Skip to main content

„Mädchen wie die“ feiert Premiere

Nichts für schwache Nerven: Junges Theater Baden-Baden dreht Film

Das Junge Theater Baden-Baden wagt sich an ein ungewohntes Medium: Mit „Mädchen wie die“ feiert am Freitag ein Kurzfilm Premiere. So liefen die Dreharbeiten.

Nach Corona-Zwangspause wieder zurück: Miriam Fehlker, Rüdiger Lorth, Amy-Joy Exner und Isabell Dachsteiner (von hinten links) informieren über die Arbeit des Jugendclubs unter Pandemiebedingungen. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Was zunächst ein bisschen nach „Hanni und Nanni“ klingen mag – Mädchen im Internat – entpuppt sich rasch als reichlich explosiv. Statt lustiger Mitternachts-Pyjama-Partys geht es in dem diesjährigen Stück des jungen Theaters Baden-Baden handfest zur Sache. Vor allem aber wagte sich Isabell Dachsteiner an ein ungewohntes Medium heran.

Man habe sich viele Gedanken gemacht, ob man denn überhaupt wird aufführen können, erklärt die Theaterpädagogin. Anfang Mai fiel dann die Entscheidung, dass „Corona-sicher“ vorbereitet wird. Da nicht klar war, ob Proben möglich sein werden, schwenkte man kurzerhand um. Statt einer Bühne winkte den jungen Akteuren nun ein veritables Filmset.

Stellenweise ist es durchaus harter Tobak, den „Mädchen wie die“ dem Publikum aufzeigen. Rollenklischees, extreme Gruppendynamik und eine strenge Hackordnung lassen keinen Raum für Erbarmen. „Die soziale Struktur der Mädchenschule ist gnadenlos“, schildert Isabell Dachsteiner das Umfeld, das eine wahre Hexenjagd auf Scalett (Amy-Joy Exner) startet, als ein Nacktfoto von ihre in den sozialen Medien auftaucht. Eine Welle, die auch die benachbarte Jungenschule erreicht und dafür sorgt, dass das Mädchen ausgegrenzt, beschimpft, gedemütigt und schließlich sogar als vermisst gemeldet wird.

Bühnenstück als Kurzfilm-Fassung

Das Stück, das Evan Placey 2016 verfasst hat, bekam nun eine eigene Fassung, eine Kurzfilm-kompatible. Zusammen mit Miriam Fehlker schuf Isabell Dachsteiner ein Script, das auf verschiedenen filmischen Ebenen die Handlung widerspiegelt. Da ist natürlich Scarlett, die im Instagram-Stil per Videotagebuch mitnimmt in ihre Gedanken und Gefühle. Auf der anderen Seite sind ihre Mitschülerinnen, ihr Verhalten und ihre Entwicklung in dem System, in dem der Schwache keine Chance hat.

Eine besondere Note erhält das Geschehen, als eine ähnliche Geschichte sich in der Knabenschule abspielt. Hier wird der nackt Gezeigte jedoch als Held gefeiert. Scarlett besinnt sich auf ihre eigene Stärke und sucht sich einen eigenen Weg. Nach dem Vorbild der Frauen in ihrer eigenen Familiengeschichte beginnt sie sich zu emanzipieren.

Junges Theater Baden-Baden: Film wird gerade geschnitten

Eine sehr ungewöhnliches Arbeit. Die Beteiligten sind begeistert: „Im Augenblick wird geschnitten und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis“, fiebert Miriam Fehlker der Premiere am Freitagabend entgegen. Anders als bei sonstigen Aufführung des Jungen Theaters wird dieses Mal der große Saal genutzt. Ob und wann es weitere Aufführungen geben wird, werde im Nachgang erwogen. Denn nun endet erst einmal die Spielzeit. Doch einfach „abgelegt“ werden soll das Stück, das mit finanzieller Hilfe der Bürgerstiftung entstand, nicht.

Klar sei indessen, dass die Arbeit sehr viel Freude gemacht hat. Denn vielfach sei tatsächlich online geprobt worden. Und das war nicht immer leicht, erinnert Amy an die langen Online-Schultage, die für die meisten Schauspieler vor den Proben jeweils zu bewältigen waren. „Aber Isabell hat es immer wieder geschafft uns zu motivieren.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang