlsruher Kneipenchor seit dessen Gründung vor vier Jahren: „Die Proben basieren auf einer lockeren Vereinbarung unter jungen Menschen, die sich angesprochen fühlen von Chormusik.“

Jeden Dienstag findet sich ein breitgefächertes Spektrum an Musikbegeisterten in der Event-Location ein. „Es ist immer eine Überraschung, wer tatsächlich da sein wird“, erzählt der Chorleiter. Das mache die Probenarbeit nicht ganz einfach. Röcks Herausforderung: Alle Sänger der heterogenen Mischung vom Studenten bis zum Rentner anzusprechen und in der Probe mitzunehmen.

Bis an die Leistungsgrenzen

Steht sonst die Freude am Singen im Vordergrund, sei dann doch ein anderer Zug dahinter, sobald ein Konzert bevorsteht, so Röck. „Da versuchen wir, an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit zu gehen“, betont er. Eine Stunde Programm zu liefern, sei nicht leicht, wenn man nicht immer eine feste Besetzung hat.

Eine gesunde Anspannung ist da.

Für den Auftritt beim Vor-Fest hat sich der Chor instrumentale Unterstützung geholt: Der Karlsruher Schlagzeuger Gernot Trittler sowie Pianist Daniel Keiner begleiten den Gesang, während Röck die Stimmen dirigiert. „Eine gesunde Anspannung vor Sonntag ist jetzt da, besonders weil wir nicht wissen, wie es sein wird, mit Mikrofonen aufgenommen zu werden“, erklärt er. Das seien die Sänger nicht gewohnt.

Wie entstand der Kneipenchor?

Der Chor startete auf Initiative der damaligen Café-Besitzerin im Bento am Werderplatz. „Angefangen hat alles mit acht Leuten“, erinnert sich der langjährige Kneipenchor-Sänger Ralf Eger. Die Gemeinschaft wuchs schnell an, sagt er. Als das Bento schloss, musste die Gruppe neue Räume finden. „Einer der damaligen Mitbegründer war an der Fettschmelze aktiv und so konnten wir hierhin ausweichen“, berichtet Eger. „Mittlerweile sind wir ein fester Kern von 50 Leuten, haben aber dennoch eine hohe Fluktuation. Viele Studenten zum Beispiel gehen, sobald das Studium beendet ist“, beobachtet der Sänger.

Offenes Konzept

Das Besondere am Kneipenchor sei das offene Konzept. „Es gibt keine Aufnahmerituale oder Vorsingen. Jeder, der möchte, kann kommen und mitmachen“, so Eger. Das sei einzigartig, betont er. Ist ein Konzert geplant, muss das freie Kommen und Gehen daher koordiniert werden. „Nur so können wir sichergehen, dass die Stimmen ausgewogen besetzt sind“, erklärt der Tenor. Außerdem müssen die Sänger ihre Stücke auswendig können. „Der ganze Chor klingt natürlich nur gut, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt“, ist sich Eger sicher. Das liege jedoch auch in die Verantwortung des Einzelnen.

Spaß am Singen ist wichtiger

„Die Leistung steht definitiv nicht im Vordergrund“, betont der passionierte Chorsänger. Viele der Kollegen seien mittlerweile trotzdem aufgeregt, denn einen so großen Auftritt hatte der Kneipenchor noch nie. Dazu komme das erste Zusammenspiel mit einer Band. „Das alles spornt aber auch an“, glaubt Eger: „Es klingt einfach toller, wenn uns professionelle Musiker begleiten.“

Auf der Cafébühne heizen ab heute wieder zahlreiche Künstler beim Vor-Fest die Stimmung in der „Klotze“ auf. Auch der Karlsruher Kneipenchor wird dort auftreten. | Foto: Rake Hora

Bei ihren regelmäßigen Proben werden die Sänger ausschließlich von Röck am E-Piano unterstützt. Nach dem Einsingen werden alte Stücke aufgewärmt und neue Coverversionen einstudiert – deutsche ebenso wie englische Pop-und Rock-Songs. In der Pause trinken alle einen „Chorschnaps“ – Markenzeichen und Tradition der Gruppe. „Ich glaube, beim Auftritt auf dem Vor-Fest mittags ist es noch zu früh dafür“, überlegt Eger: „Ob wir das doch einbauen, wird sich zeigen.“

Service

Hintergrund-Berichte, Backstage-Geschichten und Konzertkritiken: Unter dem Hashtag #dasfestkarlsruhe geben die BNN ab heute online auf Facebook, Twitter und Instagram Einblicke in „Das-Fest-Geschehen“. Daneben berichten die BNN auf www.bnn.de täglich mit Videos, Foto-Galerien und mehr vom Vor-Fest und „Das Fest 2017“.