Die Bartpflege steht in Barber-Shops eigentlich im Mittelpunkt. Doch das Friseurhandwerk beschwert sich über unzulässige Konkurrenz.
Die Bartpflege steht in Barber-Shops eigentlich im Mittelpunkt. Doch das Friseurhandwerk beschwert sich über unzulässige Konkurrenz. | Foto: imago images

Mehr Kontrollen gefordert

Friseure in Mittelbaden ärgern sich über wachsende Zahl an Barber-Shops

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Die Friseure ärgern sich über die wachsende zahl an Barber-Shops. Barbiere schneiden meist nicht nur Bart- sondern auch Haupthaare. Daher muss in Barber-Shops eigentlich mindestens ein Friseurmeister arbeiten. Doch daran halten sich viele nicht. Der Baden-Württembergische Handwerkstag fordert nun mehr Kontrollen.

Petra Albrecht ist sauer. Die Bühlerin ist Obermeisterin der Friseur- und Kosmetikinnung Mittelbaden und beobachtet seit einigen Jahren, wie in den Städten ein Billigsalon nach dem anderen eröffnet. „Die sprießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt Albrecht.

Meist seien es türkisch-arabische Betreiber, die Kunden oft nur Männer. „Die nennen sich Barber-Shop und sagen, sie machen nur Bärte“, ärgert sich die Friseurmeisterin. „In Wirklichkeit werden dort Haare geschnitten.“

Schwarzarbeit im Herrensalon

Dieser feine Unterschied zwischen Gesichts- und Kopfbehaarung ist bedeutend. Das hat das baden-württembergische Wirtschaftsministerium auf Nachfrage der FDP-Fraktion klargestellt. Wird in einem Barbershop „neben Rasur und Bartpflege auch Haarschnitt angeboten, handelt es sich unbeachtlich der Bezeichnung um einen Betrieb des Friseurhandwerks, der in die Handwerksrolle eingetragen werden muss – ansonsten liegt Schwarzarbeit vor“, antwortete die Landesregierung.

In den meisten Barber-Shops wird auch das Haupthaar frisiert. Es sind daher Herrenfriseure.

Walter Bantleon, Bereichsleiter Recht bei der Handwerkskammer Karlsruhe

Die Handwerkskammer Karlsruhe kennt das Problem. „Unsere Erfahrung ist: In den meisten Barber-Shops wird auch das Haupthaar frisiert. Es sind daher Herrenfriseure“, sagt Walter Bantleon, Bereichsleiter Recht. Deshalb müsste dort in der Regel auch mindestens ein Friseurmeister arbeiten.

Kammer geht gegen Verstöße vor

Gegen Verstöße gehe die Kammer immer wieder vor. „Friseurbetriebe, die nicht in die Handwerksrolle eingetragen sind, fordern wir zur Eintragung und zur Vorlage eines Qualifikationsnachweises auf“, erklärt der Jurist.

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„Wenn der Betrieb nicht kooperiert, veranlassen wir ein Verfahren wegen unerlaubter Handwerksausübung. Dafür ist die Gewerbeaufsicht der Landkreise oder Städte zuständig. Das kann dann vom Bußgeld bis zur Betriebsuntersagung gehen.“ Gleichzeitig leite die Handwerkskammer wettbewerbsrechtliche Schritte ein, so Bantleon.

Drücken Behörden oft ein Auge zu?

Petra Albrecht hat jedoch den Eindruck, dass die Kammern und Behörden in vielen Fällen ein Auge zudrücken. „Es wird zu wenig kontrolliert und es werden zu oft Ausnahmegenehmigungen erteilt“, sagt die Innungs-Vorsitzende. „Das ist zumindest mein Eindruck, anders kann ich mir das nicht erklären.“

Auch Peter Blatter wundert sich, weshalb so viele Billig-Barbiere ohne Meisterbrief durchkommen. Er selbst ist gestandener Friseurmeister und hat 2015 gemeinsam mit seinem Sohn die „Barber Stub“ in Lichtenau (Kreis Rastatt) eröffnet. Ein gediegener Salon, in dem sich Männer für 25 bis 30 Euro pro Bart- oder Haarschnitt verwöhnen lassen.

Es wird zu wenig kontrolliert und es werden zu oft Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Petra Albrecht, Obermeisterin der Friseur- und Kosmetikinnung Mittelbaden

Blatters Sohn hat inzwischen einen eigenen Barbershop in Malsch eröffnet. „Er hat den Meisterbrief gebraucht, um sich selbstständig zu machen. Warum das für unsere türkischen Mitbewerber nicht gilt, verstehe ich nicht“, sagt Blatter.

Handwerkskammer-Jurist Bantleon weist das zurück und nennt einen Fall aus Pforzheim. Dort hatte ein besonders hartnäckiger Friseur einen meisterlosen Laden. Als er merkte, dass er mit dem Barbershop-Trick nicht durchkommt, behauptete er plötzlich, in seinem Salon gehe es um Maskenbildnerei.

Die Handwerkskammer verklagte ihn und bekam im Juni 2019 am Landgericht Karlsruhe recht. „Dieses Urteil hatte Signalwirkung, das hat sich herumgesprochen“, sagt Bantleon. Der Betreiber habe daraufhin sein Gewerbe abgemeldet. Doch inzwischen wurde an derselben Adresse allerdings wieder ein Barbershop eröffnet.

Handwerkstag fordert mehr Kontrollen

Landesweit fordert der Baden-Württembergische Handwerkstag mehr gezielte Kontrollen der Gewerbeaufsicht. „Wird der Barbershop nicht von einem Meister geführt, gilt auch der Tarifvertrag für das Friseurhandwerk nicht. Damit werden meist deutlich niedrigere Löhne und weniger Sozialabgaben gezahlt. Das ist kein fairer Wettbewerb“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold.