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Land plant offenbar Änderungen bei den Hilfsfristen

Wird ein Rettungshubschrauber doch noch dauerhaft in Mittelbaden stationiert?

Im Notfall zählt jede Sekunde: Als schneller Notarztzubringer sind Rettungshubschrauber etabliert. „Christoph 43“ ist aber nur vorläufig am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden stationiert.

Im Notfall kommt es auf jede Sekunde an: Ein Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung - hier bei einem Einsatz in Baden-Baden. Der Helikopter ist als schneller Notarztzubringer für die Versorgung von Schwerkranken von großer Bedeutung. Foto: Bernd Kamleitner

Das letzte Wort über die zunächst abgelehnte dauerhafte Stationierung eines Rettungshubschraubers am Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) in Rheinmünster-Söllingen ist offenbar doch noch nicht gesprochen.

Das Innenministerium Baden-Württemberg prüft das im vergangenen Jahr vorgestellte Gutachten zur Luftrettung auf weitere Optimierungen. Das erklärte Staatssekretär Wilfried Klenk (CDU) bei einer Videokonferenz der „Blaulicht-Organisationen in Mittelbaden“.

Die Expertise des renommierten Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) an der Universität München hatte empfohlen, tagsüber zu den derzeit acht Rettungshubschraubern zwei weitere zu stationieren. Der Standort am mittelbadischen Regionalflughafen wurde dabei jedoch nicht berücksichtigt. Genannt als zusätzliche Luftrettungsstationen wurden in der Expertise dagegen Osterburken (Neckar-Odenwald-Kreis) und Lahr (Ortenaukreis).

Hintergrund für die neuen Überlegungen sind demnach Veränderungen in der Kliniklandschaft, die immer wichtiger werdende Frage sogenannter Sekundäreinsätze der Hubschrauber zum Beispiel für Verlegungen von Intensivpatienten und neu aufgeworfene Fragen durch eine anstehende Änderung der Hilfsfristen.

So heißt es in einer Mitteilung der beiden CDU-Landtagsabgeordneten Alexander Becker (Wahlkreis Rastatt) und Tobias Wald (Baden-Baden/Bühl). Beide plädieren für eine zusätzliche Stationierung eines Rettungshubschraubers am FKB.

Können Zeitvorgaben bei Schwerkranken eingehalten werden?

Auch Tracer-Diagnosen seien ein Thema, das dazu beitrage, dass die zusätzlichen Standorte für Rettungshubschrauber doch noch offen seien, heißt es. Diese Diagnosen beziehen sich auf Patienten mit besonders schwerwiegenden Erkrankungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens in einer Spezialklinik versorgt werden müssen.

Das wirft insbesondere im ländlichen Raum die Frage auf, wie Zeitvorgaben eingehalten werden können. Bei der Prüfung der möglichen Optimierungen des Luftrettungsgutachtens sind laut Klenk zudem luftrechtliche Fragen zu berücksichtigen. Das erfolge derzeit über die Regierungspräsidien.

Hilfsfrist soll künftig bei zwölf Minuten liegen

Aufmerksam verfolgen die „Blaulicht-Organisationen“ geplante Änderungen der Hilfsfristen. Bisher galt in Baden-Württemberg die doppelte Hilfsfrist von zehn beziehungsweise 15 Minuten. Dies bedeutet, dass Notarzt und Rettungswagen in 95 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten ab Eingang des Notrufs am Einsatzort sein müssen, erläuterte Staatssekretär Klenk.

In Zukunft soll die sogenannte notärztliche Hilfsfrist abgeschafft werden und nur eine Hilfsfrist von zwölf Minuten gelten. Die Änderung im Rettungsdienstplan werde überarbeitet. Dabei soll auch ein weiteres Qualitätssicherheitskriterium in den Blick genommen werden: die Prähospitalzeit - die Zeit zwischen Schmerzbeginn und Klinikankunft des Patienten.

„Christoph 43“ ist seit Januar 2016 im Ausweichquartier

Der Rettungshubschrauber „Christoph 43“ der DRF Luftrettung ist seit Januar 2016 am FKB stationiert - allerdings nur vorläufig. Er ist eigentlich der Luftrettungsstation an den St. Vincentius-Kliniken in Karlsruhe zugeordnet. Da für das Krankenhaus in der Steinhäuserstraße auf dem Gelände in der Fächerstadt ein Neubau entsteht, wurde der Notfall-Heli an den Regionalflughafen verlegt.

Der Klinikneubau soll in diesem Jahr bezogen werden. Dann muss auch das Team des Rettungshubschraubers wieder nach Karlsruhe wechseln. Im Neubau wird eine Crew der DRF Luftrettung dafür erstmals in Baden-Württemberg eine Dachstation beziehen.

Im Jahr 2020 wurden 1.177 Einsätze geflogen

Der Rettungshubschrauber war im vergangenen Jahr 1.177 Mal (2019: 1.233) im Einsatz. Das macht im Schnitt drei Einsätze pro Tag aus. „Christoph 43“ galt zuletzt als einer der DRF-Helikopter mit den meisten Einsätzen. Nach der Alarmierung durch eine Leitstelle, so die Vorgabe, soll der Hubschrauber innerhalb von maximal zwei Minuten in der Luft sein.

Gerufen wird der Hubschrauber bei schweren Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, aber auch bei Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten oder Freizeitunfällen in einem Radius von rund 60 Kilometern. Einsatzzeit ist er ab sieben Uhr morgens bis Sonnenuntergang. Im vergangenen Jahr feierte die Luftrettungsstation ihren 45. Geburtstag auf dem Ausweichquartier in Mittelbaden. Sie nahm am 17. September 1975 den Betrieb in Karlsruhe auf. Damit ist sie die drittälteste Station der DRF Luftrettung.

Schneller Notarztzubringer

Der schnelle Notarztzubringer, so Angaben der DRF Luftrettung, wird in erster Linie von den Leitstellen Karlsruhe, Ortenau, Landau und Mittelbaden (für den Landkreis Rastatt und den Stadtkreis Baden-Baden zuständig) gerufen. Weiterhin werde „Christoph 43“ regelmäßig von den Leitstellen Freudenstadt, Calw, Pforzheim, Heilbronn und Rhein-Neckar eingesetzt, heißt es.

Heiliger Christophorus ist Namensgeber für die Helikopter

Die Rettungshubschrauber tragen übrigens alle den Namen „Christoph“. Sie sind benannt nach dem heiligen Christophorus, dem Nothelfer und Schutzpatron Reisenden und Fahrzeugführer.

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