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Nur manchmal nervt die Maske

Durmersheimer Hausenstein-Gymnasium hat sich mit Corona-Regeln ganz gut arrangiert

Lüften, Masken tragen und Abstand halten: Auch an den Schulen sind die Corona-Regeln inzwischen Alltag geworden. Am WHG in Durmersheim läuft alles gut. Dabei spielen auch Wäscheklammern eine entscheidende Rolle.

Unterricht mit Frischluft: Lehrer Hans-Peter Funk hat die Fenster derzeit ständig geöffnet. Und wenn nicht, erinnern ihn seine Schüler daran, zu lüften. Foto: Swantje Huse

Große Pause am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim. Auf den Höfen und im Gebäude verteilen sich die Schüler. Sie spielen, rennen umher, stehen in kleinen Gruppen zusammen und essen. Wären da nicht die Masken in den Gesichtern der Kinder, man würde nicht auf die Idee kommen, dass die Schule derzeit unter Pandemiebedingungen arbeitet. Und doch: Dass es so gut läuft, ist das Ergebnis langer Planungen.

Es geht darum, alte Gewohnheiten neu zu trainieren

Als eine der wenigen Schulen hat das WHG auch nach den Sommerferien, als alle Schüler wieder in die Klassen durften, den versetzten Schulstart beibehalten: Mit einer halben Stunde Zeitunterschied starten die Schüler der ersten und der zweiten Schiene in den Tag. Zudem sind die Jahrgangsstufen voneinander getrennt. „Das war die größte Problematik“, sagt Schulleiter Thomas Dornblüth.

So sind Fünft- und Sechstklässler nicht gleichzeitig draußen, damit sie spielen können, ohne sich zu vermischen. Und auch im Treppenhaus gibt es statt der Einbahnstraßen, die in vielen anderen Schulen eingeführt wurden, Treppen, die nur bestimmten Jahrgangsstufen gehören. „Hier darf dann aber in beide Richtungen gelaufen werden“, so Dornblüth. Jeder hat inzwischen seine eigenen Bereiche, auch in der Pause.

Ich finde die Maske schön warm im Gesicht.
Vitoria, 6. Klasse

So ein Konzept zu entwerfen, sei „nicht unaufwendig“, erzählt der Schulleiter. „Das weicht von den Gewohnheiten ab und braucht viel Information und sehr viel Betreuung.“

Inzwischen sei es aber bei allen gut eingeübt. Es werde darauf geachtet, dass jeder einsieht, warum man sich an die Regeln halten muss. „Wir reagieren sofort, wenn wir merken, da klappt was nicht. Das würden wir aber auch bei einem vermüllten Klassenzimmer machen.“

Keine Einbahnstraße: Begegnungsverkehr ist am WHG erlaubt, aber nur zwischen festgelegten Klassenstufen. Foto: Swantje Huse

Dass die intensive Informationspolitik wirkt, zeigt sich auch daran, dass sich lediglich „eine Handvoll“ Schüler von der Maskenpflicht im Unterricht hat befreien lassen. Sie tragen dann freiwillig, wie Dornblüth betont, sogenannte Face-Shields, die sonst nicht erlaubt sind.

„Ich durfte mich aber mit einigen juristischen und medizinischen Bedenken der Eltern auseinandersetzen, die sehr vielfältig und fantasiereich waren“, sagt der Schulleiter. Immerhin sei die Maskenpflicht im Schulhof noch vor den Herbstferien etwas entschärft worden: Nur noch, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, müssen die Masken ins Gesicht.

Viele stört die Maske nicht, manchen wird mit ihr schlecht

Dennoch sieht man auf dem Pausenhof selten Kinder ohne Mund-Nasenschutz. „Ich finde die Maske schön warm im Gesicht“, sagt Vitoria aus der sechsten Klasse. Sie steht gerade dicht an dicht mit ihren Freundinnen, daher auch die Masken. „Sonst muss man so schreien.“

Doch nicht alle mögen den Stoff im Gesicht so wie Vitoria: „Manchmal wird einem kurz schlecht oder man kriegt Kopfweh“, berichten etwa Elisa, Lili und Nelly. „Keine Probleme“ haben dafür Nils, David, Moritz und Conner. „Ich fahre auch Rad mit der Maske“, erklärt Nils achselzuckend.

In der Pausenhalle sitzen Janik, Timm und Joel an einem Tisch. Zwei tragen Maske, Joel ein Tuch. „Die Gummis brennen hinter den Ohren, das mag ich nicht“, erklärt er. Ansonsten sei das ganz okay mit den Masken. Und dass jetzt ständig gelüftet werden muss, finden die Neuntklässler sogar gut. „Sonst ist es zu warm. Die Mädchen sind da empfindlicher.“

Unterricht lebt von der Mimik.
Hans-Peter Funk, Religionslehrer

Auch Lehrer Hans-Peter Funk sieht das Lüften entspannt. „Die Schüler erinnern einen daran. Die sind sehr weitsichtig“, lobt er seine Siebtklässler, die gerade eine Stillarbeit in Religion erledigen. Und auch Kollegin Sabine Hurst hat kein Problem mit dem Lüften. „Da entsteht mehr Unruhe, weil die Schüler jetzt im Unterricht trinken oder aufs Klo gehen.“

Um den Toilettengang anzukündigen, wird einfach eine Wäscheklammer hochgehalten. Sie werden außen an ein Schild an der Toilettentür geklipst, damit nie mehr als drei Personen im Raum sind.

Einfaches System: Wer auf die Toilette will, zeigt das mit seiner Wäscheklammer, auch Schulleiter Thomas Dornblüth. Foto: Swantje Huse

Mehr Sorgen bereitet den Lehrern die Maskenpflicht – nicht aus medizinischen, sondern aus pädagogischen Gründen. Hurst ist Englischlehrerin. „Beim Anfangsunterricht verstehe ich die Kinder schlecht und die wiederum mich.“ Sie habe erstmals in 22 Jahren mit ihrer Stimme zu kämpfen, seitdem sie ständig gegen die Maske ansprechen müsse. Und auch Religionslehrer Funk findet: „Unterricht lebt von Mimik. Die Kommunikation wird erschwert. Das empfinde ich als hemmend und störend.“

Er glaube nicht, dass die Schule bald wieder in den Normalbetrieb zurückkehren könne, sagt auch Schulleiter Dornblüth. „Doch wenn wir die Masken wieder abnehmen können, wäre das eine Entlastung.“

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