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Großer organisatorischer Aufwand

Verärgerte Schulleiter in Achern: Verkehrsunternehmen SWEG fordert flexibleren Unterricht für weniger volle Busse

Damit Schulbusse zu Stoßzeiten weniger voll sind, wünscht sich das Verkehrsunternehmen SWEG, dass Schulen ihre Unterrichtszeiten gestaffelt gestalten. Die Schulleiter in Achern und der Region sehen dafür keine Möglichkeit und reagieren zum Teil verärgert.

Zuweilen eine enge Angelegenheit: Im Schülerverkehr wird es häufig voll - hier beispielsweise der Blick auf die Haltestelle am Acherner Bahnhof. Foto: Roland Spether

Nicht gerade begeistert sind die Schulleiter in Achern und der Region über eine Forderung der SWEG: Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG wünscht sich in einer Pressemitteilung von Schulen, dass diese Unterrichtsbeginn und –ende gestaffelt gestalten, um so die Zahl der Fahrgäste zu Stoßzeiten zu entzerren.

Der Verkehrsbetrieb arbeite „intensiv daran, zusätzliche Busse zur Verfügung zu stellen und verstärkt bereits mehrere Linien zu den Schülerverkehrsspitzen“ – das gelinge jedoch nicht immer. „Busse und Fahrer stehen leider nicht unbegrenzt zur Verfügung“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Eine Änderung der Unterrichtszeiten stehe hier in keinem Verhältnis zum Aufwand, so der Tenor bei Thomas Müller-Teufel, Leiter des Rheinauer Anne-Frank-Gymnasiums, der die Situation in und vor den Bussen mit der in einer Sardinendose vergleicht.

Vor der Schule achte das Lehrpersonal auf Abstand zwischen den Personen, damit sei es aber beim Einsteigen in die Busse schon wieder vorbei, Abstände würden dort weder eingehalten noch kontrolliert. „Die Unverantwortlichkeit des Fuhrunternehmens bei der Personenbeförderung macht unser gesamtes Hygienekonzept letztlich hinfällig.“

Schulleiter sieht Unternehmen in der Pflicht zur Umorganisation

Das ist aus Müller-Teufels Sicht nicht alles: Die Schule passe mittlerweile alle zwei Jahre die Unterrichtszeiten an die Busfahrpläne an, dabei hielten Busunternehmen vor Änderungen ihrer Fahrzeiten mit den Schulen keinerlei Rücksprache.

„Tausende Schülerinnen und Schüler, Elternhäuser, Familien von Lehrern und Lehrerinnen - ja, auch diese sind Arbeitnehmer und haben Kinder in Kitas - sowie die mit der Umorganisation betraute Schulleitungen sollen sich gegebenenfalls anpassen, weil dies dem Beförderungsunternehmen SWEG nicht gelingt oder dort Kosten verursacht“, so der Schulleiter.

Sollte sich das Unternehmen nicht selbst umorganisieren?
Thomas Müller-Teufel, Anne-Frank-Gymnasium Rheinau

Kürzlich sei die Schule zudem gefragt worden, wie besetzt die entsprechenden Busse eigentlich sind. „Sollte sich das Unternehmen nicht selbst umorganisieren, statt dies regelmäßig von der Kundschaft zu verlangen?“

„Schuster, bleib’ bei deinen Leisten“, kommentiert Siegfried Peter, stellvertretender Leiter der Robert-Schuman-Realschule Achern. Dort gibt es bereits versetzte Pausen für die Jahrgangsstufen, was allein schon organisatorisch schwierig sei.

Die Klassen abwechselnd in die Schule kommen zu lassen, funktioniere nicht, weil diese sich ja nicht nur aus Schülern zusammensetzten, die alle dieselben Buslinien nutzen – dafür müsste man die Klassen mischen.

„Anfang des Schuljahres haben wir ein paar Tage lang versucht, die Fünft- und Sechstklässler erst zur dritten Stunde kommen zu lassen. Daraufhin gab es einen regelrechten Sturmlauf von den Eltern: Die Schüler müssten so ja länger zu Hause beaufsichtigt werden“, berichtet Peter. Mit viel Mühe habe man die Stundenpläne wieder geändert.

Änderung der Unterrichtszeiten „extrem schwer umsetzbar“

„Gestaffelte Unterrichtszeiten sind schulorganisatorisch extrem schwer umsetzbar, weil dann ja eine Lehrkraft schlecht an aufeinanderfolgenden und sich eventuell überlappenden Zeitfenstern eingesetzt werden könnte“, sagt auch der Leiter des Acherner Gymnasiums, Stefan Weih.

Nichtsdestotrotz seien die Busse „ganz ohne Zweifel aufgrund ihrer teilweise großen Auslastung aus Sicht des Infektionsschutzes problematisch“.

Auch an der Sasbacher Heimschule Lender wäre eine Staffelung der Unterrichtszeiten kaum möglich, wie Schulleiterin Petra Dollhofer erklärt: Das liege zum einen daran, dass an der großen Schule viele Fächer gekoppelt seien und auch klassenübergreifend stattfänden, zum anderen an dem sehr großen Einzugsgebiet: Je nach Wohnort könnten die Schüler am Morgen zuweilen nur „den einen“ Bus nehmen.

„Die Schüler könnten dann vielleicht eine Stunde im Klassenraum warten, aber das würde den ganzen Schultag verlängern und hätte große Auswirkungen bis hin zum Küchenpersonal.“

Zwar gebe es für die Schule schon Entlastungsbusse, gerade nachmittags, mehr wären aber noch besser, so Dollhofer. „Andererseits beobachten wir seit Corona, dass mehr Eltern ihre Kinder privat zur Schule bringen.“

„Ich finde es sehr gut, wenn die SWEG auf die aktuelle Situation reagiert und auch bei den Schulen die Bedürfnisse abfragt“, sagt Ralf Meier, Leiter der Grimmelshausenschule in Renchen, die an das Netz der RVS (Regionalbusverkehr Südwest) angebunden ist.

Auch hier seien einige „Verstärkerbusse“ zusätzlich im Einsatz, um Entlastung zu schaffen. „Ich bin gespannt, ob auch andere Verkehrsverbünde weitere Busverbindungen schaffen können.“

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