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Hausbau in der Erdbebenzone

Erdbebensicher bauen: So können sich Häuslebauer vor Schäden schützen

Das gesamte Verbreitungsgebiet der BNN liegt in der Erdbebenzone. Um größere Schäden an Häusern zu vermeiden ist eines wichtig: erdbebensicher Bauen. Dafür müssen Häuslebauer einiges beachten.

Hausfassaden werden nach dem Beben sicherheitshalber abgestützt. Das schlimmste Erdbeben in Baden-Württemberg seit 35 Jahren richtete stärksten Schäden an. Foto: Karl Staedele/dpa

Baden-Württemberg gehört zusammen mit Nordrhein-Westfalen zu den flächenmäßig am stärksten von Erdbeben betroffenen Bundesländern. Das Risiko für starke Beben in Baden-Württemberg ist im Gebiet um Lörrach und im Zollernalbkreis am höchsten. Aber auch der Oberrheingraben gilt als Risikozone.

In Deutschland ist die Gefahr für starke Erdbeben im weltweiten Vergleich relativ gering. Doch Beben wie das in Albstadt im Jahr 1978 zeigen, dass sie nicht unmöglich sind.

Erdbeben können nicht verhindert werden. Und trotz jahrelanger Forschung auf dem Gebiet ist eine genaue Vorhersage eines Erdbebens nicht möglich. Beobachtungen zeigen aber, dass bestimmte Gebiete gefährdeter sind als andere.

BNN-Verbreitungsgebiet liegt in der Gefahrenzone

Das gesamte BNN-Verbreitungsgebiet liegt laut Angaben des Landes Baden-Württemberg in der „Erdbebenzone“ und ist in verschiedene Risikobereiche eingeteilt. In Zone 1 liegen beispielsweise Karlsruhe, Baden-Baden, Rastatt, Bruchsal und der Ortenaukreis. Dort sind rechnerisch Erdbeben bis zu einer Stärke von 6,5 bis 7 auf der Richterskala zu erwarten. Der Raum Pforzheim und Enzkreis wird der Zone 0 zugeordnet. Dort können die Erdbeben eine Stärke von 6 bis 6,5 haben. Mit Schäden an Gebäuden rechnet man ab Stärke 5.

Ein typisches Bild nach dem Erdbeben: Etliche Dächer sind in Albstadt abgedeckt worden. Foto: privat/Stadtarchiv Albstadt

Das größte Risiko in Baden-Württemberg gibt es in der Erdbebenzone 3. Rechnerisch sind hier Erdbeben mit Stärke 7,5 und höher möglich – das trifft unter anderem den Zollernalbkreis und Tübingen.

Bei einem Erdbeben kommt es zu gewaltigen Bewegungen im Erdinneren. Diese sind an der Erdoberfläche spürbar. Der Boden bewegt sich in horizontaler oder vertikaler Richtung und mit ihm alles, was auf ihm steht – also auch Häuser. Kommen Menschen bei Erdbeben zu Schaden, liegt das meistens nicht an den Erdbewegungen selbst sondern daran, dass Gebäude den Schwingungen nicht Stand halten – und einstürzen.

Baden-Württemberg hat eine Bauordnung für Erdbebengebiete

Was Häuslebauern in diesen Gebieten hilft, ist ihre Gebäude erdbebensicher zu machen. In Baden-Württemberg gibt es dafür eine baurechtliche Regelung, die DIN 4149 „Bauten in deutschen Erdbebengebieten“. Erdbebensicher sind Gebäude, die die Bewegungen der Erde „mitmachen“, ohne dabei einzustürzen. Und ohne im schlimmsten Fall Menschen unter sich zu begraben.

Erdbebensicher wird ein Gebäude durch mehrere Faktoren. Häuser mit einem einfachen und möglichst symmetrischen Bau halten einem Erdbeben eher stand als ein hoher Turm oder aber Gebäude mit einer L- oder T-Form. Das liegt daran, dass sich die einzelnen Gebäudeabschnitte bei Bewegungen unterschiedlich verformen können und so stark beansprucht sind. „Gedrungene“, also niedrige, Bauwerke, sind relativ starre Körper. Ihre Eigenschwingung ist oft gering, weshalb sie nicht so schnell einstürzen. Deshalb gilt: Je kompakter, desto sicherer.

Eine Versicherung ist unbedingt empfehlenswert.
Martina Brehme, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Wichtig ist eine hohe „Steifigkeit“. Ein Haus, das nur aus Außenwänden besteht, verformt sich bei Bewegungen des Untergrund eher, als eines, das durch Zwischenwände gestärkt, oder eben „versteift“, ist.

Ebenso das Baumaterial ist entscheidend. Holz hält Erdbeben oft gut stand. Es federt die Schwingungen sozusagen ab. Das gilt für moderne Holzbauweise als auch für Fachwerk-Bauten. Schwere Gebäude aus Beton oder Stein geraten verhältnismäßig nicht so schnell in Schwingung. Passiert das bei einem stärkeren Beben aber doch, entstehen oft Risse in den Wänden.

Verbraucherzentrale empfiehlt Häuslebauern eine Versicherung

Wenn Schäden entstehen, kann eine Versicherung helfen. „Die ist unbedingt empfehlenswert“, sagt Martina Brehme von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wichtig ist, dass Besitzer bei der Wohngebäudeversicherung Elementargefahren einschließen, zum Beispiel durch Starkregen oder Stürme. „Die meisten Versicherungen bieten hier auch Erdbebenschutz an“, sagt Brehme. Häuslebauer sollten aber darauf achten, dass die Versicherung keine Obergrenze für Erdbebenschäden hat, empfiehlt die Verbraucherzentrale. „So ein Deckel kann bei großen Erdbeben sonst ein Problem sein“, so Brehme.

In Baden-Württemberg bestand früher eine Versicherungspflicht gegen Feuer- und Elementarschäden. Seit 1971 schloss sie auch Gebäudeschäden infolge von Erdbeben ein. Diese Pflicht besteht nicht mehr. Seit dem 1. Juli 1994 kann jeder Eigentümer selbst entscheiden, ob und in welchem Maße er sein Gebäude gegen diese Schäden versichern möchte. Noch immer ist die Versicherungsquote in Baden-Württemberg aber sehr hoch. 94 Prozent der Häuser sind komplett versichert (Stand 2018).

Im Rest von Deutschland sieht die Situation ganz anders aus. Rund zehn Millionen Hausbesitzern fehlt der Schutz gegen Elementarrisiken.

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