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Niedrigwasser in der Bühlot

Niedrigwasser in der Bühlot: Einige Gewässerläufe in Bühl bereits ausgetrocknet

Die üppige Flora an der Bühlot-Mauer in der Innenstadt von Bühl macht dem Hochwasserzweckverband keinen Stress, eher schon die niedrigen Wasserstände der Gewässerläufe im Verbandsgebiet. Teilweise sind sie schon ausgetrocknet. Auch die Hochwasserzentrale Baden-Württemberg schlägt Alarm.

Es grünt so grün: In der Bühlot sind im Innenstadtbereich Mauer und Bachbett bewachsen. Allerdings bereitet die Flora dem Hochwasserzweckverband keine Sorgen. Foto: Jörg Seiler

Das Sonnengässle darf zweifelsohne als Bühls gute Stube gelten, der pittoreske Fußweg entlang der Bühlot lockt Einheimische wie Touristen zum Verweilen. Und beim Blick über die steinerne Bachmauer erfreut sich der Flaneur an Enten, Fischen und am Grün. Letzteres gedeiht vielfältig und prächtig, soll sich aber definitiv nicht zum Biotop oder gar zur neuen grünen Lunge Bühls entwickeln.

Im Zuge der jährlichen Unterhaltungsmaßnahmen verschwinde auch das Grün wieder, erklärt Viviane Walzok, ein Teil wächst einfach wild, anderes Gekräutel wie Efeu sucht sich von Privatgrundstücken den Weg in den Bach. Werde es zu wild, gebe es den entsprechenden Hinweis vom Verband, die Pflanzen zu stutzen.

Das alles hat seinen Grund: Denn trotz des 2013 fertig gestellten Flutkanals, der am Hessensteg abzweigt, müsse die Bühlot unterhalb dieses Bauwerks weiter in der Lage sein, bis zu 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu verkraften, so die Geschäftsführerin des Zweckverbands Hochwasserschutz Baden-Baden/Bühl. Ab Oktober wird der Bewuchs, soweit nötig, entfernt. Ansonsten ist alles in Ordnung. An der Bachmauer wurde vor längerer Zeit gewerkelt, an maroden Punkten wurde landseitig mit Trasszement dafür gesorgt, dass das Bauwerk und Gässleuntergrund wieder fest verbunden sind. Kraftschluss nennen das die Experten.

660.000 Euro Budget für 95 Kilometer Fließgewässer

Damit die Bühlot ungestört fließen kann, investiert der Zweckverband einen ganzen Batzen Geld. Die Kosten für Unterhaltungsmaßnahmen - dazu gehören Mähen, Gehölzpflege, Sanierung von Bachmauern und das Abräumen von Anlandungen beliefen sich laut Viviane Walzok im vorigen Jahr auf 25.000 Euro. Die auf dem Hoheitsgebiet des Zweckverbands verlaufende Bühlot-Strecke reicht von der Gemarkungsgrenze von Bühlertal und Altschweier bis zur Rheintalbahn.

Im Jahr 2018 musste der Verband 57.600 Euro aufwenden, um alles in Ordnung zu halten. Da habe es einigen Windbruch gegeben, der entfernt werden musste, erläutert Walzok. Insgesamt zeichnet der Zweckverband für 95 Kilometer Fließgewässer verantwortlich, das jährliche Budget beläuft sich auf 660.000 Euro.

Malerisch: Die alte, steinerne Treppe vom Sonnengässle hinunter zur Bühlot. Auch sie ist bewachsen. Foto: Jörg Seiler

Das munter sprießende Grün im und am Bach, respektive das an den Mauern im Sonnengässle bereitet dem Zweckverband indes weniger Kopfzerbrechen. Was Viviane Walzok umtreibt, sind die durch die Trockenheit bedingten niedrigen Pegelstände. In diesem Jahr fielen bislang nur 57 Prozent der sonst üblichen Niederschläge verweist Walzok auf die Statistiken der Hochwasservorhersagezentrale.

Derzeit dümpelt die Bühlot laut Pegel Altschweier am 10. September bei 24 Zentimetern. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 1998 waren es zwei Meter, der durchschnittliche Pegel in normalen Jahren lag bislang bei 51 Zentimetern.

Insbesondere für die Monate April, Mai und Juli dieses Jahres sind im statistischen Vergleich starke Niederschlagsdefizite zu verzeichnen.
Hochwasserzentrale Baden-Württemberg

Noch schlimmer trifft es andere Fließgewässer im Einzugsbereich des Zweckverbands. Der Steinbach führt an einigen Stellen gar kein Wasser mehr, der Rungsbach (Nähe Bühler Krankenhaus) oder der Hasenklammgraben, der nördlich von Müllenbach Richtung Westen geht, sind laut Walzok trocken gefallen. „Insbesondere für die Monate April, Mai und Juli dieses Jahres sind im statistischen Vergleich starke Niederschlagsdefizite zu verzeichnen“, vermeldet die Hochwasserzentrale Baden-Württemberg.

Trocken: Der Hasenklammgraben zwischen Müllenbach und Steinbach führt wegen fehlender Niederschläge kein Wasser mehr. Foto: Jörg Seiler

In vielen Gewässern des Landes habe sich eine stark ausgeprägte Niedrigwassersituation entwickelt.

Der Zweckverband reagiert bei Baumaßnahmen auf diese Folge des Klimawandels. Wo möglich, werden in der Mitte der Bachsohle sogenannte Niedrigwasserrinnen gebaut, die den Fischen in Trockenperioden einen Rückzugsraum bieten, erläutert Viviane Walzok. Eine weitere Möglichkeit ist, wie an der rauen Rampe in Altschweier, Vertiefungen (Kolke) einzurichten, in denen sich Wasser sammelt.

Altschweier ist dann auch das Stichwort für eines der derzeitigen, großen Bauprojekte des Verbands an der Bühlot im Bereich des Dorfplatzes. Ein weiteres, großes Vorhaben ist die Sanierung des Rückhaltebeckens Nummer drei in Neuweier, die ab dem 21. September beginnen soll.

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