Verändern wird sich künftig das Bild im Inneren der Bietigheimer Gemeinschaftsschule. Künftig sollen dort nur noch Grundschüler untergebracht werden und sich unter anderem auch die Lichtverhältnisse im Gebäude verbessern. | Foto: Collet

Nur SPD stimmt gegen Aufhebung

Bietigheimer Gemeinderat läutet Ende der Gemeinschaftsschule ein

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Am Ende war es eine klare Entscheidung: Die Bietigheimer Gemeinschaftsschule hat nur noch den Charakter eines Auslaufmodells. Neuanmeldungen sind nicht mehr möglich. Die derzeitigen Schüler sollen aber zumindest noch ihren Abschluss machen können – sofern die geforderte Mindeststärke von 16 Schülern dauerhaft gewahrt bleibt. Zuletzt hatten sich nur noch 17 Schüler angemeldet, einer kam später dazu.

Neuanmeldungen nicht mehr möglich

13 Mitglieder des Gemeinderates erachteten diesen Weg als alternativlos. Der ehemalige Schulleiter Hans-Walter Negwer enthielt sich der Stimme: „Ich habe eine besondere Beziehung zu dieser Schule und möchte auch das besondere Engagement der Lehrer hervorheben, die nichts für die heutige Situation können“, begründete Negwer sein Votum. Seine Fraktionskollegen von der CDU stimmten ebenso einmütig für den Verwaltungsvorschlag, das Ende der Gemeinschaftsschule einzuläuten wie die Freien Wähler. Die SPD stimmte dagegen.

SPD stimmt dagegen

Nachdem die Entscheidung zu dem in Bietigheim heiß diskutierten Thema Ende Februar noch vertagt worden war, hatte die Verwaltung nun nochmals nachgearbeitet und vor allem die Kosten für die verschiedenen Varianten zusammengestellt. Ein dickes Lob schickte Bürgermeister Constantin Braun deshalb an seine Mitarbeiter im Rathaus, die selbst an den Wochenenden noch intensive Sonderschichten eingelegt hätten, um weitere Informationen bieten zu können. So wurde ermittelt, dass die Aufhebung der Gemeinschaftsschule mit der Umstrukturierung in eine Grundschule samt Ganztagesbetrieb mit Mittagsverpflegung knapp elf Millionen Euro kosten würde, wobei hier auch Fördermittel des Landes zu erhalten wären.

Finanzielle Kräfte überfordert

Fast 20 Millionen Euro hätte die Weiterführung der Gemeinschaftsschule mit dem Anbau einer dreizügigen Grundschule gekostet – ohne dafür Fördermittel erhalten zu können. Der reine Neubau einer Grundschule ohne Fördermittel hätte die Gemeinde mit über 15 Millionen Euro beansprucht.
Nicht nur Bürgermeister Braun sah die finanziellen Kräfte der Gemeinde ohne unterstützende Fördergelder überfordert. Auch die Landtagsabgeordneten und die Nachbargemeinden seien über die Situation in Bietigheim unterrichtet worden, erklärte Braun.

Wir sollten unsere Energie jetzt in eine richtig gute Grundschule investieren.

Wolfgang Bernart, Freie Wähler

Wolfgang Bernart (Freie Wähler) bezeichnete das eingeläutete Ende der Gemeinschaftsschule als alternativlos, „obwohl wir vor drei Jahren voll hinter dieser Schule standen.“ Deutlich wandte er sich auch gegen die Alternative, eine Containerschule für die Grundschüler zu errichten: „Da wären fünf Millionen Euro in den Wind geschossen.“ Und: „Wir sollten unsere Energie jetzt in eine richtig gute Grundschule investieren“, meinte Bernart.

Es tut uns allen weh, aber wir sehen keine andere Lösung als die Gemeinschaftsschule aufzugeben.

Jürgen Rastätter, CDU

Jürgen Rastätter (CDU) bekräftigte, dass nach den vorliegenden Informationen eine Entscheidung von dieser Tragweite nicht länger hinausgeschoben werden könne. „Es tut uns allen weh, aber wir sehen keine andere Lösung als die Gemeinschaftsschule aufzugeben“, erklärte Rastätter.

Kritik am Kultusministerium

Samuel Engelhard (SPD) sprach derweil von einer „absurden und perfiden Situation“. Mit scharfen Worten übte er Kritik an der „erpresserischen Vorgehensweise des Kultusministeriums“, wo durch Zusagen von Fördermitteln die Gemeinschaftsschule gegen die Grundschule ausgespielt werde. Ohne Zuschüsse könne die Gemeinde keine Grundschule bauen, betonte Engelhard, der auch seine emotionale Bindung an die Gemeinschaftsschule hervorhob und für seine Fraktion deshalb erklärte, einer Schließung nicht zustimmen zu können.

Grundschule zieht um

Wie bereits bei der vorangegangenen Ratssitzung im Februar hatten die Einwohner auch diesmal wieder viele Fragen zu dem Thema. Die Verantwortlichen versicherten, dass die marode Grundschule im alten Ortskern (Architekt Andreas Fritz: „Das Gebäude steht unter ständiger Beobachtung“) auf alle Fälle für zwei bis vier Jahre noch erhalten werden könne, bis der Umzug in die bisherige Gemeinschaftsschule erfolgt.