Erster Treffpunkt: Gegen 17 Uhr treffen sich einige, mutmaßliche Konzert-Teilnehmer auf dem Rewe-Parkplatz in Niefern. Von dort aus geht es mit dem Auto zum Konzertort, wo der Rechtsrocker Michael Regener alias „Lunikoff“ auftritt.
Erster Treffpunkt: Gegen 17 Uhr treffen sich einige, mutmaßliche Konzert-Teilnehmer auf dem Rewe-Parkplatz in Niefern. Von dort aus geht es mit dem Auto zum Konzertort, wo der Rechtsrocker Michael Regener alias „Lunikoff“ auftritt. | Foto: BNN

Verfassungsschutz informiert

„Lunikoff“-Auftritt im Enzkreis: Geheimes Rechtsrock-Konzert am Sonntag

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Er ist eine bekannte Größe in der rechten Musikszene: Michael Regener alias „Lunikoff“. Am Sonntag gab der frühere Sänger der mittlerweile als kriminelle Vereinigung eingestuften Band „Landser“ ein Konzert vor rund 40 Besuchern im Enzkreis.

An normalen Sonntagen geht es ruhig zu auf dem Parkplatz des Rewe-Marktes in Niefern. Nicht so am vergangenen. Da nämlich treffen sich Anhänger rechtsextremer Musik. Ihr Ziel: Ein Konzert des deutschlandweit in der Szene bekannten Sängers Michael Regener, alias „Lunikoff“.

Fahrt Richtung Enzberg

Die insgesamt 14 Personen, die mit Fahrzeugen aus dem Raum Karlsruhe, Freudenstadt, Biberach und Künzelsau auf dem Parkplatz warten, fallen auf. Auf ihren schwarzen T-Shirts finden sich im rechten Milieu bekannte Aufschriften wie „Germania“, „Nationaler Widerstand“ oder „Das wahre Deutschland“. Wo das Konzert stattfinden soll, wissen vermutlich selbst die Männer vor Ort nicht.

Wie in diesen Kreisen üblich, werden die interessierten Teilnehmer über verschiedene „Treffpunkte“ zum finalen Konzertort gelotst. Den ersten Punkt gibt es nur über eine Mobilfunknummer eines thüringischen Versandhandels, der zugleich eine Reihe von Musikern des rechten Spektrums vertritt. Gegen 17.30 Uhr geht es dann los, einer der Männer schaut auf sein Handy und die Gruppe verlässt den Parkplatz und fährt auf die Bundesstraße 10 Richtung Enzberg.

Polizei bestätigt Konzert

„Ja, es gab das besagte Konzert im östlichen Enzkreis“, bestätigt ein Polizeisprecher auf BNN-Nachfrage. Nähere Informationen zum Veranstaltungsort wollte die Polizei nicht preisgeben, auch im Blick auf künftige Arbeit in der rechtsextremen Szene. Der Hermannsland-Versand, der eine Reihe von Regeners Fanartikeln vertreibt, wollte sich auf Kurier-Nachfrage nicht zu dem Auftritt im Enzkreis äußern. Laut Recherchen fand das Konzert im Rahmen der „Barhockertour“ Regeners statt – ein Format, das der Sänger seit mehreren Jahren betreibt.

Auch Verfassungsschutz informiert

Zwischen 30 und 40 Personen des rechten Spektrums wurden laut Polizei vor Ort gezählt. Straftaten oder besondere Vorkommnisse gab es laut Polizei keine. Auch keine Beschwerden von Anwohnern oder Gegenbewegungen aus dem linken Spektrum.

Da es sich bei dem Konzert um eine nicht-öffentliche Veranstaltung handelte, musste im Vorfeld auch keine Genehmigung bei den Behörden eingeholt werden. Dennoch ist das Landesamt für Verfassungsschutz im Bilde, da der Liedermacher kein Unbekannter ist.

„Lunikoff“ war Sänger der Band „Landser“

Regener ist einer der bekanntesten, rechtsextremen Sänger in Deutschland. Der aus Berlin stammende Musiker war ab 1992 Sänger der Neonazi-Band „Landser“. 2003 wurde die Band vom Berliner Kammergericht wegen volksverhetzender Liedinhalte als kriminelle Vereinigung eingestuft.

Der vorbestrafte Regener wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt – auch wegen zwei Fällen von Volksverhetzung. Regener war der einzige der drei Angeklagten der Band, der nicht mit den Behörden kooperierte.

Der Sänger Michael Regener, alias Lunikoff, ist nicht nur Musiker, sondern auch Gründungsmitlied der „Vandalen – Ariogermanischen Kampfgemeinschaft“.
Der Sänger Michael Regener, alias Lunikoff, ist nicht nur Musiker, sondern auch Gründungsmitlied der „Vandalen – Ariogermanischen Kampfgemeinschaft“. | Foto: Uli Deck dpa/lsw

Teilnahme am Neonazi-Konzert in Themar

Noch während des Prozesses gründete er die Band „Die Lunikoff Verschwörung“, die mittlerweile sechs Studioalben veröffentlicht hat, von denen zwei indiziert wurden. Regener trat mit seiner Band unter anderem auch beim Neonazi-Konzert im thüringischen Themar im Juli 2017 auf.

Die Liedtitel seiner Band lauten unter anderem „Grenzen hoch und Schotten dicht“ oder „Deutsch sein“. Auf Fanartikeln des Sängers im Internet finden sich Aufschriften wie „Arisches Kind“ oder „Chemnitz ist überall“. Solo tritt er unter seinem Künstlernamen „Lunikoff“ oder kurz „Luni“ auf.

Bereits 2010 war ein Konzert geplant

„Es ist saublöd, dass es solche Machenschaften hier in der Region gibt“, sagt ein Sprecher der Pforzheimer Initiative gegen Rechts auf BNN-Nachfrage. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass der Enzkreis oder Pforzheim zum Zentrum rechtsextremen Gedankengutes wird.

Im Mai dieses Jahres marschierte die Kleinstpartei „Die Rechte“ durch Pforzheim und provozierte im selben Monat vor der Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Pforzheim. Musikalisch rückte Mühlacker 2010 in den Fokus, als ein Rechtsrock-Konzert der rechten Gruppierung „Stallhaus Germania“ in Lomersheim geplant war.

Mehr zum Thema: „Die Rechte“ provoziert vor Pforzheimer Synagoge

Das Konzert, bei dem mehrere hundert Teilnehmer erwartet wurden, fand letztlich aber nicht statt. Und auch Michael Regener war schon in der Region zu Gast. im November 2015 war er Hauptact einer im Raum Calw stattfindenden Musikveranstaltung.