Akten der Sonderkommission Wagner
Im Fall Simon Paulus hat die Polizei die Ermittlungsakten der Sonderkommission (Soko) "Wagner" am Dienstag der Staatsanwaltschaft Pforzheim übergeben. | Foto: Polizei

Zweiter Mord geplant?

Fall Simon Paulus: Weg zur Anklage ist frei

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Im Fall Simon Paulus hat die Polizei die Ermittlungsakten der Sonderkommission (Soko) „Wagner“ am Dienstag der Staatsanwaltschaft Pforzheim übergeben.

Nach mehr als fünf Monaten kriminaltechnischer Untersuchungen ist der Weg zu Anklage und Prozess nun also frei.

Hauptverdächtig ist ein 29-jähriger Italiener, der laut Polizei bis heute zu den Vorwürfen schweigt. Ein 42-jähriger Deutscher soll ihm beim Abtransport der Leiche und der gestohlenen Waffen des Jägers geholfen haben.

400 Spuren ausgewertet

Die Soko unter der Leitung von Kriminaldirektor Uwe Carl hatte fast 400 Spuren und über 150 Maßnahmen ausgewertet. Das Dezernat 1 des Kriminalkommissariats Pforzheim habe den Sachverhalt beweiskräftig aufgearbeitet und die Akten nun der Staatsanwaltschaft Pforzheim zur Prüfung vorgelegt.

Vorwurf: Mord

Dem Hauptverdächtigen wird unter anderem Mord in Verbindung mit einem Raub vorgeworfen, zudem illegaler Waffenhandel und -besitz. Auch wird er wegen des Vortäuschens einer Straftat verdächtigt, da der Mann angegeben hatte, dass sein Auto gestohlen worden sei. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass der Wagen, der ausgebrannt in Italien gefunden wurde, im Zuge der Vernichtung von Spuren mutwillig zerstört wurde.

Wollte das Trio eine 60-Jährige töten?

Im Zuge der Ermittlungen stieß die Soko auf einen weiteren, geplanten Überfall, weshalb der Hauptverdächtige und seine beiden mutmaßlichen Mittäter im Oktober des vergangenen Jahres überhaupt erst festgenommen worden waren. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Trio eine 60-Jährige aus dem Enzkreis in Tötungsabsicht berauben wollte. Dem 29-Jährigen wird deshalb auch die Verabredung zu einem Verbrechen vorgeworfen.

Waffen bis heute unauffindbar

Der 26-jährige Deutsche, ein mutmaßlicher Mittäter, wird wegen Strafvereitelung im Zusammenhang mit Mord sowie der Verabredung zu einem Verbrechen und dem illegalen Waffenhandel und -besitz angezeigt; ein gleichaltriger Grieche wegen Verabredung zu einem versuchten Mord.

Neue Erkenntnisse über die Täter erhoffte sich die Polizei am Donnerstag bei der Suche nach Hinweisen am Fundort des Leichnams im Hagenschießwald. 25 Beamte durchkämmten das Waldstück.
Foto: Gress

Der Hauptverdächtige sitzt laut Polizei in Untersuchungshaft, die drei anderen Männer wurden gegen Auflage Ende des vergangenen Jahres entlassen. Die Waffen des gelernten Büchsenmachers Simon Paulus sind bis heute verschwunden, so die Polizei. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie ins Ausland geschafft wurden.

Tatortgruppe des Landes miteinbezogen

Bei der 38-köpfigen Soko seien insbesondere die Kriminaltechniker mit umfangreichen Sicherungen sämtlicher Tatort-Spuren in Zusammenarbeit mit der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg gefordert.

Der Fall Simon Paulus

Simon Paulus aus dem Birkenfelder Teilort Gräfenhausen im Enzkreis war Ende August des vergangenen Jahres vermisst gemeldet worden. Die Polizei schließt eine Straftat von Anfang an nicht aus.

Bei einer Pressekonferenz zum Fall Simon Paulus gaben (von links) Bernhard Ebinger, Pressereferent der Staatsanwaltschaft Pforzheim, Sabine Mayländer, Leiterin der Staatsanwaltschaft Pforzheim,, Uwe Carl, Leiter des Kriminalkommissariats Pforzheim, und Raphael Fiedler, Pressesprecher der Polizei, Auskunft über den Stand der Ermittlungen.

Wenige Tage später finden die Beamten Blutspuren, die dem Vermissten zuzuordnen sind. Die Sonderkommission „Wagner“ wird eingerichtet, die Polizei veröffentlicht Fotos von Paulus. Am 2. Oktober wird die Leiche des Jägers schließlich in einem Wald bei Pforzheim gefunden.

(bnn/ ots)