An Schwimmen ist hier im Moment nicht zu denken: Die Arbeiten im Fritz-Erler-Bad dauern länger. Frühester Termin für die Wiedereröffnung ist jetzt Ende November oder Anfang Dezember. | Foto: Stadtverwaltung Pforzheim

Fehlende Leuchten als Problem

Bäderkrise in Pforzheim: Fritz-Erler-Bad bleibt länger geschlossen – Schwimmvereine verlieren Mitglieder

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Die Schwimmsportvereine in Pforzheim leiden unter der Bäderkrise. In Zeiten knapper Wasserflächen verlieren sie Mitglieder. Nun kommt die nächste schlechte Nachricht: Die Reparaturen im Fritz-Erler-Bad dauern länger als gehofft. Geöffnet wird frühestens Ende November.

So schnell kann es gehen: Noch am Mittwoch heißt es aus der Pforzheimer Stadtverwaltung, dass das Fritz-Erler-Bad nach der nötigen Reparatur am 11. November wieder öffnen kann – wenn nichts mehr dazwischenkommt. Nur wenige Stunden später ist klar, dass der Termin nicht zu halten sein wird. Was bis Donnerstagvormittag dann doch dazwischen kam? Die Leuchten werden zu spät geliefert. Vor Ende November oder Anfang Dezember sei nicht mit der Wiedereröffnung zu rechnen. Es ist die nächste Hiobsbotschaft in der Pforzheimer Bäderkrise.

SSC Sparta verliert 100 Mitglieder – auch SSV Huchenfeld schrumpft

Als im Dezember 2018 das Emma-Jaeger-Bad und das Huchenfelder Stadtteilbad geschlossen werden, sind die Pforzheimer Schwimmsportvereine längst auf schwierige Zeiten eingestellt. Inzwischen spüren sie die Probleme aber mehr als deutlich, sie verlieren Mitglieder. Der SSC Sparta schrumpfte nach Vereinsangaben um etwa 100 Mitglieder. Und beim SSV Huchenfeld droht man, von vormals 450 demnächst unter die Marke von 400 zu rutschen. Die Enttäuschung über die Stadtpolitik ist groß.

Werden weiter Kinder und Jugendliche verlieren, davon bin ich leider überzeugt

Seit diesem Jahr herrscht Gedränge in der Bäderlandschaft. Vereine, Schulen und Freizeitschwimmer sollen alle berücksichtigt werden. Trotz bemühter Abstimmungen in der Verwaltung ist es nicht möglich, alle Seiten zufriedenzustellen. Die Vereine hätten gerne mehr Wasserzeit: „Wenn man das gewohnte Angebot nicht fortsetzen kann, gehen die Leute eben“, sagt Ralf Gremmer. Der technische Leiter des SSC Sparta Pforzheim erklärt, die Mitgliederzahl sei im zurückliegenden Dreivierteljahr von etwa 800 auf rund 700 gesunken.

Für die Wettkampfsportler habe man in Eigenregie Wasserzeiten in Karlsruhe und Niefern organisiert. „Aber für den Breitensport fehlt uns das Angebot. Da werden wir weiter Kinder und Jugendliche verlieren, davon bin ich leider überzeugt“, so Gremmer gegenüber unserer Redaktion. Enttäuscht ist der Funktionär über die Kommunikation vonseiten des städtischen Bäderbetriebs.

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Fritz-Erler-Bad ist für Wasserballer des 1. BSC besonders wichtig

Das Fritz-Erler-Bad ist für die Wasserballer des 1. BSC Pforzheim besonders wichtig. Dass das Bad nun doch länger geschlossen bleibt, verschlimmert alles weiter. Der Verein komme ohnehin schon schlecht mit der Bädersituation zurecht, sagt der Vorsitzende Rainer Betz. „Für die Wasserballer ist das entschieden zu wenig.“

Man versuche zwar alles Mögliche, um die weggefallenen Angebote zu kompensieren. Im Vereinsgarten biete man Tischtennis und Volleyball an. „Aber wir sind kein Turnverein. Es ist schwer, die Leute bei der Stange zu halten. Wenn der Sohnemann nicht Wasserball spielen kann, melden sie ihn eben ab.“ Betz appelliert: „Die Stadt muss jetzt einfach die Dinge anpacken.“ Je länger sich die Bäderkrise ziehe, desto mehr würge man das Leben der Vereine ab.

Vorsitzender des SSV Huchenfeld: Lage ist „langsam existenzbedrohend“

Stefan Metzger vom SSV Huchenfeld wählt noch dramatischere Worte: „Für uns ist es langsam existenzbedrohend.“ Der Vorsitzende verweist auf Mitgliedereinbußen um zehn Prozent seit der Schließung des Stadtteilbades. Was ihm trotz des in Aussicht stehenden Neubaus fehlt, ist eine klare Ansage. „Wie geht es weiter? Gebt uns eine konkrete Perspektive“, fordert er. Nur so könne der Verein die Mitglieder halten und rechtzeitig wieder entsprechende Strukturen schaffen.

Damals war noch Wasser da: Im September 2018 fand das bisher letzte Pokalschwimmen des SSV Huchenfeld statt. Inzwischen ist das Bad geschlossen und fehlt den Pforzheimer Schwimmern. | Foto: Herbert Ehmann

Bei jeder negativen Schlagzeile verzeichne man eine Austrittswelle gerade bei neueren Mitgliedern. Damit habe man gerechnet. Bedrohlicher findet er, dass nun mitunter den treuen Mitgliedern, auf die man eigentlich zählen könne, die positiven Aussichten fehlen.

Kurios: Die Anfragen für Schwimmlernkurse stapeln sich beim Verein. Es gäbe sie, die Schwimmwilligen. Aber mangels Kapazitäten könne man längst nicht allen ein Angebot machen.

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Bald Treffen mit Verwaltung: Mehr Wasserzeit für Vereine?

Anfang der Woche hätte es ein Treffen des Bäderdezernenten Dirk Büscher mit Vereinsvertretern geben sollen. Krankheitsbedingt musste es ausfallen. Bald steht ein neuer Termin an. Unter anderem soll es darum gehen, ob die Vereine im Eutinger Bad mehr Wasserzeit bekommen können. Es ist derzeit das einzige Hallenbad in Pforzheim, in dem es öffentliche Wasserzeiten gibt.

Die Pressemitteilung der Stadt Pforzheim zur späteren Wiedereröffnung des Fritz-Erler-Bads in Auszügen:
Die in den Sommerferien begonnenen Sanierungsarbeiten am Fritz-Erler-Bad offenbaren weitere Schwierigkeiten an dem Bad, das nunmehr auch schon über 42 Jahre alt ist.  Zwar können die ursprünglichen Probleme fristgerecht bearbeitet und gelöst werden, derzeit hakt es aber an langen Lieferzeiten.
Das betrifft insbesondere die Lieferzeiten für die bestellten Leuchten für die Hallen- und Notbeleuchtung: „Die Beleuchtungsmittel und Befestigungsmaterialien sind längst bestellt, aber gerade bei den Leuchtmitteln warten wir noch auf spezielle Leuchten, die direkt über dem Becken installiert werden dürfen (über Becken gelten besondere Bedingungen wegen Wasser und Feuchte); diese müssen aufgrund der höheren Anforderungen gesondert angefertigt werden „, so Michael Strohmayer, Leiter der städtischen Kommunikation.
Aber auch die Lüftungskanäle und Lüftungsklappen sorgen für einen Teil der Verzögerungen. Mit der Wiedereröffnung sei nicht vor Ende November/Anfang Dezember zu rechnen. „Wir sind hier von Dritten und Lieferfristen abhängig, auch den Handwerkerfirmen ist kein Vorwurf zu machen, die hängen sich mächtig ins Zeug für uns“, heißt es aus dem Rathaus. Auch das aufgebaute Gerüst werde bis zum Ende der Arbeiten benötigt, da könne momentan nichts beschleunigt werden.
Es liegt nicht an der ursprünglich festgestellten Undichtigkeit der Regenwasserleitungen, die quer durch die Schwimmhalle des Fritz-Erler-Bades führen. Diese teilweise verstopften und auf mehreren Metern gerissenen Gussrohre konnten ausgetauscht werden, die Rohrisolierung wird derzeit durchgeführt und kann planmäßig fertiggestellt werden. Es liegt nur zum Teil an den Lüftungskanälen und Lüftungsklappen.
Bei den Arbeiten wurde zwar festgestellt, dass die Klappen schadhaft sind, sie können aber nächste Woche ausgetauscht werden. Es liegt derzeit an den langen Lieferzeiten für Teile der bestellten Leuchten. Ein Teil der Leuchten ist bereits da; aber genau die Leuchten, die über dem Becken benötigt werden, fehlen. Erst nach der Installation dieser speziellen Leuchten (wegen Wasser und Feuchtigkeit gelten besondere Zulassungen) kann das im Becken stehende Gerüst abgebaut und danach der Hubboden gewartet und repariert werden.
Und auch wenn die Arbeiten dann abgeschlossen sind, müssen noch weitere Schritte durchgeführt werden: „Das Becken muss gereinigt und mit Wasser befüllt werden, die Wasserkreisläufe werden vor der Wiedereröffnung hygienisch untersucht und die Ergebnisse müssen ohne bakteriellen Befund sein“, so Strohmayer.
„Wir bedauern diese Verzögerung sehr, wir haben am Donnerstag unmittelbar die Stadträte, die Schwimmvereine und die Öffentlichkeit informiert; wir würden sehr gerne ein anderes Signal geben, aber auch uns sind derzeit die Hände gebunden“. Nach heutigem Stand sollen die noch fehlenden Leuchtkörper in der übernächsten Woche geliefert werden.