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Tierische Schauspieler aus Durmersheim

Esel Doudou und Kaltblüter Max warten auf den nächsten Fallers-Dreh

Esel Doudou, der einst aus Frankreich gerettet wurde, erlebt trotz Lockdown einiges: Seit 2020 lebt Bonnie, eine Eselsdame aus dem Streichelzoo Stutensee bei ihm. Und auch ein Fallers-Dreh steht bald an.

Kathrin Brunner-Schwer mit Esel Doudou und dem spanischen Rassehengst Bobbi. Foto: Swantje Huse

Der Wind pfeift, auf dem Stalldach prasselt der Regen, der sich zwischenzeitlich auch einmal in Hagel verwandelt. Kathrin Brunner-Schwer lacht: „Das ist wohl der stürmischste Pressetermin, den Doudou je erlebt hat.“ Und das will was heißen, denn Doudou hat in seinem Eselleben schon eine Menge mitgemacht.

Seit 2010 lebt das Eselchen bei Brunner-Schwer. Damals war es von einer „in der Grauzone arbeitenden“ Tierschutzorganisation in Frankreich befreit worden. „Seine Hufe waren so ungepflegt, dass er kaum laufen konnte. Und sein Halfter war ihm auf der Nase festgewachsen“, erinnert sie sich.

Brunner-Schwer nahm den völlig verwahrlosten Esel bei sich auf. Mit einer Spendenaktion in den BNN war schnell genug Geld zusammen, um ihn in einer Spezialklinik operieren zu lassen. „Seitdem geht es steil bergauf mit ihm.“

Ein Herz und eine Seele: Die Esel Doudou und Bonnie leben seit vergangenem Sommer zusammen auf einer Koppel und verstehen sich prächtig. Foto: Kathrin Brunner-Schwer

Doudou lernt, dass Gras zum Fressen da ist und ein Spaziergang im Sonnenschein nicht schadet. Die Fortschritte des Esels hält sein neues Frauchen in vielen Fotos fest und berichtet auf der Arbeit regelmäßig von ihm – Brunner-Schwer macht die Öffentlichkeitsarbeit für die „Fallers“. Und so dauert es nicht lange, bis Doudou seinen ersten Auftritt in der beliebten SWR-Serie erhält. „Ich wusste, er kann das, weil ich schon ein paar Mal beim Krippenspiel der Hobbybauern Plittersdorf mit ihm dabei war.“

Ich bin gespannt, was sie sich für eine Geschichte einfallen lassen.
Kathrin Brunner-Schwer, Besitzerin von Doudou und Max

Brunner-Schwer irrt sich nicht: „Doudou liebt das Filmset so sehr, dass er nach dem Drehen gar nicht mehr in den Hänger will.“ Daher ist die Vorfreude auf den nächsten Filmauftritt auch groß. Eigentlich sollte der schon längst im Kasten sein und in diesem Jahr über die Bildschirme flimmern – doch dann kam Corona. Doudou-Fans müssen sich deshalb noch ein wenig gedulden, bis sie den Esel mit dem Hängerücken wieder bei den Fallers sehen können. Dafür wird er einen tierischen Freund mitbringen: ein Schwarzwälder Kaltblut.

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Eselin Bonnie lebt jetzt an Doudous Seite

„Ich bin gespannt, was sie sich für eine Geschichte einfallen lassen“, sagt Brunner-Schwer und tätschelt dem riesigen Pferd namens Max die Nase. Während sich alle anderen Tiere auf ihrem Hof hinter dem Kieswerk Stürmlinger in Durmersheim in den Schutz des Stalls zurückgezogen haben, steht Max stoisch im Regen und freut sich über den Besuch.

„Der ist so brav, man kann einfach alles mit ihm machen“, schwärmt Brunner-Schwer von ihrem Schützling, der ein hartes Leben als Arbeitspferd auf einem Bauernhof hinter sich hat. „Der kann Holzrücken genauso wie Ein- und Zweispänner ziehen.“

Stoisch: Dem Schwarzwälder Kaltblüter Max kann schlechtes Wetter nichts anhaben. Kathrin Brunner-Schwer und Eseldame Bonnie wären lieber im Trockenen. Foto: Swantje Huse

Derzeit teilt sich Max seinen Unterstand mit der alten Eseldame Bonnie. Sie lebte bis zum Sommer in einem Streichelzoo, war dem Trubel altersbedingt aber nicht mehr gewachsen und kam so zu Kathrin Brunner-Schwer und ihren Tieren. Mit ihren mindestens 20 Jahren – „vermutlich ist sie schon über 30, so abgenutzt wie ihre Zähne sind“ – und den trüben Augen ist die kleine Eselin eine ruhige Gefährtin, die sich aber nach wie vor gerne die Nase kraulen lässt. Und Doudous Gesellschaft schätzt.

Ich bin ein Pflegehundversager.
Kathrin Brunner-Schwer über ihr inzwischen vierköpfiges Rudel

Der wiederum ist gerade als „Pfleger“ für den reinrassigen Spanier Bobbi, der Probleme mit den Hufen hat und nicht zu viel herumspringen soll. Das übernehmen dafür die vier Hunde, die vom Regen mehr oder weniger begeistert über die Koppeln flitzen. „Eigentlich hatte ich ja nur zwei, aber ich bin ein Pflegehundversager“, sagt Brunner-Schwer grinsend. Und so blieben die spanischen Podencos Momo und Bubu am Ende an ihr kleben.

Ein Lebenstraum platzt und macht Neuem Platz

Geplant war das alles nicht: In den 90ern hatte die kleine Frau mit den zufriedenen Lachfalten im Gesicht einen eigenen Stall in Plittersdorf. Dort züchtete sie Lusitaner, bildete Pferde aus und gab Reitunterricht nach dem Methoden des portugiesischen Reitmeisters Nuno Oliveira, mit dessen Enkel sie liiert war.

„Wir waren aber zu früh dran“, sagt Brunner-Schwer. Nach einigen Jahren kam das Aus, sie musste den Stall verkaufen, behielt nur zwei Tiere, ihre „Herzenspferde“. Nur noch ein Schild mit der Aufschrift „ars lusitana“ erinnert an den Lebenstraum.

Lange denkt sie, mit dem Thema abgeschlossen zu haben. Doch mit Bobbi, dem reinrassigen Spanier, kommt auch die Freude an der Ausbildung zurück. „Man konnte ihn nicht anfassen“, erinnert sie sich und zieht die Augenbrauen hoch: „Das Pferd, das jetzt am liebsten mit seinem Menschen auf dem Sofa sitzen würde.“

Nach Corona, wenn alle geimpft sind, will die 64-Jährige als Reitlehrerin nochmal durchstarten. Aber in Maßen. Sie hat schon einmal alles verloren. Mit Doudou, Bonnie und den anderen Tieren soll ihr das nicht noch mal passieren.

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