Skip to main content

Bis zu 500 Kunden täglich

Neuer Trend hinterlässt Spuren: Bubble Tea sorgt für viel Plastikmüll in Achern

In Achern versorgt die junge Unternehmerin Dara Nguyen bis zu 500 Kunden täglich mit Bubble Tea. Der neue Trend hinterlässt deutliche Spuren: Die durchsichtigen Becher mit Foliendeckel prägen das Stadtbild.

Seit Mitte Mai betreibt Dara Nguyen, hier mit ihrem Lebensgefährten Patrick Werstler, in der Acherner Kirchstraße einen Bubble Tea-Laden. Schon vor gut zehn Jahren hatte ihre Tante hier bereits ein solches Geschäft. Foto: Michael Brück

Gut 50 Meter lang zieht sich die Schlange der Wartenden am Nachmittag entlang der Straße am Stadtgarten. Anstehen für ein Trendgetränk: Der Bubble Tea ist wieder da.

Nachdem das süße Kaltgetränk bereits vor zehn Jahren aus Taiwan nach Europa geschwappt war und kurzfristig für einen gewaltigen Hype in Deutschlands Innenstädten geführt hatte, ist es in Achern wieder buchstäblich in aller Munde.

Hier hat Dara Nguyen als Erste auf die neue Modeerscheinung reagiert und gleich neben ihrem asiatischen Restaurant Asia Wok einen neuen Laden eingerichtet. „In diesem Geschäft hatte meine Tante bereits bei der ersten Bubble-Tea-Welle Tee verkauft. Und sie hatte bei mir auch die Idee angestoßen, nun einen neuen Anlauf zu nehmen“, sagt sie auf Anfrage der BNN.

Bis vor einigen Wochen hatte hier noch ein Nagelstudio seine Kunden empfangen. Jetzt steht in der ehemaligen Metzgerei an der Ecke Kirch- und Stadtgartenstraße eine stylische Theke im Raum, hinter der gleich mehrere Mitarbeiterinnen Tee in großen Plastikbechern servieren.

Schlechter Ruf setzte Bubble-Tea-Trend vor zehn Jahren ein Ende

Ein bisschen erinnert der Laden an ein Eiscafé. Doch mit Eis haben die eiskalten Erfrischungen von Dara Nguyen nichts zu tun. „Wir brühen frischen Tee auf und versüßen den mit unseren Fruchtperlen“, erklärt die 22-jährige Inhaberin. Genau diese Perlen, gefüllt mit süßem Sirup, waren es, die dem Bubble Tea vor zehn Jahren einen schlechten Ruf einbrachten und dem Trend schnell ein jähes Ende setzten.

Diese neue Generation der Jelly-Bubbles ist auch EU-zertifiziert.
Dara Nguyen, Inhaberin

„Damals standen die Perlen unter dem Verdacht, krebserregend zu sein“, so Nguyen. Heute, so versichert sie, sei das aber nicht mehr so. „Diese neue Generation der Jelly-Bubbles ist auch EU-zertifiziert.“ Hergestellt werden sie aus einer gelatineartigen Masse. „Und die Grundlage für die schwarzen Tapioka-Perlen ist Maniok“, weiß Dara Nguyen.

Ernährungsexperten sehen Hype um Bubble Tea kritisch

Dennoch wird die Entwicklung des Trends vor allem von Ernährungsexperten mit Argwohn betrachtet. So warnen etwa der Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) und der Verbraucher Service Bayern (VIS) nicht nur vor einem hohen Anteil von Kalorien und Zucker, der schnell den Tagesbedarf von Kindern und Jugendlichen übersteigen könnte. Auch seien koffeinhaltige Zusätze keine Seltenheit.

Bei kleinen Kindern bestehe laut des Bundesverbandes für Kinder- und Jugendärzte zudem die Gefahr, dass diese sich an den Perlen verschlucken könnten. Deshalb solle der Konsum für Kinder unter vier Jahren tabu sein. Zudem fordern die Mediziner mittlerweile bereits entsprechende Warnhinweise auf den Getränkebechern. Gefahren, die Dara Nguyen nicht von der Hand weist, in Teilen zumindest aber relativiert. „Unser Tee ist nicht gesüßt, nur die Fruchtperlen geben ihren süßen Geschmack ab“, erklärt sie.

Verkauf von Bubble Tea sorgt für viel Plastikmüll in Achern

Zwischen 400 und 500 Kunden bedienen die junge Geschäftsfrau und ihr kleines Team, zu dem auch ihr Lebensgefährte Patrick Werstler gehört, derzeit täglich. Rein geschäftlich ein riesiger Erfolg. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings weithin sichtbar und macht auch Nguyen nachdenklich.

Die Leute sprechen uns auf das Müllproblem an.
Dara Nguyen, Inhaberin

Denn die durchsichtigen Becher mit dem Foliendeckel prägen bereits das Stadtbild. In und um so manchen Mülleimer, vor allem rund um Stadtgarten und Adlerplatz, türmt sich das Plastik – zum Ärger einiger Bürger, wie Dara Nguyen schildert. „Die Leute sprechen uns auf das Müllproblem an“, sagt sie. Und auch eine Mitarbeiterin von der Stadtverwaltung sei schon dagewesen und habe sie gebeten, zusätzliche Müllbehälter vor dem Laden aufzustellen.

Helga Sauer von der Pressestelle der Stadt: „Das ist eine übliche Auflage, die zum Beispiel jedes Eiscafé in Achern erfüllen muss.“ Beschwert habe sich bei der Verwaltung bislang noch niemand. Doch man beobachte die Situation natürlich. „Sollte der Abfall überhand nehmen, werden wir das Gespräch mit der Inhaberin suchen“, sagt Sauer.

Weiterer Laden für Bubble Tea in Achern folgt in Kürze

Eigentlich, so sagt Dara Nguyen, seien Nachhaltigkeit und Umweltschutz schon Themen, für die sie sich einsetze. „Aber ein Mehrweg-System ist für unser Angebot derzeit noch nicht umsetzbar. Deshalb suche ich gerade nach umweltfreundlichen Lösungen“, sagt sie. Letztlich könne sie nur an ihre Kunden appellieren, die leeren Becher nicht arglos wegzuwerfen, sondern über den Müll richtig zu entsorgen.

„Ich weiß, dass es meine Becher sind. Aber hinterherlaufen kann ich den Leuten ja auch nicht.“ Den zusätzlichen Mülleimer werde sie natürlich aufstellen. „Das Problem ist nur, dass unsere meist jungen Kunden ihren Bubble Tea nicht vor unserem Laden trinken, sondern unterwegs.“

Lange wird ihr Laden nicht mehr die einzige Adresse in Achern sein, an der Bubble Tea angeboten wird. Eine Berliner Bubble Tea-Kette hat die Hornisgrindestadt als vielversprechenden Standort ausgemacht und möchte schon in den kommenden Tagen in einer ehemaligen Eisdiele am Adlerplatz mit dem Verkauf starten.

nach oben Zurück zum Seitenanfang