Die Messe in Hongkong ist zumindest vorerst gestrichen für die Pforzheimer Traditionsindustrie. Der Termin im März ist wegen des Coronavirus abgesagt und ob der Ersatztermin im Mai Bestand haben wird, hängt davon ab, wie sich die Epidemie weiter entwickelt.

Wirtschaft

„Erhebliche Einbußen auf dem Fernostmarkt“: Coronavirus beeinträchtigt Pforzheimer Schmuckindustrie

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Das Coronavirus hat die Schmuckindustrie infiziert. Im Zuge der Ausbreitung der Epidemie nach Hongkong hat die dortige Messeleitung ihren internationalen Marktplatz zumindest für März geschlossen: Die für etliche Unternehmen aus dem Nordschwarzwald wesentliche Schmuckmesse ist damit abgesagt.

„Wir sind froh, dass die Messe ausfällt“, reagieren Betroffene. „Die Messe im September war eine Katastrophe“, ordnet beispielsweise Kai Binder von der gleichnamigen Kettenfirma in Mönsheim ein.

Dass jetzt nach den leeren Messehallen wegen der Unruhen im Herbst in Hongkong erneut Däumchendrehen statt Kontakten folgen soll, weil ein Virus weltweit für Verunsicherung sorgt, braucht niemand. „Da kommt eh kein Kunde“, sagt auch Schofer-Chef Mathias Kohlmann.

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Neue Märkte gefragt

„Das sind wir schon gewohnt, dass in Hongkong höhere Gewalt dafür sorgt, dass die Geschäfte zurückgehen“, meint Falk Dettinger und erinnert an den Taifun, der vor den Unruhen und dem Virus aktiv war.

Er setzt mit seiner Kettenmarke Clioro auf den großen Markt, der über die Messe in der früheren britischen Kronkolonie erreicht wird. Neben dem Wachstumsmarkt China gebe es ebenso Kontakt nach Australien, Südamerika, Japan, Singapur, Taiwan und Malaysia wie nach den USA. Dass es um Aufbauarbeit in einem neuen Markt geht, wird auch bei Binder oder Kohlmann deutlich. Die Messe sei wichtig, um Kontakte zu machen und zu halten.

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Allein am vom Bundeswirtschaftsministerium getragenen deutschen Stand waren 16 von 18 Firmen aus Pforzheim und Umgebung für die Messe gebucht. Hinzu kommen Soloauftritte mit qualitativ höchst unterschiedlichem Made-in-Germany-Angebot.

Das Spektrum der Messe reiche von günstig bis zu Preisen, die selbst auf der nobel ausgerichteten Baselworld nicht erreicht würden, beschreibt Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann vom Bundesverband Schmuck und Uhren. Es sei aber eher keine Markenmessen, das mache sie für großes Juwelierketten ganz wichtig.

Wir haben unseren Mitarbeitern in Hongkong und Shanghai freigestellt, ob sie zur Arbeit kommen oder nicht.

Michael Jouvenal, Chopard Birkenfeld

Mit „erheblichen Einbußen auf dem Fernostmarkt“ rechnet Chopard. „Wir haben unseren Mitarbeitern in Hongkong und Shanghai freigestellt, ob sie zur Arbeit kommen oder nicht“, informiert Michael Jouvenal, der das Birkenfeld-Werk leitet. Er spricht von rund 230 Leuten dort sowie weiteren in Macau, wo auch nichts mehr geht in Sachen Schmuck und Uhren, nachdem die Casinos geschlossen sind.

Hinzu komme, dass der Luxusgütermarkt viel von Chinesen auf Reisen profitiert. Wie sehr, zeigt die Swatch Group, die ihre für März in Zürich geplante Messe abgesagt hat. Ebenfalls in den Sog des Coronavirus geraten

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Perlfarmer in der Existenz bedroht

Perlenspezialisten, ist bei Jörg Gellner zu erfahren. Auktionen in Hongkong und Tahiti seien abgesagt, die in Japan wackle. Aus Wiernsheimer Sicht sei das verkraftbar. „Wir haben genug auf Lager“, sagt Gellner mit Blick auf zwei Monate ohne Nachschub. Für Perlfarmer aber sei es existenziell, dass das Virus alles lahm legt. Ihnen fehlt das Geld, das jetzt nicht reinkomme.

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