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Behörde glaubt an Papierfasern

Klärschlamm als Ursache für PFC-Belastungen in Mittelbaden ausgeschlossen

Woher kommen die PFC auf den Äckern in Mittelbaden? Aus Papierschlämmen oder sind es vielleicht doch die Klärschlämme, wie es der als mutmaßlicher Verursacher identifizierte Komposthändler und seine Berater immer wieder thematisieren?

Ein PFC-belasteter Acker bei Förch. Foto: Weller
Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

„Gegen den Klärschlamm sprechen eine ganze Reihe von Gründen. Klärschlamm kann zwar ganz grundsätzlich auch PFC enthalten, deshalb muss man sich die Sache hinsichtlich der Verteilung, der aufgebrachten Mengen und der PFC-Muster in Klär- und Papierschlämmen auch genau anschauen“, erklärte dazu Reiner Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle im Landratsamt auf Anfrage.

Studie der Landesanstalt für Umwelt widerlegt Klärschlamm-These

„Solch massive PFC-Konzentrationen, wie wir sie im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden gemessen haben, sind bei Klärschlammflächen aber nie gefunden wurden“, betont der PFC-Beauftragte. Das habe auch die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in ihrer landesweiten Studie „PFC-Einträge in Böden durch Kompost und Klärschlamm“ (Stand Februar 2017) bestätigt, die auf der Homepage der LUBW übrigens für Jedermann einsehbar sei.

Auch eigene Untersuchungen von mehr als 1 340 Flächen im Landkreis hätten die Ergebnisse der Studie bekräftigt, so Söhlmann. Die LUBW habe weiterhin ein Grundwassermodell erstellt, mit dem man anhand der Fließgeschwindigkeit des Wassers zurückrechnen könne, vor wieviel Jahren von welchem Acker die PFC ins Grundwasser gelangt seien.

„Diese Untersuchungen sprechen auch für einen Eintrag im Zeitraum nach dem Jahr 2000. Zu diesem Zeitpunkt war die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm jedoch bereits weitgehend eingestellt“, erklärt Söhlmann.

Klärschlamm-Ausbringung sei dank Lieferscheinverfahren genau nachvollziehbar

„Außerdem sprechen wir auch von ganz anderen Mengen. Die 40 000 Tonnen Papierfaserabfälle, die vom Kompostwerk allein in den Jahren 2006 bis 2008 laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf die hiesigen Felder aufgebracht wurden, wurden von den Kläranlagen innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren nicht erreicht.“

Das könne man so genau nachvollziehen, weil bei der Aufbringung von Klärschlämmen das sogenannte Lieferscheinverfahren gegolten habe, das heißt, es wurde nur die erlaubte Menge von 30 Tonnen pro Hektar in drei Jahren aufgebracht.

Und deswegen wisse man eben auch, dass die gesamte ackerbaulich verwertete Klärschlammmenge im ganzen Landkreis (inklusive der nördlichen Kommunen wie Au, Bietigheim, Muggensturm oder Ötigheim, die kein PFCProblem haben) von 2003 bis 2011 nur insgesamt 5 203 Tonnen betragen habe. Das sei eine marginale Menge im Vergleich zu den 40 000 Tonnen Papierfaserabfällen.

PFC-Belastungen nur im Einzugsbereich der beiden Kompostwerke

„Und schließlich wurde Klärschlamm damals nicht nur im gesamten Landkreis, sondern in ganz Baden- Württemberg aufgebracht, wenn der Klärschlamm für die PFC-Äcker ursächlich sei, müsste man auch im ganzen Land hochbelastete Flächen finden.

Dem ist aber nicht so, sondern die hoch belasteten Flächen finden sich alle innerhalb eines Zehn-Kilometer- Radius um die beiden Kompostwerke. Diese auffällige räumliche Verteilung lässt sich ebenfalls nicht mit Klärschlamm erklären“, ist sich Söhlmann sicher.

Auch Verwaltungsgericht sah Kompost als Ursache

„Auch durch das Urteil des Verwaltungsgerichtes , das hinreichend belastbare Anhaltspunkte dafür sah, dass Kompostgemische des Komposthändlers sowohl messbare per- und polyfluorierten Chemikalien als auch insbesondere Vorläufer-Substanzen hierzu enthielten, die zu frei messbaren, stabilen PFC abgebaut werden, sehen wir uns in unseren Annahmen bestätigt“, bekräftigt Söhlmann.

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