Koalas, Wombats oder Kängurus: Für Tiere, die in den Bränden in Australien verletzt wurden, strickt Patricia Linke ihre kleinen Nestchen. Sie ist Teil der Facebook-Aktion „Deutschland hilft Australiens Wildtieren“.
Koalas, Wombats oder Kängurus: Für Tiere, die in den Bränden in Australien verletzt wurden, strickt Patricia Linke ihre kleinen Nestchen. Sie ist Teil der Facebook-Aktion „Deutschland hilft Australiens Wildtieren“. | Foto: Alina Meier

Hilfe über Facebook-Gruppe

Rastatterin strickt Nester für Australiens Wildtiere

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Patricia Linke aus Rastatt näht Nester für die von den Bränden in Australien bedrohten Wildtiere. Denn gerade die Jungtiere, die von ihren Eltern getrennt wurden und nun in den Auffangstationen versorgt werden, benötigen Beutel und Nester. Die Rastatterin ist aber nicht die Einzige, die strickt.

Mehr als eine Milliarde. So viele Tiere wurden laut Experten der Universität Sidney bereits durch die Brände in Australien getötet. In Auffangstationen kümmern sich Freiwillige um die verletzten Tiere, die zum Teil schwerste Verbrennungen davon getragen haben.

Gerade für Jungtiere, die durch die Flammen von ihren Eltern getrennt wurden, werden deswegen Beutel und Nester benötigt.

In einer Facebook-Gruppe haben sich nun Tausende zusammen getan, um solche Behausungen zu nähen, zu häkeln oder zu stricken. Patricia Linke aus Rastatt ist eine von ihnen.

Ins Leben gerufen wurde die Aktion von der Australierin Annett Booth. „Ich bin Mitglied in diversen Facebook-Strickgruppen, weil es da immer wieder neue Strickmuster und Anregungen gibt“, sagt die 40-Jährige.

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Facebook-Gruppe hat bereits 25.000 Euro gesammelt

In einer dieser Gruppen hatte Booth den Aufruf gestartet und auf die Gruppe „Deutschland hilft Australiens Wildtieren“ aufmerksam gemacht. Die wurde am vierten Januar gegründet, zählt eine gute Woche später bereits 16.000 Mitglieder und hat schon einen Spendenbetrag von 25.000 Euro gesammelt.

Die Rastatterin war sofort von dem Vorhaben begeistert. Sie strickt leidenschaftlich gerne und hat selbst einen Hund und eine Katze. Kurz zuvor hatte sie im Internet noch ein Video gesehen, von einem Koala mit Brandwunden, der herzzerreißend heulte und war froh, eine Möglichkeit zur Hilfe zu bekommen.

„Es ist nur eine Kleinigkeit, aber man sieht, es kommt an. Wenn ich ein paar Nestchen hinschicken kann und ein paar Tierchen haben einen warmen Popo, das ist doch schon was. Ansonsten ist man ja machtlos“, sagt Linke.

Doch sie kann nicht direkt loslegen. „Als ich den Aufruf gelesen habe, war ich gerade im Urlaub. Ich hatte zwar mein Strickzeug wie immer dabei. Ich hatte aber nur Schurwolle und die darf nicht verwendet werden.“

Nur aus Baumwolle oder Acryl dürfen die Strick-Werke sein, das ist eine der Regeln, die für deren Herstellung festgelegt sind.

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Australischer Zoll macht strenge Vorgaben

Die Vorgaben sind aus gutem Grund so streng. Der australische Zoll hat strikte Richtlinien für die Einfuhr der Werke. So dürfen sich beispielsweise keinerlei fremde Tierhaare an den selbst gestrickten Beuteln befinden und auch die Kartons, die zum Verschicken benutzt werden, müssen vollkommen sauber sein.

Mit den Werken muss Linke außerdem die Banderolen der verwendeten Wolle und einen Packzettel mitschicken, auf dem Zweck und Material, sowie der Name der Absenders beschrieben sind.

Der Austausch in der Gruppe zu diesen Themen funktioniere hervorragend, lobt Linke. Alles sei gut organisiert und man bekomme regelmäßiges Feedback aus Australien, etwa in Form von Fotos.

Außerdem würden sich alle Gruppenmitglieder untereinander helfen. „Ich kann zum Beispiel nur stricken, deshalb macht eine andere Dame aus der Gruppe die Innenbeutel für meine Nestchen“, sagt Linke.

Zusammengefügt wird alles dann in einer der 16 deutschlandweiten Sammelstellen. Auch für das Verschicken gibt es in der Gruppe einen genauen Plan.

Anfang Februar werden die Pakete losgeschickt

Bis zum 30. Januar können die Handarbeiterinnen ihre Pakete an die Sammelstellen schicken, von dort werden diese dann zwischen dem 29. Januar und dem 4. Februar nach Australien weitergeschickt.

„Koalas, Wombats oder auch Kängurus. Alle kleineren Tiere, die Wärme brauchen“, bekommen die von Linke gestrickten bunten Nestchen.

Am 20. Januar ist es dann auch für die Rastatterin so weit. Sie schickt ihr Paket auf die weite Reise und hofft, dass ihre Nestchen einen tierischen Australier retten.

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