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Protestaktaktion in Durmersheim

Bürger wollen gegen Hochspannungstrasse klagen

Einige Bürger haben bei einer Protestaktion in Durmersheim eine Klage gegen die Pläne angekündigt, die neue Hochspannungstrasse im Tiefgestade zwischen Durmersheim und Würmersheim entlang zu führen.

Besorgt: Durmersheimer Bürger befürchten eine erhöhte Strahlenbelastung, wenn die Hochspannungleitung im Tiefgestade aufgerüstet wird. Foto: Hans-Jürgen Collet

Lauter Beifall brandete auf nach der Ankündigung von Wolfram Fritz: „ Ich werde dagegen klagen“, sagt er. Fritz wohnt nur etwa 80 Meter von der geplanten neuen Hochspannungstrasse entfernt im Würmersheimer Paul-Hindemith-Weg.

Rund 20 Bürger versammelten sich am Samstagvormittag im Feld zwischen Durmersheim und Würmersheim, um ihren Protest gegen den nun von der TransnetBW GmbH favorisierten Trassenverlauf zu dokumentieren.

Unterstützung erhielten sie dabei von Bürgermeister Andreas Augustin sowie den Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel (Bündnis 90/Die Grünen) und Jonas Weber (SPD). Initiiert wurde der Bürgerprotest von der Lokalen Agenda 21 Durmersheim, mit Siegfried Baumgart an der Spitze.

Hintergrund sind die Pläne, die Leistung der Hochspannungsleitung im Tiefgestade von 230 auf 380 Kilovolt zu erhöhen und dafür neue, 80 Meter hohe Masten zu setzen, die das Landschaftsbild erheblich verändern würden. Nach Einschätzung von Baumgart wäre damit nicht nur das Wohngebiet „hässlich verunstaltet“, sondern eine „Trennung von Durmersheim und Würmersheim für 100 Jahre“ besiegelt.

Erhöhte Strahlenbelastung befürchtet

Im November 2016 hatte sich bereits eine Bürgerinitiative formiert und über 500 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Befürchtet wird dabei vor allem eine stärkere Belastung durch erhöhte elektromagnetische Felder, die schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnten.

„Damals hatte die Transnet unsere Argumente eingesehen und die Verlagerung der Trasse in die Felder zwischen Mörsch und dem Norden Durmersheims und dann weiter östlich der Bahnlinie Richtung Bietigheim zugesagt,“ erklärte Baumgart. Für das Planfeststellungsverfahren aber habe die Transnet nun die alte Bestandstrasse, die im Tiefgestade zwischen Durmersheim und Würmersheim entlang führt, beim Regierungspräsidium eingereicht.

Ursachen für diese Kehrtwende kennt Baumgart nicht und auch Bürgermeister Andreas Augustin sind die Gründe unklar. „Die Kosten können jedenfalls nicht entscheidend gewesen sein.“

Baumgart findet klare Worte: „Transnet hat unser Vertrauen missbraucht, es wird kein Wert gelegt auf die Akzeptanz der Trasse durch die Bürger.“ Die befürchtete elektromagnetische Belastung würde sich zwar in den gültigen Grenzwerten bewegen, aber auch nur deshalb, weil sie nicht nur nach Auffassung der Agenda 21 im veralteten baden-württembergischen Landesentwicklungsplan so festgeschrieben seien.

Der Landesentwicklungsplan in Bayern von 2018 fordere etwa einen Abstand von 400 Metern zu Kindergärten und mindestens 200 Metern von allen anderen Wohngebäuden.

Das Verfahren ist mangelhaft
Andreas Augustin /Bürgermeister

Bürgermeister Augustin stellte bei der Protestveranstaltung klar, dass die Notwendigkeit zu einem Netzausbau aufgrund des generell erhöhten Strombedarfs auch von der Gemeinde gesehen werde: „Wir sind keine Verhinderer, wollen aber eine bessere Lösung“.

Der Gemeinderat werde in seiner Sitzung am 29. Juli eine Stellungnahme abgeben. Augustin kritisierte auch die Offenlage der Planfeststellungsunterlagen, die zwischen dem 29. Juni und 28. Juli im Rathaus einzusehen sind: „Sie entspricht exakt der gesetzlichen Mindestfrist eines Monats. In der gegenwärtigen Coronazeit mit eingeschränktem Zugang in den Rathäusern ist dies bezeichnend für den Umgang mit Bürgern und wie ernst man es mit der Beteiligung der Öffentlichkeit meint. „Diese Frist sei einfach zu kurz und deshalb das Verfahren mangelhaft”, unterstrich Augustin.

Er ermunterte, ebenso wie Baumgart, die Bürger dazu, Einsprüche zu erheben und den Klageweg zu beschreiten. Außerdem: „Das Schutzziel Mensch ist im vorliegenden Planfeststellungsverfahren viel zu wenig berücksichtigt“, meinte Augustin, der Nachbesserungen noch für möglich hält und auf den anstehenden Erörterungstermin verwies, zu dem alle eingeladen würden, die Einwände vorgebracht haben.

Landtagsabgeordneter Hentschel sprach sich seinerseits für eine „vernünftige Lösung unter Einbeziehung der Bürger“ aus. Bei einer Klage würde der Druck enorm groß und könne dazu führen, dass die Trasse noch geändert werde. Jonas Weber bekräftigte, dass die Energiewende genauso ernst genommen werden müsse wie das Interesse der Anwohner. Beide Abgeordneten versicherten, ihre Kontakte in Stuttgart einsetzen zu wollen, um die Planungen nochmals in die von den Bürgern gewünschte Richtung zu lenken.

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