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Neuer Geldgeber gesucht

Der Europäische Hof in Baden-Baden soll keine Bauruine werden

Die Lage ist exponiert: Die geplante neue Luxusherberge Europäischer Hof in Baden-Baden liegt in der Nähe von Kurhaus, Trinkhalle und Altstadt. Jetzt muss nur noch ein neuer Geldgeber gefunden werden, der den begonnenen Umbau des Traditionshauses fortsetzt.

Soll keine Bauruine werden: Die Baustelle des Europäischen Hofs in Baden-Baden. Dort ist dem Investor das Geld ausgegangen. Foto: Bernd Kamleitner
Noch ruhen die Arbeiten auf Baden-Badens größter Baustelle. Dabei sollte in diesem Jahr mit dem Europäischen Hof ein weiteres Luxushotel nach einer Generalsanierung wieder an den Start gehen. Eigentlich! Doch dem Investor ist das Geld ausgegangen. Jetzt wird nach einem neuen Geldgeber für den Europ gesucht. Fragen und Antworten zu einem komplexen Thema.

Hinter den Kulissen wird mit möglichen neuen Geldgebern verhandelt. Die führt ein generalbevollmächtigter so genannter Eigenverwalter. Christopher Seagon ist ein erfahrener Fachanwalt für Insolvenzrecht.

Sollte im ersten Quartal ein Kaufvertrag zustande kommen, könnten die noch ausstehenden Arbeiten seiner Einschätzung nach in zwölf bis 18 Monaten abgeschlossen werden. Derzeit sind an die 65 Prozent erledigt. Sollte er scheitern, droht in der City das, was keiner will: eine Bauruine.

Wie sind die Aussichten auf einen neuen Geldgeber?

Die dürften angesichts der Lage des Hauses und dem boomenden Tourismus in Baden-Baden nicht schlecht stehen. Infrage kommen Hotelprojektentwickler, die einen möglichen Betreiber in der Hinterhand oder auf ihrer Liste haben.

Denkbar ist ferner das Engagement einer Hotelkette, die Häuser in der Luxusklasse betreibt. Über das Investitionsvolumen kann nur spekuliert werden. Seagon meinte jüngst, für einen Einstieg müsse ein Investor keinen dreistelligen Millionenbetrag einbringen.

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Was ist so besonders am Europ-Standort?

Die exponierte Lage in unmittelbarer Nähe zu Kurhaus mit dem Casino, Trinkhalle sowie Altstadt – und die Geschichte. Der Europ ist das Gründungshotel der Steigenberger Kette. Der bayrische Kaufmann Albert Steigenberger hatte die Immobilie 1930 bei einer Zwangsversteigerung erworben und damit den Grundstein für den Aufbau eines Hotelimperiums geschaffen.

Eingestellt wurden die Arbeiten auf der Baustelle des Europäischen Hofs. Foto: Bernd Kamleitner

Die Anfänge des Hauses gehen noch viel weiter zurück – auf das Jahr 1840. Damals entstand die Trinkhalle und auf der anderen Seite der Oos der Europ-Vorläufer, das „Hotel de L’Europa“. Mit komfortabler Ausstattung lockte es schon damals betuchte Gäste an die Oos.

Wie soll die neue Luxusherberge ausgestattet werden?

Einblick gibt ein Musterzimmer. Das Boxspring-Bett ist bezogen, eine Mini-Bar vorhanden, ebenso Lampen und Dekoration. Der Grundfarbton in den Zimmer ist Greige – das soll eine Mischung aus kühlem Grau und warmem Beige sein.

Der Designer-Entwurf lehnt sich an der Grand-Hotellerie um die Wende zum 20. Jahrhundert bis in die frühen 20er Jahre und den Charme der Stilikone Coco Chanel an. Die Inneneinrichtung wurde komplett neu entwickelt – vom Möbel bis zur dekorativen Beleuchtung.

Blick in das Musterbad, das mit einem Musterzimmer eingerichtet ist. Foto: Bernd Kamleitner

Das funktionsfähige Bad ist in Schwarz-weiß-Tönen gestaltet, die Dusche ziert ein italienisches Glas-Mosaik. Ob der Einrichtungsentwurf aber tatsächlich für das Haus so realisiert wird, steht in den Sternen. Das wird davon abhängen, welche Ausrichtung der neue Investor bevorzugen wird.

Besteht überhaupt Bedarf an einer weiteren Nobelherberge?

Das Beherbergungsangebot in Baden-Baden zielt auf kaufkräftige Gäste aus aller Welt. Laut einer Studie der Deutschen Zentrale für Tourismus wird zwischen den Jahren 2019 und 2030 in Deutschland mit einer Zunahme von 35,6 Millionen ausländischer Übernachtungsgäste gerechnet.

Eine Stahltür schützt diesen Gang vor ungebetenen Zuschauer. Er führt zum Musterzimmer im Europäischen Hof. Foto: Bernd Kamleitner

„Als eine der beliebtesten Reisedestinationen Deutschlands ist und wird auch Baden-Baden von den Effekten dieser Entwicklung betroffen sein“, heißt es im städtischen Beherbergungskonzept, das unter Projektleiter Uwe Mantik von der cima Beratung und Management GmbH erstellt wurde. Demnach wird auch im gehobenen Segment, also bei den Luxushotels, die Nachfrage steigen, so die Prognose.

Wie ist die Auslastung der Hotels?

Die großen Häuser lassen sich da nicht in die Karten blicken. Die von Statistikämtern ermittelte Auslastungsquote der Schlafgelegenheiten liegt in Baden-Baden mit 53,2 Prozent weit über dem Durchschnitt von 38,5 Prozent in Deutschland und im gehobenen Mittelfeld der Top-Städtedestinationen. Spitzenreiter ist Hamburg (61 Prozent) vor Berlin (60,1) und München (59,9).

Der Break-even-Point, also die Gewinnschwelle, wird bei einem durschnittlichen Hotel laut Beherbergungskonzept bei einer Auslastung der Betten zwischen 45 und 50 Prozent erreicht. Die Auslastung der Zimmer wird um rund zehn Prozent höher angesetzt. Wegen des hochwertigen Angebots in Baden-Baden dürften die Luxusherbergen bis 20 Prozentpunkte oder mehr darüber liegen, heißt es. Das scheint realistisch.

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