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Lebkuchen und Familienzeit

So erleben Muslime das Weihnachtsfest

Weihnachten ist in erster Linie ein christliches Fest. Aber auch für die Muslime in Deutschland hat Weihnachten eine besondere Bedeutung. Zwei Muslime erzählen von ihrer Liebe zu Lebkuchen, der Freude über die Zeit mit der Familie und ziehen den Vergleich zum muslimischen Zuckerfest.

Omar Mubarik und Imam Atfab Aslam (von links) schätzen nicht nur Stollenkuchen und Lebkuchen während der Weihnachtszeit in Deutschland. Foto: Krause-Dimmock
Weihnachten ist in erster Linie ein christliches Fest. Aber auch für die Muslime in Deutschland hat Weihnachten eine besondere Bedeutung. Der Theologe und Imam Atfab Aslam und Omar Mubarik, Vorsitzender des Gebetszentrums Gaggenau, erzählen von ihrer Liebe zu Lebkuchen, der Freude über die Zeit mit der Familie und ziehen den Vergleich zum muslimischen Zuckerfest. Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock

Weihnachtslieder, Lebkuchen, Christkindelsmärkte und bunt gezierte Tannenbäume. „Klar sieht das gut aus,“ findet Atfab Aslam, Imam und Theologe und hat – genau wie der Vorsitzende des Gebetszentrums Gaggenau, Omar Mubarik, keine Scheu auf Weihnachtsmärkte zu gehen. „Ich liebe Stollenkuchen“, gibt der Imam unumwunden zu, während Omar Mubarik von Lebkuchen schwärmt. Und das als gläubiger Moslem? „Aber sicher. Das widerspricht doch meiner Religion nicht“, dreht er den Spieß ganz einfach um.

Sie sollten mal zur Zuckerzeit in Pakistan sein. Da geht es kunterbunt zu
Atfab Aslam, Imam und Theologe

Was genau an Weihnachten passiert und warum im Islam die Geburt Jesu nicht wie bei den Christen gefeiert wird, darüber ließe sich trefflich referieren und sicher diskutieren, weiß der Theologe. Doch er kürzt das Ganze ab. Geburtstage, auch die eigenen, spielen in seiner Welt nicht die gleiche Rolle wie hierzulande. Man pflegt andere Feiertage wie etwa das Zucker- und das Opferfest. Und dennoch ist die Deko, welche etwa in Deutschland in der Weihnachtszeit zu sehen ist, anderen Kulturen nicht fremd. „Sie sollten mal zur Zuckerzeit in Pakistan sein. Das geht es kunterbunt zu“, erzählt er von blinkenden Lichtern und weitaus üppigerer Dekoration.

Doch wie ist es denn etwa als Knabe, wenn alle anderen feiern und Geschenke bekommen? Beide Männer haben das schließlich in ihrer eigenen Kindheit erlebt. „Das ist gar keine große Sache“, sind sich die beiden in Deutschland geborenen Moslems einig. „Die Schulferien beginnen ja vor den Feiertagen.“ Wenn alle im neuen Jahr zurückkamen, waren die Geschenke meist gar kein Thema mehr.

Wehnachten ist die Zeit der Ruhe

Und trotzdem hat Weihnachten, haben die Feiertage für die Muslime, die in Deutschland leben, eine besondere Bedeutung. Denn in dieser Zeit ruht fast alles. Sprich die Kinder haben Ferien, manche Betriebe schließen. Deshalb werden diese Tage häufig genutzt, um zu verreisen oder um die Familie zu treffen. „Auch ich fahre zu meinen Eltern nach Hessen“, freut sich der Imam auf ein paar Tage mit Freunden und der Familie. Seit er in Pforzheim lebt und sich um seine Gemeinden kümmert, hat er selten genug Gelegenheit dazu. An Weihnachten ist das etwas anderes.

„Wir sitzen zusammen, essen was Besonderes und genießen die Zeit miteinander.“ Würde Weihnachten auf einen Freitag fallen, ginge das nicht. „Dann müsste ich arbeiten.“

Auch Omar Mubarik hat frei über die Feiertage. Die wird er ebenfalls mit der Familie verbringen. „Meine Brüder kommen auch“, freut er sich. „Ich habe aber auch Freunde, deren Betrieb nicht schließt und die Schicht arbeiten. Da wird natürlich getauscht, damit die deutschen Kollegen Weihnachten bei ihrer Familie sein können.“

Im Gegenzug stoßen die muslimischen Mitarbeiter auf offene Ohren, wenn etwa das Zuckerfest ansteht. Weihnachten, das ist in vielen Gemeinden auch die Zeit der Fortbildungsangebote, weil da die meisten Zeit haben. Nicht nur Angebote für Männer und für Frauen gibt es, sondern auch für Kinder und für Jugendliche. Am 23. Dezember geht es etwa für die frischgebackenen 15-Jährigen, wenn sie es denn wollen, nach Darmstadt. „In Riedstadt ist die Theologische Fakultät unserer Gemeinde.“ Weil die Studenten jetzt frei haben, kann die Gruppe der 15-Jährigen, die in die nächste Altersstufe übertritt, dort für ein paar Tage zusammenkommen. „Wir haben rund 50.000 Mitglieder in ganz Deutschland. Sprich zu diesem Schulungsangebot werden zwischen 150 bis 200 15-Jährige aus dem ganzen Land erwartet.“ Denn ab dann gelten sie als junge Erwachsene und bekommen das Wissensrüstzeug mit auf den Weg.

Schönes Wochenende - Schöne Feiertage

Weihnachten kollidiert mit den Ideen und der Religion der Muslime nicht. Mitgefeiert habe er ein solches Fest allerdings noch nie, räumt der Imam ein. Die Gelegenheit habe sich nie geboten. Doch eine Einladung zum Essen, die würde er nicht ablehnen. „Ich habe nie eine bekommen. Vielleicht würde ich anbieten, für meine Freunde zu kochen“, sagt er. Und selbstverständlich würde er seinen Kollegen auch frohe Feiertage wünschen - so erwartet Omar Mubarik das umgekehrt auch. Denn diese Feiertage fänden ohne religiöse Wertung ebenso in seiner Familie statt. „Wir wünschen uns ja auch gegenseitig ein schönes Wochenende.“

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