Das Blut ihrer Bevölkerung untersuchen die Landkreise Rastatt und Altötting aktuell auf PFC.
Das Blut ihrer Bevölkerung untersuchen die Landkreise Rastatt und Altötting aktuell auf PFC. | Foto: dpa

PFC in Mittelbaden

Blutuntersuchungen laufen

Fast wäre man geneigt zu sagen, geteiltes Leid ist halbes Leid, aber ob es wirklich ein Trost ist, nicht die einzige Region mit einem PFC-Problem zu sein, das sei dahingestellt. Sowohl in Mittelbaden als auch in Altötting in Bayern lebt man mit den Folgen einer PFC-Belastung und in beiden Fällen ist erst nach langem Hin und Her ein entsprechendes Monitoring der Bevölkerung angelaufen.

Kreise Altötting und Rastatt gehen unterschiedlich vor

„Die Untersuchung wurde bei uns zunächst vom Gemeinderat in Kastl (Landkreis Altötting) generell abgelehnt“, so Hartmut Thalhammer aus Oberbayern gegenüber den BNN. Der Mediziner im Rat habe als Erklärung gesagt, es gebe keine Therapie und kein Mittel dagegen, deshalb sei sie nicht nötig, ärgert sich Thalhammer.

Er ist Mitglied in der dortigen wegen der PFC-Belastung gegründeten Bürgerinitiative, die auch in regelmäßigem Kontakt zur hiesigen Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim“ steht. Anders sieht es bei den zuständigen Behörden aus, einen wie auch immer gearteten Austausch über die Blutuntersuchungen gab es wohl nicht.

„Direkte Kontakte aus Altötting zum Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg gab es nach unserem Wissen nicht“, so Markus Jox, der Pressesprecher des Sozialministeriums. Aber zur hiesigen Expertenkommission, die das Monitoring vorbereitet habe, gehöre auch ein Experte des Landesgesundheitsamtes in Bayern (LGL), der über die Planungen entsprechend informiert gewesen sei. Dies sei auch ausreichend, denn der bayerische Schadensfall sei anders gelagert.

Ausgangslage sei nicht vergleichbar, sagt das Ministerium

Die Belastung mit den PFC, die von einem Chemiepark ausgegangen sei, sei dort längerfristig über viele Jahre hinweg und auch über die Luft erfolgt. „Sie betraf daher vermutlich alle Flurstücke, bebaut und unbebaut und unabhängig von der Nutzungsart“, erläuterte Jox. Die großflächige PFC-Verteilung führte im Landkreis Altötting geradezu zu einem Ansturm auf die angebotenen Blutuntersuchungen.

Die Schlagzeile der dortigen Passauer Neuen Presse lautete plakativ: „Chemikalie im Trinkwasser: Fast Tausend bei Bluttest“, denn innerhalb allerkürzester Zeit hatten sich 931 betroffene Bürger zur freiwilligen Blutuntersuchung angemeldet. In Mittelbaden konnte man sich hingegen nicht freiwillig melden, denn es sollte wurde die Art der Studie sicher gestellt werden, dass das hiesige Monitoring auch allen statistischen Ansprüchen genügen wird. Deswegen werden „getrennte Personengruppen mit jeweils definierten, unterschiedlichen Belastungssituationen untersucht“, so Pressesprecher Jox.

Blutkontrolluntersuchung
Auf folgende Kriterien wurde bei der Planung der Blutkontrolluntersuchung im Landkreis Rastatt vom Expertenkreis Wert gelegt: wissenschaftliche Methodik, Studienplan mit Vergleichsgruppe(n), adäquate Stichprobenplanung auf der Basis bisher bekannter Messwerte, standardisierte Durchführung der Datenerhebung (Fragebogen, Blutuntersuchung), Prüfung durch die Ethikkommission, Einhaltung von Datenschutzvorschriften. Die Ergebnisse der Blutkontrolluntersuchung werden in einem Bericht publiziert und stehen laut Landessozialministerium danach auch dem Umweltbundesamt und den Behörden in anderen Bundesländern zur Verfügung.

 

Der Leiter des Rastatter Gesundheitsamtes, Hans-Jürgen Bortel, ist inzwischen optimistisch, bis Anfang Juni mit allen Blutabnahmen durch zu sein: „Von den 1 200 angeschriebenen Personen haben sich genügend Menschen pro Gruppe zurückgemeldet.“ Ziel seien 100 Personen pro Gruppe gewesen. Lediglich bei der Kontrollgruppe, also bei den völlig unbelasteten Menschen, gebe es etwas weniger Rückmeldungen.

Anspruch auf aussagekräftige Ergebnisse

Den Anspruch auf aussagekräftige Ergebnisse erheben beide Länder: Auch im Kreis Altötting werden deswegen verschiedene soziodemografische Faktoren von den Studienteilnehmern erhoben und auf die jeweilige Expositionsgeschichte der einzelnen Trinkwasser-Versorgungsanlagen bezogen, bestätigte der Pressesprecher des LGL, Aleksander Szumilas. Es bleibt also zu hoffen, dass beide Studien trotz unterschiedlicher Vorgehensweisen zu Erkenntnissen führen, die nicht nur bundesweit erfasst und gewichtet werden, sondern auch zukünftigen Betroffenen ganz grundsätzlich zugute kommen können.

von Patricia Klatt