Bereit zum Abriss: Auf die Entkernung im Gebäudeinneren folgt der Abbruch des alten Bau 50. Der Neubau ist für 2020 geplant; dort soll ein Kompetenzzentrum für Klappenteile für alle Serien-Pkw des Konzerns mit dem Stern entstehen.
Bereit zum Abriss: Auf die Entkernung im Gebäudeinneren folgt der Abbruch des alten Bau 50. Der Neubau ist für 2020 geplant; dort soll ein Kompetenzzentrum für Klappenteile für alle Serien-Pkw des Konzerns mit dem Stern entstehen. | Foto: Dorscheid

Neuer Bau 50

30 Millionen Euro für Mercedes-Benz-Werk Gaggenau

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Es ist ein wachsendes Geschäft und – ganz wichtig – es ist antriebsunabhängig. Denn Klappenteile benötigt man im Automobilbau unabhängig davon, ob der Pkw der Zukunft mit einem Verbrennungs- oder mit einem Elektromotor fährt.

Motorhauben, Türen und Heckklappen bilden zusammen das Klappenteilegeschäft; es soll dem Mercedes-Benz-Werk Gaggenau zu einem weiteren stabilen Standbein verhelfen.

Neubau für mindestens 80 Mitarbeiter

Angesiedelt wird dieser Bereich in neuer und größerer Form im Bau 50 (nahe Tor sechs, Goethestraße): Das alte Gebäude wird abgerissen und an gleicher Stelle nachfolgend ein Neubau hochgezogen, in dem ein Kompetenzzentrum für Klappenteile entstehen soll.

Mindestens 80 Mitarbeiter sollen dort einmal beschäftigt werden, freut sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Udo Roth im BNN-Gespräch. In Gaggenau werden die Klappenteile zwar nicht produziert, aber hier werden alle Ersatzklappenteile für alle Pkw (und für einen Großteil des Van-Bereichs), die in den Werken des Konzerns in Serie hergestellt werden – mithin von der A- bis zur S-Klasse – der notwendigen Oberflächenbehandlung unterzogen.

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Bewilligung vor Gewinnwarnung

Dabei geht es vor allem um Nahtabdichtungen und um den Korrosionsschutz. Wenn man so will, ein Alleinstellungsmerkmal für das Werk Gaggenau, das Arbeitsplätze auch in der Zukunft absichert. Klar ist auch, dass die Genehmigung aus Stuttgart verbunden mit der Mittelfreigabe gerade noch rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht werden konnte – noch vor den Hiobsbotschaften von Daimler mit zweifacher Gewinnwarnung. Kaum anzunehmen, dass heute vor dem Hintergrund des zunehmenden Spardrucks beim Konzern mit dem Stern die Gelder noch einmal freigegeben würden.

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Weiterentwicklung des Standortes

In der jüngsten Betriebsversammlung im Benz-Werk war Ende Juli von einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro für Abriss und Neubau von Bau 50 die Rede. „Im Rahmen unserer Murgtalstrategie zur Weiterentwicklung des Standortes konnten wir erzielen, dass der Bau 50 endlich abgerissen und neu aufgebaut wird. Dies wird trotz aktuellem Sparkurs stattfinden“, jubiliert der Betriebsrat in der jüngsten (Sommer-)Ausgabe seiner Mitarbeiterzeitschrift „Benzler“. Die Arbeitnehmervertreter werten die Umwandlung von Bau 50 als wichtigen Teil des Masterplans 2.0 und als „Beitrag zur Sicherung von Beschäftigung und Erschließung von Wachstumschancen“ (Zitat aus dem „Benzler“, Ausgabe Frühling 2019).

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Höheres Ersatzteilgeschäft

Eine gute Auslastung verzeichnet das Mercedes-Benz-Werk Gaggenau, hier die Fertigung von Getriebekomponenten. | Foto: Daimler

Eine Anlage gibt es bereits in Bad Rotenfels; sie wird ebenso wie ein weiterer Klappenteilebereich im alten Presswerk im Werk Gaggenau zugunsten des künftigen Kompetenzzentrums im neuen Bau 50 aufgegeben. Beide bisherigen Bereiche sind nach Roths Worten ohnehin an räumliche Grenzen gestoßen und stehen künftig anderweitig zur Verfügung. Für dieses Jahr soll der Umfang bei rund 400.000 Klappenteilen liegen; Tendenz steigend – analog zu den bis zuletzt jährlich angestiegenen Verkaufszahlen bei Mercedes-Benz-Pkw, die (durch Unfälle oder sonstige Reparaturen) mit einem höheren Ersatzteilegeschäft einhergehen.

Abriss hat bereits begonnen

Die Abrissmaßnahmen am in die Jahre gekommenen Bau 50 haben inzwischen begonnen. Von außen allerdings noch kaum sichtbar, zunächst stand das Entkernen im Gebäudeinneren an. Die Ausschreibung für den Neubau wurde vorbereitet, bis zur nächsten Betriebsversammlung im Dezember sollen die ersten Planungen vorliegen.

Neubau entsteht 2020

Im kommenden Jahr soll dann der Neubau errichtet werden. Zuletzt war in Bau 50 laut Roth nur noch das Erdgeschoss belegt; das Reman-Geschäft (Re-Manufactoring), bei dem alte Getriebe begutachtet und gegebenenfalls weiterverwendet werden, ist mit seinen gut 60 Beschäftigten in ein Nachbargebäude umgezogen. Die weiteren Stockwerke, in denen nach seinen Worten früher Verwaltungs- und Planungsbereiche wie auch der Unimog-Vertrieb untergebracht waren, seien zuletzt nicht mehr genutzt worden.

Historie des Bau 50

Bau 50 ist nach Firmenangaben im Jahr 1964 errichtet worden. Die Nutzung im Verlauf der Firmengeschichte war wohl höchst unterschiedlich. Bis vor etwa 25 Jahre sei im Erdgeschoss noch die Kistennaglerei zur Anfertigung von Versandpackungen gewesen. Als wechselnde Nutzung für die oberen Geschosse nennt das Unternehmen die kaufmännische Ausbildung, die Maschinenplanung, die Versandabwicklung und eine Nutzung als Archiv. „Im Bau 50 waren, abhängig von den dort untergebrachten Abteilungen, bis zu 300 Mitarbeiter beschäftigt“, schreibt die Pressestelle von Daimler in Stuttgart auf BNN-Nachfrage.