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Verkehrsbelastung nimmt stark zu

Dauerlärm treibt Anwohner in Münchfeld ins Haus

Lärmgeplagte Anwohner in Rastatt-Münchfeld klagen gegen das Land auf nachträgliche Lärmschutzmaßnahmen. Hoffnung auf eine Lösung machen Baupläne des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

Anwohner in Münchfeld klagen über eine deutliche gestiegene Anzahl an Fahrzeugen. Zur Entlastung der Bürger plant das Regierungspräsidium eine Querspange. Foto: Hans-Jürgen Collet

Einfamilienhaus-Idylle in Münchfeld/Siedlung war gestern. Oder vorgestern. Jetzt staut sich drinnen die Hitze, der Garten taugt nur noch zum Rasenmähen. „Seit der Verkehr 2008 von der B3 neu und von der Anschlussstelle Süd durch das Gebiet führt, schießen die Lärmpegel durch die Decke“, sagt Iris Sutter.

Sutter ist Anwohnerin und zugleich Vorsitzende der Bürgerinitiative Lärmschutz Rastatt Münchfeld/Siedlung(BI). Sie schildert ihre Lage: „Nachts müssen wir alle Fenster schließen, weil die LKW durchrollen. Und den Außenbereich können wir nicht nutzen, der ist komplett verlärmt.“

Eine Situation, mit der sich die Anwohner nicht kampflos abfinden. Nach Angaben von Sutter schlossen sich im Jahr 2016 rund 50 Betroffene in der Bürgerinitiative zusammen. Mehrmals standen sie am Straßenrand und zählten die vorbeirauschenden Fahrzeuge.

Einer der ambitionierten Auto-Zähler ist Werner Feldmann, seit 40 Jahren wohnt er in Münchfeld. „Wir haben seitdem eine gravierende Zunahme des Verkehrs festgestellt. Es ist unerträglich, es wird immer schlimmer“, sagt er.

Den Außenbereich können wir nicht nutzen, der ist komplett verlärmt.
Iris Sutter, Vorsitzende der Bürgerinitiative

Ganz ähnlich äußert sich Jürgen Fritz. „Im Haus kann man sich bei geöffnetem Fenster nicht verständigen, ein Telefonat ist völlig unmöglich. Und im Garten zu sein, macht überhaupt keinen Spaß.“

Zwei Anwohner erhoben Klage gegen das Land Baden-Württemberg auf eine nachträgliche Lärmschutzmaßnahme für die Badener Straße. Iris Sutter ist einer der Kläger. Mit der Frage, ob die Anwohner einen Anspruch auf Lärmschutz haben, befasst sich das Verwaltungsgericht in Karlsruhe.

15.800 Fahrzeuge fahren täglich auf der Badener Straße

Dort gab es einen mündlichen Erörterungstermin, wie Pressesprecher Tobias Hepperle mitteilt. Zum konkreten Inhalt könne er keine Angaben machen, sagt er, weil der Termin nichtöffentlich gewesen sei. Mit einer Entscheidung rechne er in diesem Sommer.

Parallel zum Gerichtsverfahren gibt das Regierungspräsidium Karlsruhe den lärmgeplagten Anwohnern leisen Grund zur Hoffnung. Seit 2018 plant es eine Querspange zwischen der B3 und der L75. Ziel sei unter anderem, einen Großteil des Verkehrs aus dem Wohngebiet herauszuhalten. 15.800 Fahrzeuge fahren gemäß einer amtlichen Verkehrszählung jeden Tag auf der Badener Straße. Mehr als 600 davon sind Lastwagen.

Immer mehr Schwerverkehr: Laut Zählung des Regierunspräsidiums fahren täglich über 600 Lkw auf der Badener Straße. Foto: Hans-Jürgen Collet

Neu ist die Idee einer Querspange nicht. Schon vor Jahren hatte das Regierungspräsidium weiter südlich eine geplant, die Planung aber aus naturschutzrechtlichen Gründen eingestellt.

Nun wird also erneut geprüft. Falls keine öffentlichen oder privaten Interessen gegen den Bau sprechen und alles genehmigt wird, können die Anwohner in frühestens sieben Jahren ungestört ihre Fenster aufreißen. So jedenfalls lautet der Fahrplan, den das Regierungspräsidium nennt.

Im Haus kann man bei geöffnetem Fenster nicht telefonieren.
Jürgen Fritz, Anwohner

Die BI schlug zudem eine Geschwindigkeitsreduzierung oder ein Lkw-Nachtfahrverbot vor. Erfolglos, wie Sutter sagt. „Maßnahmen für eine schnelle Lärmreduzierung und Verbesserung der Wohnsituation werden von der Stadt Rastatt und dem Regierungspräsidium in Karlsruhe abgelehnt.“

Darüber ärgert sich auch Feldmann. „Die Behörden sind auf dem Standpunkt, die Anschlussstelle hätte keinen Einfluss auf den Verkehr. Aber die B3 wurde zum Autobahnzubringer, dadurch muss sich ja was ändern“, sagt er.

Lärmbelastung ist zu gering für weitere Geschwindigkeitsbegrenzung

Das Regierungspräsidium schweigt sich dazu aus und verweist auf laufende und auf ruhende Verfahren vor dem Verwaltungsgericht. Für die Stadt Rastatt spricht Pressesprecherin Heike Dießelberg: „Selbstverständlich lehnen wir das nicht ab“, sagt sie. Die errechnete Lärmbelastung mache allerdings keine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung möglich.

Maßnahmen für eine schnelle Reduzierung und Verbesserung der Wohnsituation werden von der Stadt Rastatt und dem Regierungspräsidium in Karlsruhe abgelehnt.
Iris Sutter, Vorsitzende der Bürgerinitive Lärmschutz

Sutter fehlt dafür jedes Verständnis. „Mit Werten von 60 Dezibel nachts liegen wir im Bereich, den man als gesundheitsgefährdend einstuft. Mein Mann leidet unter ständiger Ruhelosigkeit und Unwohlsein“, sagt sie.

Damit spricht sie Fritz aus der Seele. „Durch den ständigen Lärm bin ich viel unruhiger und schlafe nicht mehr so gut. Zu Hause fehlt einfach die Erholung.“ Auch Feldmann kann das kaum glauben: „Hier brettern nachts die Motorräder durch, da stehen wir senkrecht im Bett. Bekannte, die uns besuchen, fragen schon, wie wir das überhaupt aushalten.“

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