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Schutz vor Corona-Ansteckungen

Pflegeheim in Rastatt setzt Bewohnerin vor die Tür, die das Kontaktverbot offenbar nicht einhielt

In Seniorenheimen gelten wegen des Coronavirus strikte Vorschriften. In Rastatt soll eine Tochter bei einem Besuch zu engen Kontakt zu ihrer Mutter gehabt haben, die im Haus Barbara wohnt. Die Einrichtung forderte die 76-Jährige daraufhin auf, das Haus zu verlassen. Das Landratsamt attestiert der Heimleitung, korrekt gehandelt zu haben.

Auf Abstand: Die Außenanlage des Seniorenheimes Barbara ist mit Absperrband gesichert, damit sich Bewohner und Angehörige nicht zu nahe kommen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Im Pflegeheim Haus Barbara in Rastatt gelten seit Wochen strikte Regeln wegen des Coronavirus. Angehörige dürfen die Bewohner nur mit großem Abstand sehen, direkter Kontakt ist verboten. Weil eine Tochter gegen diese Vorgaben verstoßen haben soll, griff das Heim hart durch: Die Mutter musste die Einrichtung verlassen. Die Tochter bestreitet die Vorwürfe. Das Landratsamt attestiert der Heimleitung, korrekt gehandelt zu haben.

Rot-weißes Absperrband flattert am Garten der Seniorenresidenz Haus Barbara. Die Bewohner dürfen zwar noch raus ins Grüne, doch jemand Externen im Außenbereich zu treffen, ist streng verboten.

Anna Treiber will sich daran gehalten haben. Wenn sie ihre Mutter, die seit September in dem Heim wohnt, in den vergangenen Tagen besucht habe, sei sie stets hinter der Absperrung gestanden und auf Abstand geblieben. Umso überraschter sei sie über die kurzfristige Nachricht der Heimleitung gewesen, dass die Mutter das Heim verlassen müsse.

Der Vorwurf: Die Tochter habe die Frau umarmt und sich auch eine Zigarette mit ihr geteilt.

Heimleiterin sieht sich als Corona-Schutzmaßnahme zum Handeln gezwungen

Die Heimleiterin Simone Sperner spricht gegenüber unserer Redaktion davon, dass sich Mutter und Tochter „sehr nahe gekommen“ seien. Dies hätten mehrere Heimbewohner den Mitarbeitern berichtet. Es gebe außerdem eine Stellungnahme des Heimbeirats mit Unterschriften von Zeugen.

Die Betroffenen hätten „große Angst“ um ihre Gesundheit. Sperner sah sich zum Handeln gezwungen: „Ich trage Verantwortung für 105 Bewohner und 70 Mitarbeiter“, sagt sie.

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Die 76-Jährige musste das Heim verlassen. Treiber spricht davon, dass ihre Mutter „rausgejagt“ worden sei. „Man hat ihr gesagt, dass sie das Zimmer innerhalb von fünf Minuten verlassen muss“, sagt sie. Die Heimleiterin habe sich einem persönlichen Gespräch verweigert.

Sperner bestreitet das. Sie habe Kontakt mit der Schwester von Anna Treiber gehabt, bei der die Mutter jetzt untergekommen ist und die auch die rechtliche Betreuerin der Frau sei. Mit ihr habe es keinen Streit über das Vorgehen gegeben.

Mutter und Töchter sind negativ auf Coronavirus getestet

Anna Treiber widerspricht auch dieser Aussage: „Das ist nicht die Wahrheit“. Sie habe grundsätzlich großes Verständnis für die strengen Corona-Regeln in Pflegeheimen. Der Vorwurf, sie habe durch ihr Verhalten das Leben vieler älterer Menschen gefährdet, trifft sie schwer: „So blöd ist doch niemand“.

Eine Erklärung, warum Zeugen von einem engen Kontakt berichten, habe sie nicht. „Es ist Unrecht geschehen“, sagt Treiber. Mittlerweile hätten sich beide Töchter und die Mutter vom Hausarzt auf das Coronavirus testen lassen. Sie seien nicht infiziert.

Dass ihre Mutter ins Haus Barbara zurückkehrt, schließt die Tochter aus: „Das Vertrauen ist zerstört. Natürlich geht sie nicht zurück“. Aber auch die Heimleitung habe angekündigt, den Vertrag zu beenden.

Gegenüber unserer Redaktion sagt Sperner, dass sie die Tür allerdings nicht komplett zuschlagen will. Die Mutter könne wieder einziehen. Allerdings müsse sie dann 14 Tage Quarantäne in ihrem Zimmer einhalten und dürfe in dieser Zeit keinen Kontakt zu den anderen Bewohnern haben.

Für ihr Vorgehen hat sich Sperner Rückendeckung beim Landratsamt geholt, dem die Aufgabe der Heimaufsicht zukommt. Dort bestätigt Sprecherin Gisela Merklinger, dass die Maßnahmen gerechtfertigt gewesen seien. Die drastischen Besuchsverbote in Pflegeheimen wegen des Coronavirus müssten unbedingt eingehalten werden, da ansonsten Lebensgefahr für die Bewohner drohe.

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