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Wirtschaft im Fokus

"Massenhysterie" wegen Coronavirus: Firma aus Muggensturm kritisiert Exportverbot für Schutzkleidung

Die Bundesregierung hat die Ausfuhr von Schutzkleidung wie Mundschutze und Handschuhe verboten. Davon betroffen ist die Firma Dastex aus Muggensturm. Der kaufmännische Leiter Volkmar Balzer kritisiert die Maßnahme als "Irrsinn" und "Massenhysterie".

Firmenzentrale in Muggensturm: Das Unternehmen Dastex existiert seit 1979 und beschäftigt am Standort aktuell 70 Mitarbeiter. Foto: Siebnich

Volkmar Balzer fährt verbal hartes Geschütz auf: „Was gerade abgeht, kann man nur als Massenhysterie bezeichnen“, sagt der kaufmännische Leiter des Unternehmens Dastex Reinraumzubehör. Die Muggensturmer Firma handelt mit Produkten, die in Zeiten der Corona-Krise heiß begehrt sind, wie Mundschutze, Handschuhe und Schutzbekleidung. Für einige der Artikel im Portfolio hat die Bundesregierung in der vergangenen Woche ein Exportverbot erlassen. „Eine irrsinnige Anordnung“, sagt Balzer.

Das Unternehmen existiert seit 1979 und beschäftigt in Muggensturm 70 Mitarbeiter. Die Kunden stammen unter anderem aus der pharmazeutischen Großindustrie, der Medizin- oder der Luft- und Raumfahrttechnik. Dastex liefert an sie Ausrüstung, die notwendig ist, um in sogenannten Reinräumen zu arbeiten.

Produkte schützen sensible Umgebung vor dem menschlichen Körper

Dabei handelt es sich um Arbeitsstätten, in denen mittels spezieller Ablufttechnik die Konzentration kleinster Teilchen möglichst gering gehalten wird. In der modernen Halbleitertechnik können schon Partikel der Größe eines Staubkorns Kurzschlüsse verursachen.

Die Menschen, die in einer solchen Umgebung arbeiten, müssen Schutzausrüstung tragen, um nicht mit Haaren, Hautschuppen oder Tröpfchen die Umgebung zu verunreinigen. Die Dastex-Produkte sind also weniger dafür da, Menschen vor Bedrohungen wie dem Corona-Virus zu schützen, sondern eine sensible Umgebung vor dem menschlichen Körper. Sie erfüllen zum Teil aber trotzdem die entsprechenden Normen und könnten in der aktuellen Situation auch medizinisches Personal schützen. Deshalb fallen auch sie unter das Exportverbot.

Eine eigene Produktion in Deutschland hat das Unternehmen nicht. Ein Großteil der Ware importiert es aus China. Genau das ist der Punkt, weshalb Balzer kein gutes Haar an der Entscheidung der Regierung lässt: „Alle in der Branche hängen an Asien. Es kann nicht gelingen, den eigenen Markt zu schützen. Ansonsten schotten sich alle Länder ab“, prognostiziert er. Das Verbot bringe maximal einen kurzfristigen Effekt. Noch vorhandene Lagerbestände könnten im Inland genutzt werden.

Das Exportverbot ist zu kurzfristig gedacht.
Volkmar Balzer, kaufmännischer Leiter Dastex

Sobald diese aufgebraucht seien, gebe es aber keinen Nachschub mehr aus dem Ausland, weil unter diesen Voraussetzungen kein Produzent mehr bereit sei, nach Deutschland zu liefern. „Das ist zu kurzfristig gedacht“, kritisiert Balzer das Exportverbot. Forderungen aus der Politik, die Produktion als Lehre aus der Krise wieder in Deutschland anzusiedeln, seien unrealistisch. Die Bundesrepublik verfüge nicht über die notwendigen Rohstoffe wie Vlies, Kautschuk oder Textilien.

Nachschub aus Fernost droht zu versiegen

Das Muggensturmer Unternehmen erhalte aktuell noch Ware aus Fernost. Dabei handle es sich um Produkte, die um die Jahreswende bestellt und verschifft wurden. „Das sind die Container, die gerade noch vor der Krise den Hafen verlassen haben“, erklärt Balzer. Wenn die Situation andauere oder sich sogar noch verschärfe, sei aber absehbar, dass der Zustrom versiege.

Das Unternehmen habe jedoch Alternativprodukte im Angebot, beispielsweise einen Mehrweg-Mundschutz, der in Reinräumen, aber nicht für medizinische Zwecke eingesetzt werden könne. Deshalb wertet Balzer die Situation auch nicht als existenzbedrohend für die Firma.

Trotzdem hat er sich in einem Schreiben an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gewandt: „Von daher unser dringlicher Appell an Sie, alles Erforderliche dazu beizutragen, dass diese irrsinnige Anordnung auf dem schnellsten Weg widerrufen wird, um einer weiteren selbstgemachten und weitaus schlimmeren Katastrophe entgegenzuwirken“, heißt es darin zum Exportverbot.

Auch abseits dieser Entscheidung stellt Balzer der Regierung ein schlechtes Zeugnis in Sachen Krisenmanagement aus. Dass Gesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt, Großveranstaltungen abzusagen, gleichzeitig aber Schulen geöffnet bleiben, empfindet er als großen Widerspruch: „Das hat weder Hand noch Fuß. Das Krisenmanagement ist eine glatte Null.“

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