Sägen, Streichen und Schrauben: Das gesamte Mobiliar für die „Greif-BAR“ baut die Theatergruppe selbst. Allein 60 Paletten sind bearbeitet worden. | Foto: Holbein

Phoenixtheater bei tête-à-tête

Kulturcafé aus Euro-Paletten

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Von Martina Holbein

Sie haben gesägt und gehämmert, um aus Paletten Möbel und eine Theke für ihr Café zu zimmern. Sie haben T-Shirts gesammelt, gebatikt und auseinandergeschnitten für den Sonnenschutz. Das Phoenixtheater Rastatt ist in diesem Jahr aktiv beim Tête-à-Tête dabei und zwar mit seinem Café „Greif-BAR“ im Schulhof des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums.

Sonnensegel leuchten in den Farben des Feuervogels

Die Vorbereitungen sind auf der Zielgeraden. „Es wird toll“, ist Tête-à-Tête-Intendantin Julia von Wild überzeugt, die bereits einen Blick in die „Werkstatt“ geworfen hat. Die befindet sich bei Ensemble-Mitglied Johannes Fahr im heimischen Keller und Garten. Er hatte sich auch die Entwürfe für das Mobiliar des Cafés ausgedacht und 60 Paletten dafür ankarren lassen. Die 30, ursprünglich weißen T-Shirts wurden innerhalb der Gruppe, über Facebook und Instagram eingesammelt und dem siebenköpfigen Team an einem Wochenende zur Bearbeitung freigegeben. „Wir haben natürlich die Farben des Feuervogels Phoenix gewählt“, sagt Anna Lutz, Vorstandsmitglied, „gelb, orange und rot“. Die gebatikten Stoffe werden auf dem weißen Sonnensegel befestigt, so dass sie weithin leuchten.

Anlaufpunkt für Kulturneulinge

Es ist ein exponierter Platz, der Schulhof des LWG, und Teil der Lyzeum-Runde. So heißt der Spielort, der vor allem Programmpunkte junger Künstler für junges Publikum bietet. Zum einen liegt die Lyzeum-Runde vis-à-vis vom Schlosspark, zum anderen wurde der Ort „Schule“ ganz bewusst als Spielstätte eingebunden. „Es ist ein niederschwelliges Angebot für alle jungen Leute, die vielleicht mit Kultur bisher nicht so viel am Hut hatten“, hofft Festivalleiterin Julia von Wild bestimmte Gruppierungen anzusprechen, die sonst eher in anderem Kontext in der Stadt wahrgenommen werden. „Und warum nicht zeigen, dass junge Leute Freizeit auch sinnvoll, sprich künstlerisch verbringen können?“

Mitgestalten statt Überstülpen

Hip-Hop von Profis, marokkanische Parcours-Künstler oder zwei junge Illusionisten – Julia von Wild nennt „Siegfried & Joy“ sogar „Shooting Stars“ der Szene – und Zirkusartisten mit Brett und Rolle, Überlebenskünstler in ihrer Welt, die ständig zu kippen droht, sollen die Jugendlichen neugierig machen und animieren mitzumachen. So wie bereits die zehn jungen Rastatter, die sich in einem Hip-Hop-Workshop für ihren Auftritt mit der Gruppe CiE DYPTIK bei „D-Construction“ vorbereitet haben. Wichtig sei, so Julia von Wild, dass die Festivalmacher nichts überstülpen wollen, dass das Straßentheater-Event in der Stadt und der Bevölkerung wurzelt. Auch in der nächsten Generation. Deshalb sei die Leitung auf das Phoenixtheater zugegangen und habe angefragt, ob es sich vorstellen könnte teilzunehmen.

Pause machen vom Trubel der Straßenkunst

„Mit einer eigenen Produktion“, so Carolin Knapp, „wäre es zu viel und zu kurzfristig gewesen“. Die Hamlet-Produktion ist gerade abgespielt, das eigene Jugendtheaterfestival zum zehnjährigen Bestehen und Fest der Neugründung des Phoenixtheaters in der heißen Phase, da sei die Idee eines Cafés an ehesten realistisch erschienen. Gemütlich soll es werden, die kleineren Sitzmöbel lassen sich bequem so gruppieren, wie es die Gäste wünschen. Von 14 bis 20 Uhr hat das Café „Greif-BAR“ geöffnet und lädt zum Abhängen, Quatschen, zum Pause machen vom Trubel der Straßenkunst ein. Am Freitag, 1. Juni bis mindestens 22 Uhr gibt es einen offenen Abend. „Wie wir den gestalten, richtet sich ganz nach dem Publikum“, so Anna Lutz.

Truppe hofft auf Anregungen von internationalen Künstlern

Für das Phoenixtheater ist das auch Gelegenheit, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Die, die uns sonst nur von der Bühne kennen, können ungezwungen das Gespräch suchen und Fragen stellen“, sagt Carolin Knapp. 45 Vereinsmitglieder zählt das Jugendtheater derzeit zwischen 13 und 55 Jahren, die sich bei den Schichten abwechseln werden. Und sie hoffen, mit den internationalen Künstlern in Kontakt zu kommen, Anregungen für die eigene Arbeit mitzunehmen: „Da freuen wir uns riesig drauf“, sagen die beiden und strahlen über das ganze Gesicht. Jetzt, wo sie und ihr Team das Meiste geschafft haben, können sie kaum erwarten, dass es endlich losgeht. „Wir sind total gespannt und neugierig darauf, mittendrin dabei zu sein“.