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Kampf um ein bisschen mehr Idylle

Hauptverkehrsader in Wintersdorf soll neu gestaltet werden

Durch die Hauptverkehrsstraße von Wintersdorf quälen sich täglich Tausende Pendler. Die Dorfstraße führt direkt an die Rheinbrücke, so dass Pendler aus dem Elsass die Strecke nutzen. Jetzt will die Stadtverwaltung die Straße umgestalten.

Viel Verkehr: Durch die Dorfstraße in Wintersdorf quälen sich täglich tausende Pendler aus dem benachbarten Elsass. Foto: Hans-Jürgen Collet

Ihr Name klingt idyllisch: Dorfstraße. Doch die Hauptverkehrsader von Wintersdorf hat aktuell wenig mit Idylle zu tun. Die Straße führt direkt an die Rheinbrücke, so dass sich täglich tausende Fahrzeuge durch den Stadtteil quälen, viele davon Pendler auf ihrem Weg ins Benz-Werk. Schon lang wünscht sich die Dorfgemeinschaft eine Umgestaltung der Straße. Die Stadtverwaltung will das Großprojekt jetzt angehen.

Das Vorhaben befindet sich allerdings noch in einer ganz frühen Phase, in der noch nicht einmal eine konkrete Planung existiert. Am Montag gaben die Mitglieder des Technischen Ausschusses grünes Licht dafür, dass ein Ingenieurbüro ein erstes Konzept erstellt. Als Budget für die Studie sind 70.000 Euro vorgesehen.

Thema wird schon seit mehr als 20 Jahren diskutiert

Matthias Köppel (CDU) erinnerte daran, dass das Thema schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder diskutiert werde. Zuletzt war die Dorfstraße 2015 in den Fokus gerückt. Eine Projektgruppe erarbeitete damals im Auftrag der Stadt eigene Entwicklungskonzepte für jeden Ortsteil. Für Wintersdorf identifizierten die Experten die Umgestaltung der Straße als „Projekt mit hoher Bedeutung“.

Durch die hohe Verkehrsbelastung ist sie nicht nur in einem schlechten Zustand, auch die Randbereiche weisen „wenig Aufenthaltsqualität auf“, wie es in den Unterlagen für die Ausschussmitglieder in schönstem Amtsdeutsch beschrieben ist.

Wir beabsichtigen nicht, für die Schublade zu planen.
Markus Fraß, Fachbereichsleiter

Das soll sich ändern. Ziel ist es, die Straße und ihr Umfeld neu zu gestalten und zu gliedern. Die Stadtverwaltung will Grünflächen schaffen und Bäume pflanzen lassen. Insbesondere der Kernabschnitt zwischen Dorfplatz und der Bücherstube soll enger miteinander verbunden werden. Die „trennende Wirkung“ der Straße solle reduziert werden. Außerdem sind Querungsmöglichkeiten für Fußgänger entlang der gesamten Strecke durch Wintersdorf vorgesehen.

In der Sitzungsvorlage finden sich weitere Schlagworte, die eine erste Idee davon geben, wohin die Reise gehen könnte. Die Rede ist von einem „selbsterklärenden Straßenraum“, einer beruhigten Verkehrsführung und zentralen Plätzen im Ortskern, die geschaffen beziehungsweise aufgewertet werden sollen. Es klingt nach deutlich mehr Idylle als bisher.

Zentraler Abschnitt zwischen Gaststätte und Forellenstraße

Wie genau das Großprojekt bei laufendem Verkehr über die Bühne gehen soll, ist offen. Auch die Kosten stehen in den Sternen. Mehr Klarheit soll das nun beauftragte Konzept schaffen. Geplant ist auch ein Überblick über den Leitungsdschungel, der im Untergrund auf die Baufirmen wartet.

Markus Fraß, Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Wasserwirtschaft, skizzierte eine erste Vorstellung. Demnach sei denkbar, im Bereich zwischen der Gaststätte „Grüner Baum“ und der Forellenstraße einen zentralen Bauabschnitt einzurichten. Links und rechts könnten weitere Abschnitte folgen.

Bis tatsächlich die ersten Bagger anrollen, wird aber noch viel Wasser den benachbarten Rhein runterfließen. Fraß rechnet mit dem Start der Umsetzung frühestens 2023 oder 24 ab. Wie lange die Bauphase dauere, sei jetzt noch nicht abzusehen.

Bürger sollen beteiligt werden

Köppel wies darauf hin, dass es „höchste Zeit“ sei, die Dorfstraße umzugestalten. Schon vor 15 Jahren sei die erlaubte Geschwindigkeit wegen des schlechten Zustands der Fahrbahn auf 30 Stundenkilometer gedrosselt worden. Fraß versprach, dass die Stadt das Vorhaben nun tatsächlich in Angriff nehmen wolle: „Wir beabsichtigen nicht, für die Schublade zu planen.“ Bürgermeister Raphael Knoth wies allerdings darauf hin, dass der Gemeinderat das letzte Wort haben werde. Zunächst müssten aber eine konkrete Planung und Zahlen auf dem Tisch liegen.

Die Bürger sollen in jedem Fall ein Mitsprachrecht bekommen. Schon im Rahmen der Ausarbeitung des Vorentwurfs ist eine Infoveranstaltung vorgesehen. Denkbar sind aus Sicht der Verwaltung auch Workshops oder Online-Formate – je nachdem, welche Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie bis dahin herrschen.

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