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180 Fälle

63-jähriger Bühler soll 14 Jahre lang Kinder sexuell missbraucht haben

Eine weitere Serie von sexuellem Missbrauch an Kindern ist jetzt in Bühl bekannt geworden. Ein 63 Jahre alter Mann sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft spricht von 180 Fällen.

Eine weitere Serie von sexuellem Missbrauch an Kindern ist jetzt in Bühl bekannt geworden. Ein 63 Jahre alter Mann sitzt in Untersuchungshaft. Foto: Rake Hora

Über einen Zeitraum von 14 Jahren soll ein Mann aus Bühl Kinder sexuell missbraucht haben. Die Rede ist von insgesamt 180 Fällen. Der 63-Jährige sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Wie die Staatsanwaltschaft Baden-Baden mitteilt, ist der Mann wegen des dringenden Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 165 Fällen, des versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern in einem Fall und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 14 Fällen verhaftet worden. Der Mann habe die Taten bislang nicht gestanden.

Tatort fast immer das eigene Anwesen

Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, „sich in seinem Anwesen in Bühl, teilweise aber auch anderenorts, seit dem Jahr 2005 bis August 2019 in 180 Fällen an einem Mädchen aus der Nachbarschaft beziehungsweise an fünf Freundinnen seiner Enkelinnen sexuell vergangen zu haben“. Neben dem eigenen Anwesen sei auch ein Zoo ein Tatort gewesen.

Die Mädchen waren zum Zeitpunkt der Taten zwischen fünf und elf Jahre alt. „Teilweise kam es bei den Taten zum Eindringen in den Körper der Geschädigten, was als schwerer sexueller Missbrauch von Kindern bewertet wird“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Im Januar 2020 bekannt geworden

Die Taten seien erst im Januar 2020 bekannt geworden. Wie der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, Erster Staatsanwalt Michael Klose, auf Anfrage sagte, hätte sich eines der Opfer bei der Polizei gemeldet. Nach den bisherigen Ermittlungen seien keine Familienmitglieder unter den Opfern.

Die Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Baden-Baden folgte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass bei dem Beschuldigten Wiederholungsgefahr bestehe, „also die Gefahr, dass er vor rechtskräftiger Aburteilung weitere erhebliche Straftaten gleicher Art begehen werde, sodass zur Abwendung dieser drohenden Gefahr die Anordnung der Untersuchungshaft geboten war.“

Taten werden häufiger angezeigt

Michael Klose bestätigt den Eindruck, dass sexueller Missbrauch an Kindern häufiger angezeigt werde als früher: „Ja, das Gefühl kann man so haben.“ Er führt das auf Diskussionen zurück, die in der Öffentlichkeit über solche Fälle geführt würden. Je mehr darüber publiziert werde, umso mehr nehme der Mut der Opfer zu, sich zu offenbaren: „Sie merken, dass sie nicht allein sind.“

Oft habe auch die Annahme, ein Stück weit selbst schuld zu sein, von einer Anzeige zurück, die Täter hätten einen solchen Eindruck oft noch forciert. Gerade, wenn sich ein solches Verbrechen in der Familie zugetragen habe, hätten Erziehungsberechtigte oft versucht, den Mantel des Schweigens darüber auszubreiten.

Die großen Prozesse der jüngeren Vergangenheit, etwa zu Staufen oder dem Fall des Baden-Badener Schwimmlehrers, hätten das Problembewusstsein der Erziehungsberechtigten geschärft. Die Präventionsarbeit der Polizei, etwa an Schulen und in Vereinen, habe ebenso dazu beigetragen, dass nicht mehr weggeschaut werde.

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