Eine Mitarbeiterin hält einen Abstrich in der Hand
Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamts hält einen Abstrich eines Covid-19 Verdachtsfalles in der Hand. | Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Familie in Quarantäne

Coronavirus im Enzkreis angekommen: Familienvater ist infiziert

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Der erste bestätigte Covid-19-Infizierte im Enzkreis ist ein Familienvater aus Niefern-Öschelbronn. Der Mann holte sich die Erkrankung vermutlich in Südtirol. Er steht nun ebenso unter Quarantäne wie seine Frau und die beiden Kinder des Paares.

+++ Update 8.3., 15 Uhr: Landratsamt bestätigt den Fall +++

Die Familienmitglieder und das weitere Umfeld des Mannes werden nun ebenfalls auf eine Infektion getestet. Das sagte Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau auf Anfrage unserer Redaktion.

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Der Familienvater befindet sich demnach zuhause. Zu seinem genauen Gesundheitszustand gab es zunächst keine Informationen. Die Standardprozeduren greifen laut dem Landrat. Die Familie wurde über den Verhaltenskodex aufgeklärt und unter Quarantäne gestellt.

Alle verhalten sich laut Informationen des Gesundheitsamts Pforzheim/Enzkreis kooperativ. Das Robert-Koch-Institut hatte zuletzt auch Südtirol zum Risikogebiet für Erkrankungen erklärt.

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Bürgermeisterin bestätigt Fall in Niefern-Öschelbronn

Die Bürgermeisterin von Niefern-Öschelbronn, Birgit Förster, bestätigte, dass der bestätigte Enzkreis-Fall aus ihrer Gemeinde ist. Kontaktpersonen werden durch das Gesundheitsamt ermittelt. In Niefern-Öschelbronn war erst Ende der Woche der Verwaltungsstab mit den Amtsleitern und dem Feuerwehrkommandanten wegen des Coronavirus einberufen worden.

Förster erklärte: „Wir sind dafür zuständig, das Virus einzudämmen.“ Man habe bereits alle Veranstaltungen der kommenden 14 Tage geprüft und werde mit den Organisatoren in Kontakt treten. Danach wird bekanntgegeben, welche Veranstaltungen abgesagt werden müssen. Bereits jetzt ist klar, dass die Hauptversammlung der Feuerwehr nicht stattfindet.

Enzkreis hat Corona-Taskforce

Die Meldung über den ersten Covid-19-Infizierten im Enzkreis ging am Samstagnachmittag ans Landesgesundheitsamt und von dort ans Sozialministerium. Um 15.26 Uhr kam von dort die offizielle Mitteilung: „54 weitere Covid-19-Fälle in Baden-Württemberg / Zahl der Infizierten im Land steigt auf 170“.

Erstmals war damit auch der Enzkreis auf den teils mehrmals täglich neu veröffentlichten Listen.

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Der Enzkreis unter Leitung von Landrat Rosenau hatte erst unter der Woche eine Taskforce zur Corona-Koordination eingerichtet. Rosenau hatte zu der ämterübergreifenden Arbeitsgruppe erklärt: „Die steigenden Fallzahlen an Covid-19-Erkrankten in Deutschland erfordern auch für den Enzkreis ein koordiniertes Vorgehen mit allen Fragen und zu treffenden Maßnahmen rund um das Corona-Virus.“

Gesundheitsamt betreut Pforzheim und Enzkreis

Den Vorsitz der Taskforce hat Rosenaus Stellvertreter, Erster Landesbeamter Wolfgang Herz. Dessen Stellvertreter ist Dezernent Daniel Sailer. Ständig vertreten sind das Gesundheitsamt, der Bevölkerungsschutz, das Personal- und Organisationsamt und die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. „Je nach Anforderung können weitere Bereiche des Landratsamts hinzugezogen werden“, sagt Herz.

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Gedacht sei beispielsweise an das Amt für Bildung und Sport, das Gebäudemanagement, das Ordnungsamt oder auch das Jugend- und das Sozialamt.

„Unsere Taskforce arbeitet eng mit externen Institutionen zusammen“, betont Rosenau. Dazu gehören unter anderem das Staatliche Schulamt, die Kreis-Gemeinden und die Stadt Pforzheim – das Enzkreis-Gesundheitsamt ist auch für die Stadt zuständig – sowie die „Steuerungsgruppe medizinische Versorgung Covid 19“, zu der die Kliniken, die Ärzteschaft, die Integrierte Leitstelle, Rettungsdienste und die Polizei gehören.

Corona-Ambulanz am Helios-Klinikum in Betrieb

Am Mittwoch vergangener Woche hatte eine neue Corona-Ambulanz am Helios-Klinikum in Pforzheim den Betrieb aufgenommen. Die ersten fünf einbestellten Patienten wurden am Mittwoch untersucht und Abstriche gemacht. Die Testergebnisse am Donnerstag waren alle negativ.

Die Verantwortlichen denken bereits weiter: Bei Bedarf könnte eine mobile Einheit des Roten Kreuzes dezentral eingesetzt werden und das städtische Angebot im ländlichen Raum ergänzen. „Hierfür sind allerdings noch weitere Vorarbeiten notwendig“, so Taskforce-Leiter Herz. Die Gruppe arbeitet laut Landrat Rosenau rund um die Uhr.

Gesundheitsamt betont: Zunächst telefonischen Rat holen

Die Leiterin des Gesundheitsamts, Brigitte Joggerst, betont: „Die Corona-Ambulanz beim Helios-Klinikum macht aber wirklich nur Tests bei Personen, die nach Rücksprache mit dem Hausarzt einen Termin ausgemacht hatten. Es ist also nicht möglich, dort einfach vorbeizukommen und sich sicherheitshalber testen zu lassen.“

Wer am Wochenende krank wird oder befürchtet, sich mit dem Corona-Virus angesteckt zu haben, solle sich wie sonst auch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder die Notfallpraxen wenden – allerdings in jedem Fall zunächst telefonisch. Die diensthabenden Ärzte vermitteln dann die Termine für den Test, wenn sie dies für medizinische geboten halten, so Joggerst.

Joggerst sieht keinen Grund zur Panik

Nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) auch Südtirol zum Risikogebiet erklärt hat, verweisen Joggerst sowie Angelika Edwards, Leiterin des Infektionsschutzes beim Gesundheitsamt, auf die Hinweise des RKI für Menschen, die aus einem der Risikogebiete zurückkehren: „Unabhängig von Symptomen sollten Sie unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.“

Verzichten sollten Reiserückkehrer zum Beispiel aus Norditalien nach Möglichkeit auf den Besuch von Angehörigen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Senioren-Wohnanlagen. „Ältere und kranke Menschen haben bei Corona ein deutlich größeres Risiko“, begründet Joggerst diese Empfehlung.

Es bestehe kein Grund zur Panik, denn bei den meisten Menschen verlaufe die Erkrankung sehr mild. Solange man keine Symptome entwickele, sei auch für Rückkehrer aus Risikogebieten ein Arztbesuch weder notwendig noch empfehlenswert.

Typische Symptome für „Covid-19“ sind Fieber, Husten oder Atemnot. Wer 14 Tage nach der Rückkehr keine der genannten Symptome ausgebildet hat, könne davon ausgehen, dass er sich das Virus nicht „eingefangen“ habe.

Virus schränkt gesellschaftliches Leben in Pforzheim und Enzkreis ein

Das Coronavirus betrifft inzwischen auch das gesellschaftliche Leben in Pforzheim und dem Enzkreis, etwa bei der Sportlerehrung im Congresscentrum am Freitagabend. „Das Händeschütteln sollte dieses Jahr ein wenig spärlicher ausfallen, es wird gebeten, ganz darauf zu verzichten. Möglich ist auch die Begrüßung mittels Ellenbogencheck. Ich habe zumindest noch keine Schiedsrichter gesehen“, witzelte Markus Epple, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), der kurzfristig für Jörg Augenstein eingesprungen war.

Augenstein hatte vor wenigen Tagen noch Bilder vom Skifahren im inzwischen zum Risikogebiet erklärten Südtirol gepostet.

Mehrere Veranstaltungen abgesagt

Andere Veranstaltungen finden gleich gar nicht statt. So wurde die für dieses Wochenende angesetzte Hip-Hop-Europameisterschaft im Congresscentrum wegen des Virus verschoben, die Ausbildungsmesse an der Remchinger Carl-Dittler-Schule fiel ganz aus. Auch der Kongress eines mittelständischen Betriebs aus dem Enzkreis wird aufgrund des Virus verschoben.

In Kieselbronn wurde für Samstag das Wollandia-Wollfest abgesagt. Dazu waren Aussteller aus dem gesamten deutschen Raum und dieses Jahr ganz neu auch aus Österreich und England erwartet worden.

Die Freiwillige Feuerwehr Straubenhardt verzichtete am Freitagabend auf ihre Hauptversammlung und verwies dabei auf „dringende“ Empfehlungen des Innenministeriums, solche Veranstaltungen zu verschieben, wo es nur möglich ist.