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Corona erschwert Praxiseinsätze

Robert-Schumann-Schule in Baden-Baden erweitert Angebot in der digitalen Lehre

Üben am Patienten war gestern: Im neuen Skills Lab der Robert-Schumann-Schule Baden-Baden können die Schüler sich erst an einer sprechenden Puppe probieren, bevor sie im Einsatz Fehler machen.

Fast wie echt: Der neue Übungspartner im Skills Lab der Robert-Schumann-Schule kann reden und atmen. Foto: Michael Schweig

Im neuen Skills Lab der Robert-Schumann-Schule üben die Pflegeschüler an einer Puppe, bevor sie beispielsweise in Altenheimen eingesetzt werden. „So können die Schüler Fehler machen, die am echten Patienten nicht gehen“, berichtet Michael Schweig im Rahmen des Schul- und Sportausschusses. Der künstliche Patient könnte sogar reden und atmen, sagt der Leiter der Abteilung Pflege. Die Kosten der Puppe vergleicht Schweig mit denen eines Kleinwagens. Die Stadträtin Reinhilde Kailbach-Siegle lobt die Neuanschaffung und erklärt: „Das Skills Lab ist für die Ausbildung in Coronazeiten sinnvoll, früher konnten die Schüler die Altenheime besuche und sich anschauen, wie es geht.“

Tatsächlich sei es für die Schüler aktuell schwerer, ihre Praxisstunden zu machen, berichtet Schweig. „Sonst bekommen unsere Schüler sogar ihre Pädiatrie-Einsätze voll, das ist selten“, sagt er. Seit Corona würden jedoch immer wieder Einsatzbereiche wegfallen.: „Die Pflegeeinrichtungen sind in der aktuellen Situation mit sich selbst beschäftigt.“ Einige der Einrichtungen, die Schüler aufnehmen, würden zudem einen negativen Corona-Test fordern. Dies sei allerdings in vielen Fällen zu teuer, meint Schweig. Er betont jedoch, grundsätzlich habe die Robert-Schumann-Schule die Coronakrise gut gemeistert: „Bei uns sind die Zahlen der Pflegeausbildung nicht eingebrochen, das zeigt den Erfolg des Ausbildungsverbunds Mittelbaden.“

Jeder dritte Pflegeschüler in Mittelbaden wird in Baden-Baden unterricht

Der Pflegestandort Baden-Baden existiert bereits seit 30 Jahren. Insgesamt 34 Prozent der Pflegeschüler in Mittelbaden werden in der Bäderstadt unterrichtet, erklärt Schweig. Ein Großteil von ihnen, 36 Prozent, hat einen Migrationshintergrund, 50 Prozent verfügen außerdem über eine ausländische Stadtbürgerschaft, stellt der Leiter der Abteilung vor. Die Einführung einer Zweisprachigen-Pflegeausbildung für Migranten scheiterte allerdings bisher, weil die Schule nicht genug Platz hat. Dass ein solches Angebot wichtig ist, betonte auch Stadträtin Ursula Opitz eingehend.

Aktuell sei ein B2-Sprachniveau Voraussetzung für die Schüler, zudem werde das Fach Deutsch unterrichtet, erklärt Schweig und ergänzt: „Der Dialekt ist eine Herausforderung.“ Trotzdem bleibe ein Großteil der Schüler nach ihrem Abschluss in der Region. Manche würden sogar ihre Geschwister werben, sagt Schweiger. Diese Tatsache könne jedoch auch kritisch gesehen werden, meint der Bereichsleiter: „Viele der Migranten kommen aus Balkangebieten, dort ziehen so natürlich Arbeitskräfte ab, aber für uns ist es ein Gewinn.“

Er berichtet zudem von der neuen generalistischen Pflegeausbildung. Diese wird außerhalb von Deutschland anerkannt und bietet in einer Grenzregion wie Baden-Baden somit neue Möglichkeiten. Die ersten Schüler, die diese Ausbildung angefangen haben, befinden sich mittlerweile im zweiten Jahr. Sie könnten nun entscheiden, ob sie sich auf ein spezielles Gebiet spezialisieren möchten. Schweig selbst würde jungen Schülern davon abraten, da die Spezialisierung nicht überall anerkannt wird. Bürgermeister Roland Kaiser betont, die Entwicklung gelte es im Blick zu behalten.

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