In Schieflage: Der Spielbetrieb beim Golfclub Pforzheim auf dem Karlshäuser Hof geht trotz der Insolvenz des Clubs weiter. Die Zukunft des Vereins ist derzeit jedoch ungewiss. Das Gericht bestimmt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, der zunächst alle Entscheidungen trifft. Der Vorstand steht ihm beratend zur Seite.
In Schieflage: Der Spielbetrieb beim Golfclub Pforzheim auf dem Karlshäuser Hof geht trotz der Insolvenz des Clubs weiter. Die Zukunft des Vereins ist derzeit jedoch ungewiss. Das Gericht bestimmt einen vorläufigen Insolvenzverwalter, der zunächst alle Entscheidungen trifft. Der Vorstand steht ihm beratend zur Seite. | Foto: Ehmann

Jahrelanger Konflikt

„Privatkrieg“ endet mit Insolvenz des Golfclubs Pforzheim

Anzeige

Schwarzer Tag für den Golfclub Pforzheim: Der Vorstand hat am Mittwoch beim Amtsgericht Insolvenz angemeldet. Der Grund sind hohe Pachtforderungen und jahrelange Querelen zwischen der Clubpräsidentin Hannelore Zachmann und ihrem Vorgänger Wolfgang Daum.

„Es ist traurig, dass wir den Weg gehen müssen“, sagte Wolfgang Stopp, Vizepräsident des Golfclubs, der gemeinsam mit Zachmann im Clubhaus auf dem Karlshäuser Hof über die Insolvenz informierte. Zahlreiche Gütevorschläge habe der Clubvorstand an die „Golfplatz Karlshäuser Hof Betriebs-GmbH“ geschrieben – sie seien jedoch alle rigoros abgelehnt worden.

„Als Antwort kam nur, dass der Vorstand abtreten soll, dann kann man über alles reden“, empört sich Zachmann, die der GmbH vorwirft, den Club in die Insolvenz getrieben zu haben.

Auch interessant: Wegen Mäusen an Conweiler Schule fällt der Unterricht bis zu den Faschingsferien aus

Konflikt zwischen Vorstand des Golfclubs Pforzheim und Wolfgang Daum

Der Konflikt zwischen dem Clubvorstand und Wolfgang Daum schwelt schon lange. Daum war 23 Jahre lang Präsident des Golfclubs und ist heute federführender Gesellschafter der Betriebsgesellschaft, die den Golfplatz vom Besitzer des Areals pachtet und an den Club weiterverpachtet.

Der Streit dreht sich um den Pachtvertrag, der laut Zachmann 2010, neun Jahre vor Ablauf, „ohne Notwendigkeit“ neu aufgesetzt wurde. „Damit wurde der schleichende Tod des Clubs verfügt“, ergänzt Stopp.

Informierten über die Insolvenz des Golfclubs Pforzheim: Präsidentin Hannelore Zachmann und ihr Stellvertreter Wolfgang Stopp.
Informierten über die Insolvenz des Golfclubs Pforzheim: Präsidentin Hannelore Zachmann und ihr Stellvertreter Wolfgang Stopp. | Foto: Ehmann

Konkret geht es um monatliche Pachtzahlungen von 34.520 Euro, die der Club an die Betriebs-GmbH zahlen muss – im Jahr sind das 408.000 Euro. Das sei mehr als doppelt so viel, wie ein Golfclub im Schnitt für eine 18-Loch-Anlage bezahle, so Zachmann.

Der Club fühlt sich von Daum über den Tisch gezogen und wirft ihm vor, sich zu bereichern. 1,7 Millionen Euro habe der Club über die Jahre zu viel an Pacht gezahlt, rechnet Zachmann vor. „Unsere wunderschöne Anlage wird von der GmbH ausgeblutet“, klagt Stopp.

Auch interessant: Unbekannter Täter wirft Molotowcocktail auf Haus in Kämpfelbach

Der Golfclub Pforzheim hat derzeit 705 Mitglieder. Als Hannelore Zachmann vor fünf Jahren Präsidentin wurde, waren es noch rund 900. Sie nennt unter anderem die Überalterung des Clubs als Grund. Der Mitgliederrückgang ist aber nicht der einzige Grund für die finanzielle Misere des Vereins.
Im vergangenen September hat der Club die Insolvenz dadurch abgewendet, dass die meisten Mitglieder bei einer außerordentlichen Versammlung einer Umlage zustimmten. Bei der Versammlung am Dienstagabend im Nieferner Ameliussaal wurden 259 anwesende Mitglieder über die Insolvenz informiert, die der Vorstand am Mittwoch beim Amtsgericht angemeldet hat. Wie es mit dem Club weitergeht, ist ungewiss.
Das Gericht bestellt den vorläufigen Insolvenzverwalter, dessen Ziel es ist, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Er trifft in den nächsten drei Monaten die Entscheidungen und der Vorstand steht ihm beratend zur Seite. Der wird aufgelöst, wenn nach der Frist ein zweiter Insolvenzverwalter auf den vorläufigen Insolvenzverwalter folgt.

Anzeige wegen des Verdachts der Untreue

Und Clubmitglieder hätten Daum wegen des Verdachts der Untreue angezeigt, bestätigt Zachmann. Die Pacht für das letzte Quartal 2019 in Höhe von 103.000 Euro hat der Club auf ein Sperrkonto überwiesen und auch die Pacht für Januar und Februar nicht bezahlt. Dagegen hat die GmbH vor dem Landgericht Karlsruhe geklagt.

Dieses hat der GmbH Recht gegeben und entschieden, dass die Zahlungen zu leisten sind. Gegen das Urteil will der Club Berufung einlegen. Bernard Olujic, Co-Geschäftsführer der Betriebs-Gesellschaft, bestreitet die Vorwürfe, die GmbH treibe den Club in die Insolvenz.

„Privatkrieg“ als Grund für die Auseinandersetzungen

„Man darf den Schuldigen nicht bei der GmbH suchen“, so Olujic. Als Grund für die Querelen sieht er den „Privatkrieg“ von Zachmann gegen Daum. Er wirft dem Vorstand vor, den Club „abgewirtschaftet“ zu haben und zieht dafür die gesunkenen Mitgliederzahlen heran. „Die laufen davon, weil jedes Jahr die Beiträge erhöht oder neue Umlagen eingeführt wurden“, so Olujic.

Die Anzeige wegen des Verdachts auf Untreue gegen Daum bezeichnet Olujic als „reinen Populismus“. Er sei für einen Neuanfang bereit, „aber nur wenn der Vorstand zurücktritt“.