Michael Reinhard, Jörg Frauenstein und Thomas Held (v.li) waren federführend bei der Erstellung der PFC-Arbeitshilfe.
Michael Reinhard, Jörg Frauenstein und Thomas Held (v.li) waren federführend bei der Erstellung der PFC-Arbeitshilfe. | Foto: Klatt

Vorstellung in Berlin

Region Mittelbaden ist Impulsgeber für bundesweite PFC-Arbeitshilfe

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In Berlin ist am Mittwoch eine bundesweite Arbeitshilfe für PFC-Verunreinigungen vorgestellt worden. Erarbeitet wurde sie von mehreren Experten, die insbesondere Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem mittelbadischen Fall rund um Rastatt einfließen ließen.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

„Das PFC-Problem scheint nun auch in der Bundespolitik angekommen zu sein – sowohl unser regionaler ‚Rastatt-Case‘ als auch die bundesweite Relevanz von PFC-Belastungen“. Reiner Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle des Landratsamtes ist gerade aus Berlin zurückgekommen, wo am vergangenen Mittwoch eine umfangreiche PFC-Arbeitshilfe vorgestellt wurde.

Rastatter hätten sich Leitfaden gewünscht

„Endlich, so muss man sagen, denn was wir in unserer Region nach Bekanntwerden der PFC-Belastungen schmerzlich vermisst haben, war eine Zusammenfassung oder Anleitung oder irgendetwas, was uns bei dem Herangehen an das Problem geholfen hätte“, betont Söhlmann.

Die Region um Rastatt und Baden-Baden herum ist kein Einzelfall, wenn auch die Dimension enorm ist. Und überall dort, wo man PFC-Belastungen findet, steht man vor dem gleichen Problem: Wie mit dem Schaden umgehen? Unter der Organisation von Jörg Frauenstein vom Umweltbundesamt sowie von Michael Reinhard und Thomas Held von der Arcadis Germany GmbH, die sich auch mit den Sanierungen von PFC-Schäden beschäftigt, wurde im letzten Jahr in zwei länderübergreifenden Workshops im Rahmen des Ressortforschungsplans des Bundesumweltministeriums diese PFC- Arbeitshilfe erstellt.

Zusammenarbeit von Bund und Ländern sowie europäischer Austausch sind zu stärken

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze sprach bei der Abschlussveranstaltung ein Grußwort. Für Reiner Söhlmann ist das ein deutliches Zeichen, dass die PFC-Problematik nun endlich auf der Ebene der Bundespolitik angekommen ist. Schulze habe deutlich gemacht, dass die Grundlage für politische Entscheidungen hinsichtlich PFC weitere Forschungen und Datenerfassungen seien, erzählte Söhlmann. Einige Projekte seien bereits angestoßen, es bedürfe aber einer koordinierten Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern.

Mehr zum Thema: Experten beobachten beim Thema PFC in manchen Ländern „aktives Weggucken“

Und nicht nur auf EU-Ebene bewegt sich hinsichtlich Reduzierung und Kennzeichnung der Chemikalien so Einiges. PFC sind mittlerweile ein internationales Thema, wie Bernhard Berger von der europäischen Kommission bei der Veranstaltung in Berlin betonte.

Auch für Michael Reinhard von der Arcadis hat der Besuch der Bundesumweltministerin den Stellenwert verdeutlicht, den die PFC-Problematik mittlerweile bekommt. „Man bemüht sich, die Stoffe so schnell wie möglich aus dem Produktionskreislauf zu entfernen“, so Reinhard, aber momentan sei es leider so, dass man hinten saniere und vorne ständig neu produziere.

PFC-Arbeitshilfe soll anderen Betroffenen helfen – viele Impulse aus Baden

Die PFC-Arbeitshilfe umfasst rund 300 Seiten. Dort „sind natürlich auch die Erfahrungen und Ergebnisse aus Mittelbaden maßgeblich mit eingeflossen“, erklärt Reinhard. „Das Vorernte-Monitoring wurde hier ja quasi erfunden, ebenso wie auch das Management-Konzept, das man vor Ort im Umgang mit den PFC entwickeln musste“.

Diese Arbeitshilfe werde Betroffenen anderer Regionen helfen können, wie man mit einer PFC-Belastung umgehen solle, so Söhlmann, aber „sie wird nur wenig zur Lösung unserer Belastungen beitragen können. Zum einen, weil immer noch noch zu viele unbekannte Faktoren existieren, die in der Arbeitshilfe auch benannt sind. Und zum anderen, weil es im Zusammenhang mit den PFC den berühmten ‚Stein der Weisen‘ einfach nicht gibt“.