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Mitarbeiterbrief wirkt wie ein Schlag ins Gesicht

In der Belegschaft von VPM-Druck herrscht vor Schließung des Rastatter Standorts reichlich Unmut

Die Belegschaft bei VPM Druck ist stinksauer. Yvonne Bauer, Verlegerin des Mutterkonzerns Bauer in Hamburg, schwärmt in einem Mitarbeiterbrief von ihren tollen Sommerferien. Die hatten die Rastatter Kollegen nicht: Der Standort wird Ende Oktober geschlossen, 163 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Keine Zukunft: Die Druckerei an der Karlsruher Straße wird voraussichtlich Ende Oktober geschlossen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Wer bei VPM Druck im Treppenhaus die Stufen hochsteigt, blickt in dutzende Gesichter. Der Betriebsrat hat an den Wänden Bilder der Mitarbeiter aufgehängt. Unter den Porträts stehen Jahreszahlen: 16, 37, 25. So lang arbeiten die Menschen in der Rastatter Druckerei.

Doch voraussichtlich Ende Oktober ist Schluss. Der Hamburger Mutterkonzern Bauer Media Group hat angekündigt, den Standort zu schließen. 163 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Sauer stößt den Betroffenen vor allem die Form der Kommunikation auf.

„Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin gerade von einem erholsamen Sommerurlaub mit meiner Familie zurückgekehrt.” So beginnt ein ein Mitarbeiterschreiben von Konzernchefin Yvonne Bauer. Darin verbreitet sie Optimismus: „Wir sind ein starkes, gesundes und widerstandsfähiges Unternehmen, und ich bin zuversichtlich, dass wir auf alles, was die Zukunft bringt, gut vorbereitet sind.”

Die Sicherheit der Mitarbeiter stehe an erster Stelle. Es gehe vor allem darum, „dass Sie für sich selbst, Ihre Kollegen und Ihre Lieben sorgen”, schreibt Bauer in der Mitteilung, die im konzernweiten Intranet erschien.

Das ist ein Schlag ins Gesicht. Die Leute sind wütend.
Eine langjährige Mitarbeiterin von VPM Druck

Bei vielen Mitarbeitern in Rastatt machte sich bei diesen Worten Empörung breit. Während die Verlegerin von ihrem Urlaub schwärmt und die Fürsorge in den Fokus rückt, blicken sie der drohenden Arbeitslosigkeit entgegen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Die Leute sind wütend”, sagt eine langjährige Mitarbeiterin gegenüber unserer Redaktion.

Rastatter Belegschaft klagt über mangelnde Wertschätzung

Auch ein Mitglied des Betriebsrats spricht unverblümt von einem „Tritt in den Arsch”. Die Belegschaft habe schon lang den Eindruck, es mangle an Wertschätzung aus der Zentrale in Hamburg. Dabei sei die Druckerei in Rastatt stets verlässlich gewesen.

Die Fluktuation war gering. Mehr als die Hälfte der Belegschaft ist 20 Jahre und länger dabei. „Wir sind immer ruhig geblieben und waren Liebkind. Wir haben unsere Arbeit gemacht und die Qualität gehalten”, sagt der Arbeitnehmervertreter.

Die Auslastung sei im vergangenen Jahr zwar zurückgegangen, die Nachricht von der Schließung sei trotzdem ein Schock gewesen. „Wir hatten vielleicht damit gerechnet, dass Kurzarbeit droht, aber nicht damit”, sagt der Betriebsrat. Besonders sauer sei den Mitarbeitern aufgestoßen, dass der damalige Geschäftsführer noch auf der Versammlung angekündigt habe, den Betrieb zu verlassen, um eine neue Stelle bei einem anderen Unternehmen anzutreten: „Das war eine große Enttäuschung.”

Man hätte aus dem Laden richtig was machen können.
Ein Mitglied des VPM-Betriebsrats

Der erste Schock hat sich mittlerweile gelegt, die Mitglieder des siebenköpfigen Betriebsrats ärgert aber bis heute, dass auch sie wie die übrige Belegschaft vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Dabei schreibe das Betriebsverfassungsgesetz vor, das Gremium im Vorfeld einzubinden, auch, um andere Möglichkeiten als die Abwicklung zu suchen.

Die Betriebsräte sind überzeugt, dass der Standort Rastatt eine Chance gehabt hätte. Dafür wären allerdings Investitionen in eine neue Druckmaschine notwendig gewesen. Vor zwei, drei Jahren habe es dafür positive Signale aus Hamburg gegeben, doch dann sei das Vorhaben zurückgestellt worden. „Das sind Versäumnisse, die in Hamburg gemacht wurden. Man hätte aus dem Laden richtig was machen können”, ärgert sich ein Betriebsratsmitglied.

Noch keine Einigung über Sozialplan

Er und seine Kollegen stecken jetzt in den Verhandlungen mit Konzernvertretern über den Sozialplan. Über die bisherigen Inhalte wollen sie noch nicht öffentlich sprechen. Am vergangenen Donnerstag stand ein weiteres Treffen zwischen beiden Seiten an. Auch die Pressestelle der Konzernzentrale in Hamburg lässt lediglich verlauten: „Wir sind in Gesprächen mit dem Betriebsrat, eine Einigung steht noch aus.”

Die beruflichen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt für die Betroffenen hält der Betriebsrat für „sehr, sehr schwierig”. Lediglich eine Handvoll Kollegen habe bislang gekündigt und woanders angeheuert. Für die Rastatter klingen die Worte Yvonne Bauers wie Hohn: „Ich hoffe, dass Sie alle die Gelegenheit hatten oder haben werden, eine Pause und die dringend benötigte Ruhe über den Sommer zu machen. Noch nie war es so wichtig wie heute, dass wir unsere Batterien wieder aufladen, damit wir den Geist und das Engagement aufrechterhalten können, die wir bisher gemeinsam gezeigt haben, um den unsicheren Monaten, die vor uns liegen, erfolgreich entgegenzutreten.”

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