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Externen Gutachter beauftragt

Rheinauer Feuerwehr muss wohl neu strukturiert werden

Der Rheinauer Feuerwehrbedarfsplan wird fortgeschrieben. Eine örtliche Neustrukturierung der Rheinauer Feuerwehr scheint unvermeidbar.

Rheinaus Feuerwehr hat mit der Stadtentwicklung nicht Schritt gehalten. Ein Gutachter sieht Handlungsbedarf. Foto: Karen Christeleit

Knackpunkte beim Rheinauer Feuerwehrbedarfsplan sind nicht nur die Tagesverfügbarkeit, sondern auch der konkrete bauliche Handlungsbedarf in allen Feuerwehrhäusern.

Stadt ist zu schnell gewachsen für die Rheinauer Feuerwehr

Erstmals wurde dafür ein externer Gutachter beauftragt, der im Vorfeld alle Betroffenen in einem Workshop beteiligte. Hermann Spanner von Brandschutz Vier benannte nun in der öffentlichen Vorstellung via Videokonferenz die Defizite mit deutlichen Worten.

„Die Stadt Rheinau zeigt sich als eine aus dörflichen Grundstrukturen gewachsene Stadt, die sich aktiv weiterentwickelt. Ihre Feuerwehr zeigt jedoch noch die historisch gewachsene und dörflich geprägte Struktur und Ausstattung. Dabei muss die Feuerwehr mit der Entwicklung der Stadt Schritt halten.“

Ausgehend von einem Standartszenario eines kritischen Wohnbrandes mit Menschenrettung skizzierte Spanner zunächst anhand der gesetzlichen Grundlagen, „wie viel Feuerwehr Rheinau braucht.“ „Jede Gemeinde in Baden-Württemberg muss sicherstellen, dass innerhalb einer Ausrückzeit von 10 Minuten eine erste Einsatztruppe von sechs Feuerwehrmännern am Einsatzort ist, nach weiteren fünf Minuten muss eine weitere Einheit mit neun Mann zur Verstärkung parat stehen.“

Kosten und Sicherheit müssen bei der Feuerwehr in Balance stehen

Ziel der Bedarfsplanung sei dabei die Waage zwischen dem Sicherheitsniveau und der Kosten zu finden. Wichtig sei dabei sowohl das örtliche Gefahrenpotenzial als auch die Leistungsfähigkeit der Rheinauer Feuerwehr.

Es fehlt insbesondere tagsüber in fünf von acht Abteilungen an einzelnen Funktionen.
Hermann Spanner, Brandschutz Vier

Die Risikoanalyse ermittelte Spanner anhand von 150 geleisteten Einsätzen und kam zu dem überraschenden Ergebnis: „Rheinau hat - da es große Gewerbe hat und an einer großen Wasserstraße liegt - untypisch für seine Größe, eine sehr hohe Risikobreite - vom Brand und technische Hilfeleistung über ABC-, Umwelt- und Wassergefahren bis zur Löschwasserversorgung - vergleichbar mit einer Berufsfeuerwehr in einer großen Stadt, nur mit geringeren Risikotiefe, da die Szenarien weniger häufig vorkommen.“

Bei der Leistungsfähigkeit betrachtete er zunächst die Personalsituation. „Ausgehend von der Qualifikation und Verfügbarkeit aller Einsatzkräfte fehlt es insbesondere tagsüber in fünf von acht Abteilungen an einzelnen Funktionen“, erklärte Spanner, „hier muss nachqualifiziert werden oder das Personal gemehrt werden.“

Rheinauer Feuerwehrhäuser sind wohl nicht auf dem Stand der Technik

Außerdem sah er konkreten Handlungsbedarf in allen Rheinauer Feuerwehrhäusern. „Sie sind alle nicht auf dem aktuellen Stand der Technik, in großen Teilen können die Unfallverhütungsvorschriften nicht eingehalten werden, Platzmangel verhindert nicht nur die Trennung der Geschlechter sondern auch die „Schwarz-Weiß-Trennung zum Gesundheitsschutz der Einsatzkräfte.“

„Das ist genau der richtige Zeitpunkt um eine zukunftsweisende Standortplanung in Angriff zu nehmen“, sah es Spanner positiv und gab anhand einer ersten Machbarkeitsstudie Impulse für eine örtliche Neustrukturierung, „das ist aber noch keine richtige Standortanalyse, in der neben der bloßen Gebietsabdeckung noch weitere wichtige Faktoren betrachtet werden müssen.“

Freistett soll laut Gutachter seine Sonderrechte aufgeben

Bislang besteht die Rheinauer Feuerwehr aus neun dezentralen Grundschutzstandorten, wobei Freistett zusätzlich für alle Sonderaufgaben ausgestattet ist. „Weder ein zentraler, noch zwei oder drei Standorte decken das große Einzugsgebiet ab“, erklärte Spanner, „zur Mindestabdeckung sind vier Standorte nötig.“ Dabei empfahl er, die Sonderstellung Freistetts aufzugeben und die Spezialausrüstung dezentral nach Schwerpunkten aufzuteilen.

„Das wertet die Einheiten auf und nutzt das vorhandene Personal besser aus“, so der Fachmann, „doch dazu müssen die Einheiten mitgenommen werden und sich entsprechend fortbilden, eine Zusammenlegung mit der Brechstange endet meist böse.“

Spanner sah es als Zukunftsprojekt für die nächsten 20 Jahre. Dem zeigte sich in der anschließenden Diskussion sowohl Bürgermeister Michael Welsche als auch die Feuerwehrspitze mit Kommandant Dominik Becker und Florian Karl aufgeschlossen, Bedenken und viele Fragen hatten dagegen die Gemeinde- und Ortschaftsräte. „Da müssen alle mit ins Boot genommen werden, wir können es uns nicht leisten nur einen einzigen Feuerwehrkameraden zu verlieren.“

In der Gemeinderatsitzung im April soll der Feuerwehrbedarfsplan beschlossen werden, sodass dann die Standortanalyse in Auftrag gegeben werden kann. Mit einem Ergebnis rechnet man bis Ende des Jahres.

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