Skip to main content

Drei Trauerbegleiter

Im Trauercafé in Achern können Hinterbliebene ihren Kummer teilen

Das neue Trauercafé des ökumenischen Hospizdienstes Achern-Achertal bietet Angehörigen und Freunden von Verstorbenen die Möglichkeit, zu reden. Ein Besuch vor Ort.

Erfahrenes Team: Die Trauerbegleiterinnen heißen die Gäste im Trauercafé im evangelischen Gemeindehaus in Achern willkommen: Christine Heim, Isabelle Opfermann, Christiane Bohnert und Judith Wiegert (von links). Foto: Michaela Gabriel

Um zwei Tische im Gemeindehaus sitzen elf Frauen und Männer. Vor jedem steht eine Kaffeetasse, vor einigen ein Teller voller Krümel. Was nach Kaffeekränzchen aussieht, ist ein Trauercafé. Doch auch wenn dort über Verstorbene, ihr Sterben und die Zeit ohne sie gesprochen wird, erklingt immer mal wieder ein befreites Lachen.

„Ich finde es ungerecht, dass mein Mann nicht mehr da ist. Wir wollten so gerne noch ein paar Jahre zusammen haben”, sagt eine Frau. Ihr Mann habe vorgesorgt, sich sein Grab selbst ausgesucht. Die Dame, die ihr gegenüber sitzt, ist jünger. „Ich konnte meinen Mann nicht fragen, wie er beerdigt werden wollte”, sagt sie. Auch der Mann einer dritten Witwe am Tisch habe während seiner Krankheit nie über seine Beerdigung sprechen wollen.

Mit einem Seufzer spricht es eine von ihnen aus: „Mein Gott, es muss ja weitergehen.” Doch das sei alles andere als leicht. Nachdem sie wochenlang jeden Tag zu ihrem Mann in eine Klinik nach Freiburg gefahren sei, hocke sie jetzt meistens allein daheim. Ein Witwer am Tisch bedauert, dass er nicht gut kochen könne, denn das habe immer seine Frau gemacht. Sie und die gemeinsamen Mahlzeiten fehlen ihm.

Das neue Trauercafé des ökumenischen Hospizdienstes Achern-Achertal sei eine der seltenen Gelegenheiten, mit Menschen zu reden, die ebenfalls trauern. Darin sind sich die Gäste einig. Mit den eigenen Kindern falle das schwer. „Meine Kinder leiden auch, aber sie können es nicht ausdrücken und machen es mit sich selber aus”, sagt eine Teilnehmerin. „Die Kommunikation über den Tod ist mit meinen Söhnen schwierig. Irgendwie fehlt ihnen die Empathie”, sagt eine andere.

Teilnahme am Trauercafé geht auch spontan

Im Trauercafé können solche Sätze ausgesprochen werden, ohne dass ein Außenstehender davon erfährt. „Es tut mir sehr gut hier. Mir sind auch die Tränen gekommen. Daheim kann ich nicht weinen und meinen Bekannten will ich die Gefühle nicht zumuten”, betont eine Dame in der Schlussrunde. Ein Herr bedankt sich bei den ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen, die mit am Tisch saßen: „Es geht mir besser.” Das Beste sei, sagt eine Frau: „Wir konnten auch mal lachen zusammen und haben nicht nur Trauriges beredet.”

Acht bis zwölf Trauernde aus der Region von Renchen bis Bühlertal kamen zu den ersten Terminen des neuen Trauercafés im evangelischen Gemeindehaus. Mindestens drei Trauerbegleiter heißen sie willkommen. Die Teilnahme ist spontan möglich.

Andere Trauernde wirken bestärkend

„Hier erfahren die Menschen, dass es normal ist, jemanden auch noch nach Jahren schrecklich zu vermissen”, erklärt die erfahrene Trauerbegleiterin Isabelle Opfermann. Das sei für viele befreiend, die von ihrer Umwelt vermittelt bekämen, dass nach einem Jahr alles wieder normal laufen müsste. Wenn sie anderen Trauernden begegnen, werde ihnen klar, dass ihre Gefühle in Ordnung sind.

Christine Heim aus Önsbach absolviert gerade eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin, die vom Hospizdienst Achern-Achertal finanziert wird. Nach zwei intensiven Wochenenden habe sich ihre Einstellung zum Tod bereits verändert. Sie habe auch gespürt, dass sie die Trauer um ihre eigene Mutter nicht gelebt, sondern eher verdrängt habe. Jetzt lerne sie, wie man einen Verlust tatsächlich verarbeiten könne.

Das offene Trauercafé in Achern findet an jedem vierten Samstag im Monat um 14.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in der Martinstraße 9 statt. Über weitere Angebote für Trauernde wie das Trauerwandern informiert Judith Wiegert vom Hospizdienst Achern-Achertal am Telefon.

Kontakt

(0 78 41) 2 13 91

www.hospizdienst-achern.de

nach oben Zurück zum Seitenanfang