Ein kleiner Schritt für die Passagiere, ein großer für Go Ahead: Wenn die Schiebetritte an den Zügen auf alle Bahnsteige auf der Residenzbahn eingestellt sind, hat das Bahnunternehmen schon mal ein Problem gelöst. | Foto: ron

Fehlende Züge und Technik

Go Ahead und Abellio fahren weiter im Krisenmodus

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Go Ahead kämpft weiter mit der Technik und bei Abellio klaffen noch immer Lücken im Fuhrpark. Die beiden neuen Bahnunternehmen in der Region sind im Krisenbewältigungsmodus. Vieles auf den Strecken ist im Moment noch Stückwerk. Es zeichnen sich langsam Verbesserungen ab. Doch die Lage ist so verfahren, dass alles erst noch schlimmer werden könnte.

Auch am Dienstag lief es nicht rund. Die Abellio-Fahrt von Pforzheim Hauptbahnhof über Eutingen, Niefern und Mühlacker nach Bietigheim-Bissingen fällt praktisch im Zweistundentakt aus. Ein Ersatzbus soll verkehren. Wie viele Züge auf den Abellio-Verbindungen seit der Betriebsübernahme im Juni ausgefallen sind? Das weiß man angeblich nicht mal im Unternehmen selbst. „Wir tragen die Zahlen für die ersten beiden Monate gerade zusammen“, sagt Pressesprecherin Hanelore Schuster. Zufrieden mit der Bilanz wird sie aber nicht sein, das weiß sie schon jetzt.

Fällt aus: Auf den Verbindungen von Abellio ist diese Anzeige im Moment keine Seltenheit. | Foto: ron

Bombardier hat inzwischen sechs neue Züge geliefert

Zughersteller Bombardier hat wie berichtet wiederholt Lieferzusagen nicht gehalten. Abellio setzt auf Leihmaterial. „Und das ist leider ziemlich störungsanfällig“, beklagt Schuster. Immerhin hat Bombardier vergangenen Freitag Züge nachgeliefert. Damit sind nun sechs Neue im Fuhrpark vorhanden. Schuster wertet das als gutes Zeichen. Zwei Züge waren bereits im Einsatz, weitere zwei sollen nun möglichst schnell „eingetaktet“ werden. Und die verbliebenen zwei sind derzeit dringend gefragt als Schulungsfahrzeuge in der Werkstatt und für die Lokführer. „Sonst haben wir irgendwann alle Züge und keiner kann sie fahren“, so Schuster.

„… sonst bekommt Abellio echte Probleme“

Mindestens fünf weitere Züge sind in den kommenden drei Wochen nötig. Sonst droht alles schlimmer statt besser zu werden. Wie berichtet müssten die geliehenen Züge im Herbst ihr Tempo drosseln – größere Lücken im Fahrplan wären die Folge. Edgar Neumann, Pressesprecher des Verkehrsministeriums, warnt: „Wir hoffen sehr, dass Bombardier den Plan einhält. Sonst bekommt Abellio echte Probleme.“ Verhandlungen über längere Verträge bei den geliehenen Zügen laufen schon.

Abellio fährt bisher nur vereinzelt mit neuen Zügen vom und zum Hauptbahnhof Pforzheim. Hersteller Bombardier hat noch einiges zu liefern. | Foto: ron

DB unterstützt Betrieb bei Go Ahead

Go Ahead hat seine Züge von Stadler zwar gerade noch rechtzeitig vor dem Start bekommen. Es blieb aber offensichtlich nicht genug Zeit zum Testen. Das Unternehmen schleppt seitdem technische Probleme auf der Strecke Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart mit sich herum. Aus eigener Kraft ist der Fahrplan nicht zu halten. Einer Bitte um Stellungnahme dazu kam die Pressestelle nicht nach. DB Regio unterstützt den Betriebsübergang derweil wochentags mit Zügen und Personal für insgesamt acht Verbindungen als IRE zwischen Karlsruhe und Stuttgart.

Bahnsteig in Wilferdingen-Singen ist besonderes Problem

Ein Problem für Go Ahead war vom Start weg der Schiebetritt an der Tür. „Wir arbeiten daran mit Hochdruck“, betont Stadler-Pressesprecherin Silja Gisa Kollner. „Wir optimieren die Software, damit alle sicherheitsrelevanten Aspekte eingehalten werden, damit es aber auch nicht dauernd Fehlermeldungen gibt.“ Besonders der Bahnsteig 2 in Wilferdingen-Singen mit seiner variierenden Höhe macht Probleme. Die Übergangslösung von Go Ahead: Zugreisende werden auf der Fahrt von Pforzheim nach Karlsruhe in den vorderen Wagen gebeten, wenn sie in Remchingen aussteigen wollen. Die Türen im hinteren Wagen bleiben dort zu.

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