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Bundesweite Aktion

23 Sirenen heulen am Warntag über Baden-Baden

In der Kurstadt heulen anlässlich des ersten bundesweiten Warntages 23 Sirenen. Der Katastrophenschutz-Experte Gerhard Herbrich erklärt, wie solch eine Alarmanlage funktioniert.

Erfahrener Experte: Der städtische Katastrophenschutz-Beauftragte Gerhard Herbrich erläutert die Funktionsweise und den Aufbau einer E57. Foto: Julian Meier

Gerhard Herbrich öffnet den Zugang zum mit Grün übersäten Flachdach des Gebäudes in der Briegelackerstraße 21. Seit 1981 arbeitet er in der Abteilung Katastrophenschutz und Verwaltung des Fachgebiets Öffentliche Ordnung der Stadt. Er hebt eine Art Helm auf, der für seinen beachtlichen Durchmesser erstaunlich leicht ist. Dabei handelt es sich nicht um eine gigantische Attrappe eines Fliegenpilzes, sondern um den Deckel einer E57 – also einer Einheitssirene 1957. Anlässlich des ersten bundesweiten Warntages gewährt der Experte für Katastrophenschutz einen Blick hinter die Kulissen.

23 Sirenen heulen am Warntag

Er legt den Deckel wieder auf das Gras. Eine sanfte Brise streift über das Flachdach. Wer hier hinaufsteigt, muss schwindelfrei sein. Im Stadtkreis Baden-Baden befinden sich derzeit 24 solcher Anlagen, eine dieser Sirenen ist jedoch defekt und wird am Warntag nicht heulen. Bei drei der 24 Anlagen handelt es sich um elektrische Sirenen, die mehr als Verstärkeranlagen verstanden werden können. Mit ihren Lautsprechern können diese auch Durchsagen übertragen. Eine dieser moderneren Sirenen befindet sich zum Beispiel beim Gartenamt in der Winterhalterstraße. Ein integrierter Akku versorgt die Anlagen bei einem Stromausfall mit genügend Energie, um noch sieben- bis achtmal zu ertönen. Die E57 hingegen überträgt keine Sprache, sondern lediglich einen Heulton, der im Ernstfall jedoch genauso viel Wirkung erzeugt. „Das Signal dient als Weckruf“, erklärt Herbrich und steigt eine silberne Leiter hinauf.

Probealarm soll Bevölkerung sensibilisieren

Er erreicht die E57 auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes. Der Warntag diene dazu, die Bevölkerung für den Ernstfall zu sensibilisieren, erklärt er. Um 11 Uhr an diesem Donnerstag ertönen eine Minute lang die Sirenen. Wie ein Klangteppich breite sich der auf- und abschwellende Heulton in der Umgebung aus, der im Ernstfall vor Gefahren wie Großbränden oder Chemie-Unfällen warnen solle, erklärt er. Um 11.20 Uhr werde dann eine Minuten lang ein gleichbleibender Dauerton durch die Straßen hallen – zur Entwarnung, erklärt der Experte.

Während seiner Zeit beim Katastrophenschutz hat Herbrich schon so einiges erlebt. An das Hochwasser im Jahr 1989 erinnert er sich noch gut. Auch damals machten Sirenen die Bürger durch ihr Signalauf die Gefahr aufmerksam. Wenn die Sirenen ertönen, sollen sich die Menschen umgehend über das Radio, den Fernseher oder im Internet über die derzeitige Lage informieren. Besonders nachts oder früh morgens sei das Sirenensignal immer noch die beste Möglichkeit, um die Bürger zu erreichen. Auch der Deponiebrand 2008 bleibt Herbrich in Erinnerung, damals hatten die Sirenen vor der gefährlichen Rauchentwicklung gewarnt.

Die Warnmittel sollen stärker ins Bewusstsein rücken.
Gerhard Herbrich, Katastrophenschutz

Herbrich steigt die Leiter wieder hinab und geht in einen Lagerraum. Dort befindet sich ein ausrangierter Sirenenmotor, der einer Wäschetrommel gleicht. Der Motor besteht aus einer beweglichen Drehscheibe. Herbrich setzt diese in Bewegung und erzeugt einen Ton. Die Drehscheiben der Einheitssirenen werden am Warntag mit jeweils 400 Volt betrieben und heulen mit 101 Dezibel. Zum Vergleich: Eine Flugzeugturbine hat einen Schallpegel von circa 90 Dezibel. Herbrich stoppt die Drehscheibe mit seinen Fingern.

Warn-Apps liefern im Notfall Informationen

Das kuppelförmige Dach über dem Sirenenmotor verbreite den Schall in einem Umkreis von bis zu 700 Metern, wo der Heulton immer noch mit 70 Dezibel deutlich hörbar sei, erklärt der Experte. „Die verfügbaren Warnmittel sollen stärker ins Bewusstsein rücken“, erklärt er und schließt die Tür zum Lagerraum. Neben den Sirenen handle es sich bei diesen Warnmitteln zum Beispiel um die App „Nina“. Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App warnt Bürger vor Gefahrenlagen – „Die Warn-App Nina wird zur Sirene in der Hosentasche“, erklärt er. Da es sich an diesem Donnerstag lediglich um einen Probealarm handle, sollen die Bürger nicht in Panik geraten und den Notruf wählen.

Die Warn-App Nina wird zur Sirene in der Hosentasche.
Gerhard Herbrich, Katastrophenschutz

Der Experte betont zudem die Wichtigkeit des Selbstschutzes. So sollten sich die Baden-Badener immer mit einem gewissen Vorrat an Lebensmitteln eindecken und eine batteriebetriebene Taschenlampe und ein Radio griffbereit haben – für den Ernstfall.

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