Am Standort Birkenfeld will die Firma Inovan in den nächsten vier Jahren 200 Arbeitsplätze streichen. Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall erinnern mit einer Zeitungsanzeige Geschäftsführung und Inhaberfamilie an ihre soziale Verantwortung. Archivfoto: Ehmann

IG Metall hofft auf Wirkung

Inovan-Beschäftigte in Birkenfeld versuchen Personalabbau und Verlagerung zu verhindern

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Personalabbau und Verlagerung: Um dieses „Horrorszenario“ abzuwenden, haben Beschäftigte der Firma Inovan, Betriebsrat und IG Metall eine Aktion gestartet: In öffentlichen Anzeigen mehrerer lokaler Tageszeitungen erinnern sie die Geschäftsführung und die Inhaberfamilie Prym an ihre soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten.

Die Geschäftsführung der Firma Inovan plant, in den nächsten vier Jahren über 200 Arbeitsplätze am Standort Birkenfeld zu streichen. Laut IG Metall werde der Schritt mit „Marktschwankungen“ begründet.

Gewerkschaft und Betriebsrat hätten in Verhandlungen und Versammlungen Vorschläge eingebracht, wie die Beschäftigten an den Standorten Birkenfeld und Stolberg gehalten werden können. Sinnvoll wäre etwa, die Logistik weiter im Prymkonzern fortzuführen, erklärte die erste Bevollmächtigte der IG Metall, Liane Papaioannou. Gleiches gelte für weitere vom Personalabbau betroffene Abteilungen, so die Gewerkschafterin weiter. Im Raum steht seit Sommer wie berichtet auch die Verlagerung der Stanzproduktion in das Werk im tschechischen Zliv.

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200 Stellen sollen abgebaut werden

„Die Logistik muss in vollem Umfang erhalten bleiben und darf nicht verlagert werden. Das ist eine wichtige Forderung“, ergänzt Justin Ludäscher, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Zudem erhoffe man sich von der Anzeigen-Aktion attraktive Freiwilligenprogramme, akzeptable Abfindungen und dass betriebsbedingte Kündigungen sozialverträglich umgesetzt werden.

Am Montag solle die Zeitungsseite mit der Annonce in der Firma am schwarzen Brett aufgehängt werden, um so die Mitarbeiter über die Aktion zu informieren. „Verlagerung und Personalabbau darf nicht die einzige Option sein!“, fordern Gewerkschaft und Inovan-Beschäftigte, deren Unterschriften auf der Anzeige zu sehen sind.

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Appell per Zeitungsanzeige

Die IG Metall hofft auf die Wirkung der Anzeige und versteht sie als moralischen Appell an die Inhaberfamilie. Der Stellenabbau sei auf vier Jahre angelegt, bisher habe es aber noch keine Entlassung gegeben, räumt Arno Rastetter, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, ein. Die Gewerkschaft rechnet aber mit einem Stellenabbau ab 2020. Ein Interessenausgleich oder Sozialplan sei bislang nicht verhandelt worden.

Ludäscher bezeichnete die aktuelle Situation als „ergebnisoffen“. Am kommenden Donnerstag gebe es einen Verhandlungstermin. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende rechnet nach ein oder zwei Verhandlungstagen mit einem Ergebnis – „in welcher Form auch immer“.
Von den 550 Inovan-Beschäftigten in Birkenfeld arbeiten 450 im Werk 1, wo Stanzprodukte für Autofensterheber gefertigt werden. 100 Kräfte sind in der Kunststofftechnik in Werk 2 eingesetzt. In Werk 3 werden Metallverbindungen hergestellt.

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