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Mobilitäts-Offensive des Ortenaukreises

App soll Lust auf Bus und Bahn im Ortenaukreis machen

Sie soll die dritte Säule in der Mobilitäts-Offensive des Ortenaukreises sein: Eine App, die Fahrplanauskunft, Fahrkartenkauf, Tourismusangebote und vieles mehr verknüpft. Damit will einer der größten Landkreise Baden-Württembergs mehr Bürger in Busse und Bahnen locken.

Bahn als Verkehrsmittel der Wahl: Der Ortenaukreis will eine moderen, multifunktionale App, die die Menschen zum Umsteigen öffentliche Verkehrsmittel motiviert. Foto: Roland Spether

Offenburg/Achern. Der Satz steht wie gemeißelt: „Die Klimakrise wartet nicht“, sagte Landesverkehrsminister Winfried Hermann bei der jüngsten Tagung des Projektförderkreises zum Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel. Auch der Ortenaukreis hat die Zeichen der Zeit längst erkannt und will nun eine eigene, regional-spezifische Mobilitäts-App, um mehr Menschen Lust die öffentlichen Verkehrsmittel zu machen und so möglichst viel Individualverkehr zu vermeiden.

Einen weiteren, öffentlichen Aufschlag in dieser Sache gibt es an diesem Dienstag (24. November) im Ausschuss für Umwelt und Technik (UTA), der von 13 Uhr an im Großen Sitzungssaal des Landratsamts tagt. Der Ortenaukreis ist bereit, für die Entwicklung und Einführung der App 950.000 Euro in die Hand zu nehmen. Dazu kommen, laut Sitzungsvorlage, Kosten für den laufenden Betrieb in Höhe von 120.000 Euro.

Die Thema App (spezielle Anwendungsprogramme, zum Beispiel für Mobiltelefone) ist ein Baustein der Mobiltäts-Offensive des Ortenaukreises, die der Kreistag in seiner Sitzung am 3. November eingeleitet hat. Wie berichtet, beinhalten die Beschlüsse zur Tarifreform 2021 und den geplanten Projekten zur Angebotsverbesserung im ÖPNV Mittel in bisher nicht da gewesener Höhe im Doppelhaushalt 2021/22. Die App soll, als dritte Säule der Strategie zur Stärkung des ÖPNV, ihren Beitrag zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit leisten.

Noch gibt es Fahrplanbücher

Bislang erhalten die Haushalte im Ortenaukreis gedruckte Fahrplanbücher für die jeweilige Region. 80.000 Exemplare kommen jedes Jahr auf den Markt, die Kosten dafür liegen bei etwa 65.000 Euro. Laut Verwaltung werden zirka 60 Prozent der Fahrplanbücher direkt im Altpapier entsorgt, sprich 40.000 Euro wandern in die Tonne. Dazu beklagen die Kunden die Unübersichtlichkeit und den Mangel an Aktualität. Die Bücher sind nicht barriererfrei und bieten über den Nah- und Fernverkehr hinaus keine Verknüpfung mit anderen Angeboten.

Wie es funktionieren kann, zeigt die Deutsche Bahn. Seit 2009 gibt es den sogenannten DB Navigator, mit dem der Nutzer Fahrten planen kann, sich nach Verspätungen erkundigen, Tickets buchen, Info über Bahnhöfe einholen und vieles mehr. Wer regelmäßig Bahn und Bus nutzt, weiß die Vorzüge zu schätzen. Besser können es vielleicht noch die Schweizer mit SBB Mobile. Laut Kreis ist bei der Entscheidung für ein neues System der Bedarf des Kunden entscheidend.

Es gab drei Arbeitssitzungen des Mobilitätsnetzwerks Ortenau. Als Ergebnis wurde deutlich, dass sich die potenziellen Nutzer im Kreis eine App wünschen, die dort beginnt, wo der DB Navigator aufhört. Die App soll ÖPNV-Fremden den Einstieg erleichtern, Touristische Angebote und natürlich den grenzüberschreitenden Verkehr abbilden. Neben der Funktionalität spielt dann, so die Sitzungsvorlage, die Datensicherheit eine ganz wichtige Rolle.

Bislang keine App mit Wunschprofil

Derzeit gebe es keine App auf dem Markt, die dem Wunschprofil der Ortenauer entspricht. Und da schauen die Verantwortlichen zu den nördlichen Nachbarn, der Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) ist inzwischen mit Regiomove am Start und ließ sich 7,3 Millionen Euro kosten - das Land gab 1,4 Millionen dazu, ein Europa-Fonds für regionale Entwicklung 3,5 Millionen Euro.

Die Verwaltung hat sich Regiomove bereits angeschaut. Und diese App bedient auch einen Wunsch der Ideengeber, sie kann KVV und TGO verknüpfen. Infolgedessen wurde wurde mit dem KVV Kontakt aufgenommen und an einer gemeinsamen Projekt-Idee im Rahmen der Landes-Förderung gearbeitet. Wichtig für eine Förderfähigkeit ist der innovative Ansatz, das erreiche man über ein Gutschein-System. Wer eine Theaterkarte kauft, kann zum Beispiel günstiger Bus fahren.

Ganz wichtig erscheint den Planungs-Strategen, die Besucher des Nationalparkzentrums am Ruhestein für den ÖPNV zu gewinnen. Damit wird vor allem eine Zielrichtung klar. Die App soll das maximal Mögliche an Interessen und regionalen Mobiltätsangeboten bündeln. Der Regionalverband Südlicher Oberrhein sieht genau darin einen Mehrwert für den gesamten Wirtschaftsraum. Bezüglich der Förderung setzt der Kreis auf die „Innovationsoffensive Öffentliche Mobilität“, die das baden-württembergische Verkehrsministerium im August ausgerufen hat.

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